Hundemantel: Ja oder Nein? Wann er wirklich nötig ist und wann nicht!

Draußen wird es kalt 🥶 und überall sieht man Hunde mit Mänteln. Doch braucht Dein Hund wirklich einen Hundemantel, oder verhätscheln wir unsere Vierbeiner zu sehr?

Lass uns gemeinsam einen Blick auf dieses Thema werfen. Am Ende weißt Du genau, wann ein Mantel sinnvoll ist und wann halt auch nicht.

Wann braucht ein Hund einen Mantel?

Die Frage aller Fragen. Und die Antwort ist – wie so oft – ein klares „Es kommt darauf an“. (Ich weiß, ich weiß, Du hättest gerne ein einfaches Ja oder Nein. Aber Hunde sind nun mal Individuen.)

Grundsätzlich gibt es einige Hundetypen, bei denen ein Mantel tatsächlich mehr als nur Deko ist:

Hunde ohne Unterwolle

haben von Natur aus keine isolierende Schicht unter dem Deckhaar. Diese Typen gibt es in Lang- und Kurzhaar. Zu den langhaarigen Hunden ohne oder wenig Unterwolle gehören beispielsweise Pudel, Havaneser, Bolonka, Yorkshire Terrier oder Malteser.

Zu den kurzhaarigen Vertretern zählen Rassen wie Windhunde, Rhodesian Ridgeback, Dalmatiner oder Boxer.

Egal ob Lang- oder Kurzhaar, gemeinsam haben sie, dass sie im Winter schneller durchgefroren sind, als ihre gut isolierten Artgenossen. Ein Hundemantel kann hier wirklich helfen.

Kleine Hunde

haben es doppelt schwer: Ihr Bauch ist deutlich näher am kalten Boden, und durch ihre kompakte Körpergröße verlieren sie schneller Wärme. Ein Chihuahua oder Zwergpinscher friert einfach schneller als ein Bernhardiner, weil sie im Verhältnis zu ihrer Größe eine größere Körperoberfläche haben. Logisch, oder?

Wenig Bewegung

bedeutet wenig Wärmeproduktion. Wenn Dein Hund gemütlich neben Dir her schlendert, statt wild durch den Schnee zu toben, kühlt er schneller aus. Gerade bei älteren oder sehr ruhigen Hunden kann ein Mantel dann Gold wert sein.

Besondere Lebenslagen: Wenn Dein Hund extra Unterstützung braucht

Bei Hunden gibt es natürlich unterschiedliche Lebensabschnitte und auch die Gesundheit ist ein wichtiger Faktor bei der Überlegung nach der Sinnhaftigkeit eines Hundemantels. 

Welpen – die Neulinge in Sachen Thermoregulation

Welpen sind noch nicht so gut darin, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Ihr System ist noch im Lernmodus, sozusagen. Besonders bei den ersten Winterspaziergängen kann ein leichter Mantel sinnvoll sein. Nicht, weil sie unbedingt einen brauchen, sondern weil es ihnen den Start ins Leben erleichtert.

Aber Achtung: Übertreib es nicht. Welpen sollen auch lernen, mit Kälte umzugehen. Ein gesunder Mittelweg ist hier der Schlüssel.

Alte und kranke Hunde – wenn der Körper nicht mehr so will

Mit dem Alter wird alles ein bisschen anstrengender. Das kennen wir Menschen ja auch. Bei Hunden ist es nicht anders. Die Thermoregulation funktioniert nicht mehr so gut, das Immunsystem schwächelt, und Gelenkprobleme wie Arthrose machen sich bemerkbar. Kälte verstärkt Schmerzen in den Gelenken, und ein ausgefrorener Senior ist anfälliger für Infekte.

Hier ist ein gut sitzender Hundemantel keine Verhätschelung, sondern eine echte Erleichterung. Dein alter Hund wird es dir danken, auch wenn er Dich vielleicht erst mal anschaut, als ob Du jetzt völlig verrückt geworden bist.

Sporthunde – zwischen Höchstleistung und Auskühlen

Agility, Mantrailing, Rettungshundearbeit – Sporthunde sind echte Athleten. Und wie bei jedem Sportler gilt: Aufwärmen und Cooldown sind wichtig. Ein Hundemantel in den Pausen zwischen den Trainingseinheiten verhindert, dass die Muskulatur zu schnell auskühlt. Das minimiert das Verletzungsrisiko. Genauso wie Du nach dem Joggen nicht sofort in die eiskalte Winternacht stapfst, sondern Dich langsam abkühlst (oder zumindest solltest) und Dir dabei eine warme Jacke anziehst.

Auch beim Warten im Auto kann ein Mantel sinnvoll sein, wenn die Heizung aus ist und der Hund gerade noch „geschwitzt“ hat. Ein ausgekühlter Muskel ist ein verletzungsanfälliger Muskel.

Wetter macht den Unterschied: Trockene Kälte vs. Nasskalt

Kälte ist nicht gleich Kälte. Und das merkst Du selbst am besten: Minus 5 Grad bei strahlendem Sonnenschein? Geht klar. Aber 5 Grad plus mit Nieselregen und Wind? Brrrr, das geht einem durch Mark und Bein.

Trockene Kälte ist für die meisten Hunde deutlich erträglicher. Das Fell isoliert gut, solange es trocken bleibt. Viele Hunde lieben es sogar, im Schnee zu toben und ihre Unterwolle funktioniert wie eine Daunenjacke.

Nasskälte ist das wahre Problem. Wenn das Fell durchnässt ist, verliert es seine isolierende Wirkung. Dein Hund wird schneller auskühlen, und gerade bei Regen oder Schneeregen kann ein wasserabweisender Regenmantel wirklich Sinn machen. Aber Achtung: Wenn Du einen reinen Regenmantel benutzt, der nur vor Nässe schützt, kann es sein, dass Dein Hund trotzdem friert. Meine Hunde haben darunter entweder noch einen dünnen und wärmenden Mantel, oder gleich einen warmen Mantel, der auch wasserdicht ist, an. 

Manteltypen – für jedes Wetter das Richtige

Je nach Wetterlage gibt es unterschiedliche Mäntel:

  • Regenmäntel: Wasserabweisend, oft ungefüttert, perfekt für nasse Herbsttage, wenn es noch nicht so ganz kalt ist. 
  • Wintermäntel: Gefüttert, wärmend, für richtig kalte Tage
  • Softshell-Mäntel: Wind- und wasserabweisend, leicht gefüttert. Der Allrounder. 
  • Bademäntel: Meist aus Frottee. Leiten Nässe vom Hundekörper weg und nehmen diese auf. Guter Kompromiss, wenn Du Dich gegen einen anderen Mantel entscheidest, Du Deinen nassen Hund im Anschluss an einen Regenspaziergang schneller trocken bekommen möchtest. Die finde ich für Rassen, die ansonsten keinen Mantel brauchen trotzdem sehr nützlich. 
  • Kühlwesten: Ja, richtig gelesen! Für den Sommer, falls Dein Hund zu Überhitzung neigt. Nicht mein Favorit, da die Hunde hier nicht entscheiden können, ob sie die Kühlung wirklich möchten oder nicht. Ich bin eher ein Fan davon im Schatten zu chillen, wenn es zu heiß für andere Aktivitäten ist. 
  • Besonderheit für Schnee: Für meine Pudel habe ich für schneereiche Tage Ganzkörpermäntel aus Fleece. Diese verhindern, dass der Schnee im Pudelfell klumpt und Bommel bildet. Fun-Fact: Seit ich Pudel habe, verstehe ich übrigens, warum die Inuit so viele Wörter für Schnee haben 😂 

Die richtige Passform – darauf kommt es an

Ein Hundemantel kann noch so schick und teuer sein. Wenn er nicht passt, ist er nutzlos. Oder schlimmer: unbequem und rausgeschmissenes Geld.

So misst Du richtig:

  • Rückenlänge: Vom Widerrist (höchster Punkt der Schulter) bis zum Rutenansatz
  • Brustumfang: An der breitesten Stelle hinter den Vorderbeinen
  • Halsumfang: Dort, wo normalerweise das Halsband sitzt

Wichtig: Miss bei entspanntem Hund, nicht bei eingezogenem Bauch oder aufgeplustertem Fell. Und rechne ein paar Zentimeter Spielraum ein. Der Mantel soll nicht wie eine Wurstpelle sitzen.

Bewegungsfreiheit ist das A und O

Dein Hund muss sich frei bewegen können. Die Vorderbeine dürfen nicht eingeschränkt sein, der Mantel sollte nicht scheuern, und beim Pinkeln (ja, auch das ist wichtig!) sollte nichts im Weg sein. Ein Mantel, der bei jedem Schritt verrutscht oder reibt, ist eine Qual.

Achtung bei Rassen, die die Rute hoch tragen, wie z. B. Terrier oder Pudel. Hier ist es wichtig, dass der Mantel so geschnitten ist, dass das noch möglich ist und die Rute nicht vom Mantel nach unten gedrückt wird. Bei vielen Marken gibt es dafür entweder Löcher, durch die die Rute durchgesteckt werden kann oder der Schnitt an sich ermöglicht eine natürliche Rutenhaltung. 

Die Abdeckung aller Körperregionen ist entscheidend

Achte darauf, dass alle großen Muskelgruppen, wie Rumpf, Schultern und Lenden vom Mantel bedeckt sind. Ebenso sollte der gesamte Rücken unter dem Mantel sein, auch wenn Dein Hund den Kopf zum Schnüffeln nach unten nimmt. Spätestens hier siehst Du deutlich, ob der Mantel zu kurz ist, oder ob er gut passt. 

Achte auch darauf, dass der Bauchlatz groß genug ist und ebenfalls eine großflächige Abdeckung gewährleistet. Hilft ja nichts, wenn der Rücken warm ist, der Bauch dafür völlig ungeschützt ist. 

Ein Pudel mit gut sitzendem Hundemantel, der alle wichtigen Körperregionen abdeckt
Hier siehst Du einen gut sitzenden Mantel. Alle großen Muskelgruppen (Brust, Schultern, Rücken, Bauch und Lenden sind bedeckt und somit warm.

 

Material und Atmungsaktivität

Das Material sollte atmungsaktiv sein, sonst überhitzt Dein Hund drunter und kühlt danach erst recht aus. Fleece, Softshell oder spezielle Funktionsstoffe sind eine gute Wahl. Billige Nylon-Teile, die nicht atmen können? Lass sie im Laden.

Verschlüsse und Sicherheit

Klettverschlüsse sind praktisch, aber prüfe, ob sie sicher halten und nicht zu laut sind (manche Hunde erschrecken sich). Schnallen sollten stabil sein, aber nicht drücken. Und: Reflektoren sind ein gutes Zusatzelement für die dunkle Jahreszeit!

Welche Marke soll ich nur kaufen?

Diese Frage kann ich Dir nicht beantworten. Da musst Du Dich einfach mal im Fachhandel durchprobieren.

Ich habe hier 3 Hunde und 3 unterschiedliche Fabrikate, da jeder Hund einen anderen Körperbau hat. Reba kommt gut mit den Mänteln von Pomppa klar. Ich dafür allerdings weniger, weil die keine Beinschlaufen haben und ich nicht nähen kann. Somit habe ich hier oft das Problem, dass die Mäntel rutschen. Aber die Passform ist halt gut. 

Bei den Pudeln passt Pomppa ebenfalls gut. Mein Favorit hier sind allerdings die Mäntel von Hurtta. Die sind von der Passform noch einen Ticken besser. 

Und das kleine Aussieteilchen Zazu passt z. B. sehr gut in den Mantel von Rukka

Du siehst, dass nicht mal die Wahl der Marke eines Hundemantels passend für jeden Hund ist. Manchmal hasse ich mich dafür, immer sagen zu müssen „es kommt darauf an“. Aber was soll ich denn nur tun? Ich glaube nur die Aussage „lass Deinen Hund nach draußen wenn er muss und er wird Dir nicht in die Wohnung pinkeln“ ist allgemeingültig 😂 

Wann Hunde KEINEN Mantel brauchen

Jetzt mal ganz ehrlich: Die meisten Hunde brauchen im Normalfall keinen Mantel. Wirklich nicht.

Gesunde, aktive Hunde mit Unterwolle

sind von Natur aus perfekt für den Winter gerüstet. Ein Siberian Husky, Berner Sennenhund oder Australian Shepherd lacht über Minusgrade. Diese Hunde haben eine dichte Unterwolle, die wie eine natürliche Isolierung funktioniert. Ein Mantel wäre hier nicht nur überflüssig, sondern könnte sogar zur Überhitzung führen.

Bei ausreichend Bewegung

produziert Dein Hund genug eigene Wärme. Wenn Ihr gemeinsam joggt, wandert oder durch den Wald tobt, bleibt Dein Hund warm und somit wäre ein Mantel unnötig.

In beheizten Innenräumen

(und das ist wichtig!) hat ein Mantel absolut nichts verloren. Wenn Dein Hund im geheizten Auto sitzt, in der warmen Wohnung chillt oder im beheizten Vereinsheim wartet, dann bitte Mantel aus! Sonst überhitzt er, „schwitzt“ drunter, und sobald er rauskommt, ist die Erkältung vorprogrammiert. Ein bisschen Thermoregulation dürfen die Hunde schon noch selber hinbekommen. Und ich weiß, dass sie das durchaus schaffen. 

Rassen mit dichtem Winterfell

wie Neufundländer, Alaskan Malamutes oder Leonberger kommen auch bei arktischen Temperaturen klar. Diesen Hunden einen Mantel anzuziehen ist, als würdest du einer Robbe Schwimmflügel verpassen.  Vielleicht noch nett gemeint, aber echt sinnfrei.

Anzeichen, dass Dein Hund friert

Okay, Du bist Dir unsicher? Dann beobachte Deinen Hund. Er zeigt Dir sehr deutlich, wenn ihm kalt ist:

  • Zittern: Das offensichtlichste Zeichen. Aber Achtung: Zittern kann auch Aufregung oder Angst bedeuten
  • Eingezogene Rute: Ein frierender Hund macht sich klein
  • Verlangsamtes Tempo: Dein sonst flotter Spaziergänger trödelt plötzlich?
  • Pfote heben: Häufiges Hochziehen der Pfoten deutet auf kalte Füße hin (nein, bitte, Dein Hund braucht keine Schuhe 😉)
  • Verkrampfte Haltung: Ein runder Rücken und angespannte Muskulatur sind Warnzeichen
  • Sucht aktiv Wärme: Drängt sich an Dich, will nach Hause

Wenn Dein Hund diese Signale zeigt, ist es Zeit für einen Mantel oder zumindest für einen kürzeren Spaziergang.

Nachteile und Risiken von Hundemänteln

So nützlich Mäntel sein können, gibt es auch Schattenseiten. Und die solltest Du kennen.

Überhitzung in Innenräumen

Ein Hund mit Mantel in der warmen Wohnung oder im beheizten Auto ist wie du in Daunenjacke in der Sauna. Er schwitzt, überhitzt und fühlt sich elend. Sobald du reingehst: Mantel aus!

Beeinträchtigung der natürlichen Thermoregulation

Wenn Dein Hund ständig einen Mantel trägt, gewöhnt sich sein Körper nicht mehr richtig an wechselnde Temperaturen. Das Winterfell wird womöglich nicht mehr so dicht ausgebildet. Also: Mantel nur, wenn wirklich nötig.

Scheuerstellen bei falscher Passform

Ein schlecht sitzender Mantel kann reiben, drücken und (sehr unwahrscheinlich, aber möglich) die Haut wund machen. Besonders unter den Achseln oder am Hals solltest Du hier genau hinsehen. Prüfe regelmäßig die Haut Deines Hundes.

Eingeschränkte Kommunikation

Hunde kommunizieren viel über Körpersprache und dazu gehört unter anderem auch das Fellsträuben. Ein dicker Mantel verdeckt diese Signale, was zu Missverständnissen mit anderen Hunden führen kann. Bei manchen Mänteln werden die Ruten nach unten gedrückt und können ebenfalls nicht mehr zur Kommunikation benutzt werden. Gerade bei Rassen, die die Rute natürlich hoch tragen ist das ein großes Problem (übrigens auch beim Tragekomfort!)

Eventuell Gewöhnungszeit nötig

Nicht jeder Hund findet es toll, plötzlich verpackt zu werden. Manche brauchen Training und positive Verstärkung, um den Mantel zu akzeptieren. Und einige werden ihn immer hassen. Das solltest Du  durchaus respektieren. Ich bin da allerdings meist sehr pragmatisch und mache da, ehrlich gesagt, kein großes Theater drum. Sollte der Hund aber wirklich deutliches Unwohlsein zeigen, dann mach ihm den Mantel gerne schmackhaft. 

Gewöhnung an den Mantel – Training mit Geduld

Dein Hund sieht den Mantel zum ersten Mal und reagiert, als hättest Du ihm eine Zwangsjacke angezogen? Keine Panik, das ist nicht ganz ungewöhnlich.

Schritt für Schritt:

  1. Lass den Mantel erstmal rumliegen und pack vielleicht ein paar Leckerlis drauf. Positive Verknüpfung!
  2. Kurz drüberlegen, Leckerli, fertig. Nicht festmachen.
  3. Kurz anlegen ohne Verschlüsse, sofort wieder abnehmen, Belohnung.
  4. Anlegen, verschließen, Leckerli-Regen, nach 10 Sekunden wieder aus.
  5. Dauer langsam steigern.

Das Ziel: Dein Hund verbindet den Mantel mit etwas Positivem. Zwing ihn nie wenn er wirklich panisch reagiert.

Pflege des Mantels – Hygiene ist wichtig

Ein Hundemantel sammelt Dreck, Gerüche, Schlamm und manchmal auch Pipi (passiert). Regelmäßiges Waschen ist Pflicht. Das dient sowohl der Hygiene als auch der Funktionalität des Materials.

Achte auf die Waschanleitung, aber generell gilt:

  • Nicht zu heiß waschen (meist 30 Grad reichen)
  • Keinen Weichspüler verwenden (zerstört wasserabweisende Beschichtungen)
  • Gut trocknen lassen, bevor Du ihn wieder benutzt

Ein müffelnder, nasser Mantel ist ungefähr so angenehm wie nasse Socken. Also: Pflege ihn gut.

Accessoire vs. nützliches Tool – Die richtige Einstellung

Und hier kommen wir zum Kern der Sache: Hundemäntel sind in den letzten Jahren zum Mode-Statement geworden. Pinker Plüsch mit Glitzersteinen? Anzug mit Fliege? Prinzessinnen-Cape? Klar gibt’s das alles.

Aber: Ein Hundemantel sollte in erster Linie funktional sein. Wenn Dein Hund einen Mantel braucht, dann bitte einen, der ihm hilft und nicht einen, der im Auge des Betrachters gut aussieht.

Das heißt nicht, dass der Mantel nicht schick sein darf. Aber die Priorität sollte immer sein: Passt er? Hält er warm/trocken? Kann mein Hund sich gut bewegen?

Bedürfnisorientiert denken: Frag Dich nicht „Sieht das süß aus?“, sondern „Hilft das meinem Hund?“.

Wenn die Antwort auf die letzte Frage „Nein“ ist, aber Du trotzdem einen Mantel willst, weil Du ihn niedlich findest, sei bitte ehrlich zu Dir selbst. Das ist okay, solange der Mantel nicht schadet. Aber verhätschel Deinen Hund nicht aus falscher Fürsorge. Hunde sind robuster, als wir oft denken.

Fazit: So triffst Du die richtige Entscheidung für Deinen Hund

Also, braucht Dein Hund jetzt einen Mantel oder nicht?

Die Checkliste:

✅ JA zum Mantel, wenn:

  • Dein Hund keine/wenig Unterwolle hat
  • Er klein, alt, krank oder ein Welpe ist
  • Ihr bei Nasskälte unterwegs seid
  • Er Anzeichen von Frieren zeigt
  • Er im Hundesport zwischen Einheiten wartet
  • Wenig Bewegung auf dem Programm steht

❌ NEIN zum Mantel, wenn:

  • Dein Hund gesund, aktiv und mit dichtem Fell gesegnet ist
  • Ihr Euch viel bewegt
  • Es trocken und nicht extrem (und wenn ich extrem sage, meine ich extrem! 😉) kalt ist
  • Dein Hund sich im Mantel unwohl fühlt und sich nicht daran gewöhnen will
  • Ihr Euch in beheizten Räumen aufhaltet

Die goldene Regel: Beobachte Deinen Hund. Er zeigt Dir, was er braucht. Nicht jeder Chihuahua braucht einen Mantel, und nicht jeder Husky kommt ohne aus (zum Beispiel, wenn er krank ist).

Und vor allem: Ein Hundemantel, für den Du Dich bewusst aus Nutzengründen entschieden hast, ist kein Zeichen von Schwäche oder Verhätschelung, sondern ein Werkzeug. Wenn Dein Hund ihn braucht, ist er Gold wert. Wenn nicht, spar Dir das Geld und gönn Deinem Hund lieber ein paar extra Leckerlis.

In diesem Sinne: Bleibt warm da draußen – mit oder ohne Mantel! 🐾

Hobby Dogging Trend: Gassi ohne Hund – Was steckt dahinter?

Hobby Dogging – Gassigehen ohne Hund. Trend, Satire oder völlig bescheuert?

Oder: Wenn man unbedingt einen Hund ausführen möchte. Nur halt ohne Hund. Dann heißt es heute Hobby Dogging. 

Ich habe wirklich versucht Infos zu recherchieren. Die Faktenlage ist dünn. Daher hier ein Meinungsartikel.  

Hobby Dogging – Wenn „Hundehaltung“ plötzlich ohne Hund auskommt

Ich gebe es zu: Als ich das erste Mal von Hobby Dogging gehört habe, war ich mir sicher, dass das ein Satire-Artikel ist. So richtig „Postillon-Vibes“. Ich habe sogar meine Reaktion auf Insta und Facebook gepostet. Ich habe mir ehrlich gesagt fast ins Höschen gemacht vor lauter Lachen. 

Und dann… stellte sich heraus:
Nein. Die scheinen das ernst zu meinen. Richtige Menschen gehen mit einer richtigen Leine spazieren, nur der Hund fehlt. Und schwupps, war der Hobby Dogging Trend geboren. 

Deutschland, 2025. Wir haben’s mal wieder geschafft. Ganz herzlichen Glückwunsch. 

Hier ist übrigens der Link zu Instagram, falls Du mitlachen möchtest 😂

Eine Anmerkung zum Schreibstil dieses Artikels. Ich schreibe im Normalfall die Anrede „Du“ in meinen Artikeln groß. Bei diesem Artikel habe ich bewusst darauf verzichtet, da ich hier eher allgemein schreibe und wahrscheinlich die meisten meiner treuen Leser hier nicht direkt angesprochen werden möchte. 😉 Und hier passt es auch sehr gut, einfach mal danke zu sagen. DANKE an DICH, die Du (fast) alle meine Artikel liest. Das ist für mich der schönste Lohn. ❤️

Hobby Dogging Trend 2025: Was steckt dahinter? 

Kurzfassung:
Gassi gehen ohne Hund. Mit Leine, Körpersprache, Stimmkommandos und voller Überzeugung, aber eben ohne tierisches Gegenüber.

Die Videos der Erfinderin Barbara Gerlinger aus Bad Friedrichshall bei Heilbronn gingen viral und erreichten fast 5 Millionen Aufrufe.

Je nach Quelle soll Hobby Dogging angeblich:

  • die Körpersprache schulen

  • die Kommunikation verbessern

  • Stress abbauen

  • oder sogar auf einen echten Hund vorbereiten

Bitte, ich habe hier mal verbloggt, was passiert, wenn ein Welpe ins Haus kommt und zum Terrorkrümel mutiert. Bitte sag mir, wie man das mit ner leeren Leine üben soll!?! Toi, toi, toi 🍀

Ich sag’s mal so höflich wie möglich:

Hundetraining ohne den Hund. Für mich ungefähr so sinnvoll wie Autofahren üben, indem man im Wohnzimmer „brumm brumm“ macht.

Hobby Dogging vs. Hobby Horsing: Der Vergleich

Hobby Dogging folgt dem Trend von Hobby Horsing, bei dem Menschen mit Steckenpferden Parcours absolvieren. Beide Trends haben gemeinsam:

  • Imaginäres „Tier“
  • Echte Bewegung
  • Soziale Gemeinschaft
  • Zunächst belächelt, dann viral

Der große Unterschied: Hobby Horsing ist Sport und wird auch so verstanden. Hobby Dogging wird teilweise als Trainingsmethode für echte Hundehaltung vermarktet und genau da wird es problematisch.

Warum ich dachte (und immer noch denke), es sei Satire

Als Hundetrainerin weißt du: Training lebt von Wechselwirkung.
Ein imaginärer Hund…

  • reagiert nicht

  • widerspricht nicht

  • pöbelt nicht

  • zieht nicht an der Leine

  • ignoriert dich nicht wegen eines Grashalms

  • hat keine Angst, keinen Jagdtrieb und keinen eigenen Plan

Kurz:
Er verhält sich exakt so, wie du es gerne hättest.

Wenn das das Ziel ist… Herzlichen Glückwunsch, du brauchst keinen Hund. Du brauchst Fantasie.

Und genau deshalb ist Hobby Dogging als „Hundetraining“ etwa so sinnvoll wie:

  • Kochkurs mit leerem Topf

  • Putzen ohne Lappen

  • Fitnesstraining mit der Vorstellung von Gewichten

Barbara Gerlinger und ihre Idee hinter Hobby Dogging

Fairerweise muss ich sagen: Barbara Gerlinger meint es durchaus ernst mit ihrem Ansatz. Ihre Argumentation: Das Problem liegt immer am oberen Ende der Leine, also beim Menschen. Ihr geht es um:

  • Körperhaltung
  • Timing
  • Konzentration
  • Achtsamkeit

Und ja, diese Aspekte sind wichtig. Aber: Man kann sie auch trainieren, während man neben einem echten Hund steht. Oder in einem Kurs mit echten Hunden übt. Oder mit einem Freund und dessen Hund spazieren geht.

Einige Teilnehmer berichten, dass sie erst ohne Hund üben („da kann ich nichts kaputtmachen“) und später mit echtem Hund weiterarbeiten. Als Brücke für absolute Anfänger, die panische Angst haben, etwas falsch zu machen? Okay, das kann ich vielleicht noch nachvollziehen.

Aber dann ist Hobby Dogging keine Trainingsmethode, sondern eine Entspannungsübung für gestresste Menschen.

Training ohne Hund? Funktioniert nicht. Punkt.

Es gibt Dinge, die sind im echten Hundetraining essenziell:

  • Timing

  • Emotionen (deine UND die des Hundes)

  • Reaktionen (unvorhersehbar!)

  • Frustrationstoleranz

  • Impulskontrolle

  • Entscheidungskompetenz

  • Bindungsaufbau

All das entsteht im Umgang mit einem lebenden Tier, nicht in einer Fantasieszene.

„Mit einer leeren Leine Leinenführigkeit üben“ ist wie „Schwimmen lernen“, nur ohne die Gefahr, sich nasszumachen.

Warum Menschen das trotzdem machen (psychologisch betrachtet)

Hier ein bisschen Fachlichkeit, damit der Artikel auch echte Substanz bekommt:

Hobby Dogging erfüllt folgende Bedürfnisse:

  • Struktur

  • Bewegung

  • soziale Aufmerksamkeit („Oh! Wo ist denn dein Hund?“)

  • Stressentlastung

  • Verbindungserleben (ohne echte Verantwortung)

Das ist nicht schlimm. Das darf’s geben.

Nur:
Das macht es nicht zu einer ernsthaften Trainingsmethode.

Es ist eher eine Form von:

  • Achtsamkeitsübung

  • Imaginärem Rollenspiel

  • Körperwahrnehmungstraining

Und ja, wer das mag, bitte.
Aber dann nennt man es auch einfach so. 

Wo Hobby Dogging als „Training“ völlig bröckelt

  1. Keine echte Kommunikation
    Kommunikation ohne Rückmeldung ist kein Training, sondern Monolog. Ein Hund zeigt dir durch Körpersprache, ob er verstanden hat, gestresst ist, abgelenkt wird oder sich unwohl fühlt. Diese Signale zu lesen ist KERN des Hundetrainings.

  2. Keine Störungen
    Ein imaginärer Hund hetzt keinem Reh hinterher.
    (Sollte er es tun, bitte professionelle Hilfe aufsuchen. Für den Mensch, nicht für den Hund.)
    Oder bei leichten Fällen, als Soforthilfe, noch mal meinen Artikel über Rückruf als Beziehungsbooster statt reiner Technik lesen. 😉

  3. Keine echte Frustration
    Der Fantasiehund zieht nicht nach rechts in den Park, obwohl du nach links willst. Er schnüffelt nicht genau dann an DEM Baum, wenn du es eilig hast. Er bleibt nicht abrupt stehen, weil dort ein anderer Hund war.

  4. Keine Steuerung durch reale Emotionen
    Du kannst mit einem Fantasiehund keinen Umgang mit Angst, Unsicherheit oder Überforderung lernen. Weder deine eigenen Emotionen noch die des Hundes kommen ins Spiel.

  5. Keine Generalisierung
    Weil es nichts zu generalisieren gibt. Training bedeutet: In verschiedenen Situationen, an verschiedenen Orten, mit verschiedenen Ablenkungen üben. Mit Luft an der Leine? Unmöglich.

Warum Hobby Dogging trotzdem viral geht

Weil das Internet Hobby Dogging liebt:

  • Es ist skurril

  • Es ist absolut memetauglich

  • Es hat perfekten „Deutschland macht wieder Deutschland-Dinge“-Charakter.

  • Und es erlaubt jedem eine Meinung, besonders denen ohne Hund.

Das ist übrigens nicht negativ gemeint. Virales Potenzial ist real, und Menschen suchen nach ungewöhnlichen Aktivitäten.

Und jetzt kommt das eigentliche Problem

Viele Medien stellen es so dar, als wäre das eine legitime Trainingsmethode.
Das verunsichert Hundemenschen, die wirklich lernen wollen.

Und hier spreche ich als Trainerin Klartext:

„Wenn Du für den Alltag mit Hund üben willst, übe mit einem echten Hund. Nicht mit einer Leine, die auf dem Boden hängt wie eine nasse Spaghetti.“

Du willst Körpersprache üben?
Dann steh neben einem Hund.

Du willst Leinenhandling üben?
Dann geh mit einem Hund.

Du willst Sicherheit bekommen?
Dann arbeite mit Lebewesen, nicht mit einem Konzept.

Mein Fazit als Hundetrainerin

Hobby Dogging ist kein Hundetraining.
Es ist ein Hobby.
Und zwar eins ohne Hund.

Ob das jemand machen möchte? Bitte, go for it. Als Entspannungsritual, Achtsamkeitsübung oder skurriles Hobby, kein Problem.

Aber wenn wir über echtes Miteinander sprechen, über Beziehung, Vertrauen, Kommunikation, Alltag und das Lesen von Hunden, dann braucht es:

👉 einen echten Hund
👉 echte Situationen
👉 echte Emotionen
👉 echtes Training

Und manchmal eben auch echten Frust, echte Fehler und echte Kekse.

Deine Meinung zu Hobby Dogging?

Hast Du auch schon eine Meinung zu Hobby Dogging? Kennst Du andere skurrile Hundetrends? Oder hast Du vielleicht selbst Hobby Dogging ausprobiert? Dann lass mir gerne einen Kommentar da!

Teile diesen Artikel gerne, wenn Du auch denkst, dass Hundetraining einen echten Hund braucht. 😉

Weitere interessante Artikel für dich:

Folge mir auf Instagram und Facebook für mehr ehrliche Einblicke ins Hundetraining – und ab und zu auch für skurrile Trends wie diesen hier. 😂

FAQ

Hobby Dogging

Nein. Als Hundetrainerin kann ich klar sagen: Echtes Hundetraining braucht einen echten Hund. Die Interaktion, das Lesen von Körpersprache, das spontane Reagieren auf unvorhergesehene Situationen. All das kannst Du nicht mit einer leeren Leine trainieren. Hobby Dogging kann höchstens eine Entspannungsübung oder Vorbereitung für absolute Anfänger sein, ersetzt aber niemals echtes Training. 

Nicht sinnvoll. Du kannst Bewegungsabläufe üben, aber keine Reaktion, kein Timing und keine echte Kommunikation. Leinenführigkeit entsteht immer in Interaktion mit einem echten Hund.

Hobby Dogging kann Stress abbauen, für Bewegung an der frischen Luft sorgen und als Achtsamkeitsübung funktionieren. Wer sich dabei entspannt und Spaß hat, darf das gerne machen. Als Vorbereitung auf echte Hundehaltung oder als Trainingsmethode ist es aber ungeeignet, weil die wichtigsten Elemente fehlen: der Hund, seine Reaktionen und die echte Interaktion.

Ja, es folgt dem gleichen Prinzip: Menschen üben eine Aktivität mit imaginärem „Tier“ aus. Der Unterschied: Hobby Horsing wird als Sport verstanden, während Hobby Dogging teilweise als Trainingsmethode für echte Hundehaltung vermarktet wird. Und genau das ist das Problem.

Nur sehr bedingt. Es kann helfen, Hemmungen abzubauen und erste Bewegungsabläufe zu verinnerlichen. Aber: Alles, was im echten Alltag mit Hund zählt – Kommunikation, Frustration, unerwartete Situationen, Bindung – fehlt komplett. Als alleinige Vorbereitung ist es völlig unzureichend.

Wie sage ich meinem Hund, dass ich ihn liebe?

🐾 Wie sage ich meinem Hund, dass ich ihn liebe und warum es bei der Kommunikation zwischen Mensch und Hund nicht um Worte geht.

Das Mysterium der Kommunikation zwischen Mensch und Hund ist ein Dauerthema. Hier möchte ich ein ganz andere Seite dieser Mensch-Hund-Beziehung beleuchten. 

Wir sagen „Sitz“, „Bleib“, „Aus“ und ganz oft auch „Ich liebe dich“. Und genau da beginnt das Problem. Wir reden und GLAUBEN verstanden zu werden.

Und während wir noch so glauben, unser Hund müsse irgendwie spüren, was wir von ihm wollen, denkt der Hund vermutlich:

„Aha, sie redet wieder. Muss ich jetzt was tun oder darf ich schlafen?“

Menschen wollen verstanden werden. Hunde auch.
Und genau dazwischen liegt das große Missverständnis:
Wir reden und sie lesen uns, denn verstehen können sie unser Gebrabbel leider nicht.

❤️ Warum wir überhaupt das Bedürfnis haben, unserem Hund „Ich liebe dich“ zu sagen

Dass Menschen das Bedürfnis haben, ihrem Hund DIE drei Worte zu sagen, ist eigentlich sehr menschlich.

Wir kommunizieren hauptsächlich über gesprochene Worte. Das bisschen Körpersprache, was wir sonst noch so einsetzen, ist für unsere Hunde eher sehr kläglich und wahrscheinlich sogar recht lächerlich.

Wir trösten, erklären und schimpfen mit Worten. Hier noch in verschiedenen Lautstärken und mit mehr oder weniger variablen Stimmlagen. Das war es aber auch schon. Jetzt haben wir Menschen untereinander schon oft genug Mühe, den jeweils anderen zu verstehen. Und ich meine hier nicht phonetisch, sondern den Sinn der gesprochenen Worte. Würden wir das tun, würden wir uns nicht gegenseitig die Köpfe einschlagen, sondern hätten uns zumindest ein bisschen gern. Man muss ja nicht übertreiben und gleich jeden lieben.

Unsere Hunde quatschen jetzt nicht den ganzen Tag rum. Ganz im Gegenteil (okay, außer es handelt sich um sehr bellfreudige Vertreter ihrer Gattung 😊)

Sie „sprechen“ über Blicke, Spannung, Distanz, Ausrichtung und Mimik.
Wenn wir also sagen: „Ich liebe dich“, passiert Folgendes:
Wir reden in unserer Sprache und hoffen, dass der Hund sie übersetzt.
Das klappt… manchmal.

Aber oft suchen wir in der Beziehung zu unseren Hunden etwas, das wir in der menschlichen Welt vermissen:
Echtes Zuhören. Unbedingte Nähe. Resonanz.
Und das ist der Punkt, an dem viele Missverständnisse entstehen. 

„Unsere Hunde sollen uns verstehen, dabei verstehen wir uns selbst manchmal kaum.“

🧠 Was Dein Hund wirklich versteht
(Spoiler: Es sind nicht Deine Worte!)

Hunde verstehen den Inhalt unserer Worte nicht. Sie lesen uns im Ganzen.
Unsere Körpersprache, unsere Atmung, unsere Energie, unsere Emotionen, unseren Stress, unsere (Un)sicherheit und noch so viele Dinge mehr, die wir weder beeinflussen, noch alle in der Kommunikation berücksichtigen können. Und auch gar nicht müssen. Aber so ein bisschen anstrengen dürfen wir uns schon, um besser „hündisch“ zu sprechen.

Wenn Du mit weicher Stimme sagst „Ich liebe dich“, aber innerlich gestresst bist, nimmt Dein Hund nicht die Worte wahr, sondern die Spannung in Deinem Körper.
Er merkt, dass Du nicht bei Dir bist. Du könntest in genau dieser Situation und in genau der selben Tonlage statt „Ich liebe dich“ auch sagen „du bist ein Idiot“. Auch wenn Du das nie machen würdest, aber für Deinen Hund macht es ehrlich gesagt keinen Unterschied. Er weiß weder die inhaltliche Bedeutung von Liebe, noch die von Idiot. Sorry, not sorry!

Wie kommunizieren Hunde aber dann mit uns Menschen?

  • Körperspannung und Bewegungsmuster
  • Mimik und Blickverhalten
  • Gerüche (ja, Dein Cortisol spricht mit)
  • Energie, Rhythmus, Pausen

Und wie sage ich meinem Hund was ich von ihm möchte?

Wenn Du Deinem Hund also zeigen willst, dass Du ihn liebst, dann musst Du nicht reden, sondern sein.

Ruhig, klar, echt und im Hier und Jetzt.

Wenn Du Deinem Hund zeigen willst, dass Du ihn liebst, hör auf, ihn vollzuquatschen, und atme mit ihm.

🌀 Wo Missverständnisse zwischen Hund und Mensch entstehen

Kommunikation zwischen Hund und Mensch scheitert nicht, weil der Hund uns nicht versteht, im Sinne von wissen und nicht hören als körperliche Fähigkeit.
Sie scheitert, weil wir glauben, er müsste uns so verstehen wie wir uns selbst.

Ein paar Klassiker aus dem Alltag:

  • Der Rückruf:
    Wir rufen „Komm!“, aber unsere Stimme klingt wie „PANIK!“.
    Der Hund denkt: „Oh, sie ist aufgeregt, scheint ja brenzlig bei ihr zu sein. Hab gerade keine Lust sie zu retten, also bleib ich lieber, wo ich bin.“
  • Die Begrüßung:
    Wir beugen uns über einen Hund, reden leise und lieb und wundern uns, dass er zurückweicht. (Ich übersetzte kurz: In Hundesprache ist das Überbeugen nämlich eine Drohgebärde deluxe.)
  • Die Hundebegegnung:
    Wir sagen „Ruhig bleiben“, während wir innerlich schreien und am liebsten selber aus der Situation raus wollen.
    Der Hund merkt nur eins: Unruhe und Unsicherheit. Da kannst Du auch „Apfelkuchen“ sagen. Hat den selben Effekt wie „Ruhig bleiben“. Nämlich einfach gar keinen.

Kommunikation ist kein Vokabeltest. Sie ist ein Spiegel. Und Dein Hund ist darin erschreckend ehrlich. Da gibt es keinen schmeichelnden Badezimmernebel, sondern nur eine blitz-blanke Spiegelfläche. 

Du kannst Deinem Hund nichts vormachen. Sagt Dir der Trainier, Du musst Dich freuen, wenn Dein Hund kommt, auch wenn er vorher einen Jagdausflug gemacht hat, und Du ihm aber am liebsten den Hals umdrehen willst, dann kannst Du noch so vor Dich hinflöten. Dein Hund wird sehr wohl merken, dass Deine Worte Schall und Rauch sind und Du gerade nicht stolz auf ihn bist. 

💻 Warum Apps und Tools die Mensch-Hund-Beziehung nicht retten können

Spannend finde ich übrigens:
Während Menschen auf Google fragen „Wie sage ich meinem Hund, dass ich ihn liebe“,
suchen andere nach Apps, um „die Kommunikation zu verbessern“.

What the fuck? Was stimmt mit der Menschheit nicht? Eigentlich wollte ich einen Artikel über Kommunikation schreiben. Fachlich gut und mit Bildungsauftrag.

Stattdessen bin ich in ein Rabbit Hole aus ‚Ich liebe dich‘-Fragen und KI-Kommunikationstools gefallen. Und ich schwöre: Ich war kurz davor, meinen Kaffee auf die Tastatur zu spucken.

Beide Fragen hätte ich NIEMALS auf dem Schirm gehabt. Mir wäre weder in den Sinn gekommen, dass Menschen eine Maschine fragen, wie sie ihrem Gegenüber sagen können, dass sie ihn lieben, noch dass Menschen eine Maschine suchen, die das für sie erledigt. Wie krass krank ist das denn bitte?

Ist der Mensch überhaupt noch in der Lage mit einem Hund zu kommunizieren?

Das zeigt ziemlich deutlich, wie gespalten wir sind und wie weit weg wir Menschen von uns selber sind. Schaffen wir es wirklich nicht mehr mit unseren Instinkten und somit auch mit der Natur zu leben? Sind wir wirklich nur noch verkümmerte Hüllen? Müssen wir alles, aber wirklich alles, in Ratgebern nachlesen?

Wir wollen Verbindung, aber bitte mit Bedienungsanleitung.
Wir wollen verstanden werden, aber sind nicht in der Lage zu kommunizieren.
Wir wollen respektiert werden, aber welcher Teil von uns genau? Was soll ein Hund respektieren? Unser sinnloses Gelaber?

Das Blöde ist nämlich: Hunde funktionieren nicht wie eine Software. Zum Glück!
Du kannst keine „Versteh mich besser“-App installieren.
Was sie brauchen, ist Präsenz. Sie brauchen uns. Sie möchten gesehen und respektiert werden.
Und das ist selten kompatibel mit Multitasking, Optimierungsdrang oder Dauergequatsche.

Menschen wollen Verbindung, aber googeln lieber nach Tools.
Hunde wollen Ruhe und kriegen stattdessen Push-Nachrichten in Echtzeit.

Und genau da war mir klar, dass dieser Artikel nichts mehr über Kommunikation werden kann, ohne über uns Menschen zu sprechen. Denn das eigentliche Problem ist nicht, dass unsere Hunde uns nicht verstehen, sondern dass wir verlernt haben, echt zu kommunizieren.

Wie Du mit Deinem Hund im Training wirklich kommunizierst

Lass es mich so versuchen zu erklären. Versuche mal Eure Kommunikation umzudrehen. Verlange von Deinem Hund nicht, dass er ganze deutsche Sätze versteht und sich schon das für ihn relevante Wort rauspicken wird, sondern lerne Du seine Sprache. Wie einfach wäre das für Deinen Hund?

Denn die Herausforderung für den Hund ist ja nicht „nur“ das gesprochene Wort zu verstehen, sondern das auch noch von ganz unterschiedlichen Menschen.

Während Du vielleicht „sitz“ zu Deinem Hund sagst, sagt Dein Partner „setz dich hin“. Der Hund? „Ähm, hallo? Würdet Ihr Euch vielleicht mal einig werden, was was für mich bedeuten soll?“

Stopp, ich weiß was Du gerade denkst. „Aber mein Hund versteht jedes Wort, der setzt sich auf beide Signale hin.“ Ich muss Dich enttäuschen, er versteht nicht jedes Wort. Was er versteht ist Deine Körpersprache. Und wenn die auf beide Signale gleich ist, dann setzt er sich auch auf beide Signale hin. Übrigens auch wenn Du „Friss“ statt „Sitz“ sagst. Glaubst Du nicht? Probiere es aus. Und wenn Du schon dabei bist. Stell Dich mal auf einen Stuhl und sage „Sitz“ zu Deinem Hund. Ich warte solange hier.

Na? Wie war Euer Ergebnis? Je älter und erfahrener Dein Hund ist, desto mehr wird es sich „zu Deinen Gunsten“ bewegen. Je jünger und unerfahrener Dein Hund ist, desto mehr werde ich „Recht haben“.

Und das war jetzt nur der Teil der Dressur. Wir haben noch gar nicht über Beziehung gesprochen.

Was Hunde von uns Menschen wirklich brauchen

Für Hunde ist ein guter Anführer der, der alles unter Kontrolle hat. Der Dinge regelt und Ruhe und Sicherheit ausstrahlt. Jemand dem ein Hund gerne folgt, ist nicht der Lauteste und der, der immer Recht haben will. Es ist der, der ruhig ist, der Situationen bewertet und dementsprechend handelt. Hunde wollen diese Aufgaben in der Regel nicht selber übernehmen. Schaut man sich wilde Hunde an, dann ist das nicht so, dass es ständig Auseinandersetzungen um diese Position gibt. Jeder ist eigentlich froh, wenn es ein anderer macht. Ist doch auch viel bequemer sich sicher und behütet zu fühlen und einfach in den Tag reinleben zu können.

Genau das möchten Hunde auch von uns Menschen. Sie möchten uns folgen. Sie möchten sich sicher fühlen dürfen und sie sind uns sehr dankbar, wenn wir es selber auf die Kette bekommen, Menschen die uns besuchen, sicher und ruhig durch die Wohnung zu geleiten.

Sie finden es toll, wenn wir ihnen in Ruhe die Welt erklären. Wenn wir sie halten und anleiten, wenn sie sich unwohl fühlen. Wenn wir sie fördern und unterstützen, wenn sie selbständig die Welt erkunden. Wenn wir da sind, sie sehen, sie annehmen und wohlwollend unterstützen, wann immer sie es brauchen. Sie lieben es zu wissen, wo ihre Grenzen sind, denn so müssen sie das nicht täglich aufs Neue rausfinden. Das gibt unglaublich viel Sicherheit und sorgt für Ruhe und Gelassenheit.

Kommunikation Mensch-Hund

Natürlich habe ich hier an meiner Tastatur leicht reden, wenn ich Dir sage, Du sollst hündisch lernen und musst einfach nur die Ruhe selbst sein. Dummerweise gibt es aber dafür keinen Schalter. Denn genauso, wie Du Deinen Hund nicht programmieren kannst, kann ich Dich nicht programmieren. Aber ich kann Dir den Impuls mitgeben, daran zu arbeiten.

Weißt Du, ich bin auch nicht „als Hund“ auf die Welt gekommen. Ich habe mir das im Laufe der Zeit erarbeitet. Ich habe den Luxus hier eine Gruppe von Hunden zu haben, die ich tagtäglich beobachten kann und lernen darf, wie sie untereinander kommunizieren.

Manchmal verliere ich meine Fähigkeiten ans Leben und bin nicht mehr die souveräne und ruhige „Chefin“, sondern ein aufgescheuchtes Huhn unter Dauerstress. Und dann entgleiten mir die Hunde. Nicht im Gehorsam, aber in der Beziehung. Und weil sie mir das deutlich zeigen, habe ich immer wieder die Chance zu mir und somit zu den Hunden zurückzukehren.

Das liebe ich an Hunden so sehr. Sie zeigen uns so deutlich, wenn etwas „nicht stimmt“. Wertfrei, aber konsequent. Wenn wir ihnen zuhören und sie sehen, dann ist das so wertvoll und mich erdet das dann immer und bringt mich zurück zu mir selber. Gerade in diesem Jahr war das extrem und ich bin meinen Hunden so dankbar, dass sie sehr deutlich waren. Ich weiß nicht, wo ich hingelaufen wäre und wie lange ich mich selber noch verraten hätte. Der König dieser Disziplin ist hier übrigens mein Pudel Laško. Kein anderer Hund hat mir jemals so den Spiegel vors Gesicht gehalten wie er. Und ich gebe es zu: Mir gefällt nicht immer, was ich darin sehe.

Lange Rede, kurzer Sinn.

Die Kommunikation zwischen Mensch und Hund ist keine Zauberei. Sie ist ehrlich gesagt auch nicht kompliziert. Wir müssen uns „nur“ darauf einlassen. Wir müssen hinschauen. Und ganz wichtig, nicht ständig bewerten und interpretieren. Und jetzt herzlich willkommen im Deeptalk.

Aber bevor wir da hinkommen, möchte ich Dich noch einladen, meinen kostenlosten Adventskalender zu abonnieren. Dort wird es um solche Themen wie hier gehen. Beziehung und Bindung. Die kleinen Momente im Leben und ein tiefes Verständnis für Deinen Hund. Ich habe da so viel von mir reingesteckt, dass es am Ende alles geworden ist, aber kein Trainingstool! Lass Dich überraschen, ich freue mich auf jeden Fall sehr, mit Dir die Vorweihnachtszeit verbringen zu dürfen. Dich erwarten 24 kleine Impulse für mehr Beziehung, Bindung und echte Kommunikation.

Triggerwarnung: Ab hier wird’s weniger Trainings- und mehr Menschenthema. Aber genau da liegt der Schlüssel. Es könnte also sehr emotional für Dich werden. 

Beobachten statt Bewerten – der Schlüssel zur besseren Kommunikation

Das größte Problem in meinen Augen ist das ständige bewerten. Da es hier um Hunde geht, rede ich auch weiterhin über Hunde. Das Problem besteht bei uns Menschen allerdings auch innerartlich. Wir Menschen sind nämlich ganz oft ziemlich seltsame Wesen. Denn wir tun uns unheimlich schwer nicht sofort zu bewerten. Wir sehen etwas und sofort setzt in unserem Gehirn der Autopilot ein und „sagt“ uns sofort, was wir davon zu halten haben. Warum das so ist, habe ich im Mai unter „Dein Hund will Dich ärgern?“ verbloggt. Schau gerne mal rein, wenn Du mehr über das Thema wissen magst. Wenn Du es eilig hast: Punkt 3 ist die relevante Stelle 😘

Was meine ich damit? Lass es mich an einem Beispiel erklären. Du bist mit Deinem Hund unterwegs und er zieht an der Leine. Wenn ich Dich bitte mir zu sagen, was Du beobachtest, was wirst Du mir sagen?

Das Bewerten von Verhalten des Hundes

Ein ganz großer Teil der Menschen sagt Dinge wie:
Der Hund zieht an der Leine. Er ignoriert mich total. Wieso ist das bei uns so? Andere Hunde laufen so ruhig an der Leine, nur meinem Hund bin ich völlig egal. Er läuft völlig planlos von A nach B.

Das war alles, aber keine Beobachtung. Es war eine Bewertung des Verhaltens.

Das Beobachten von Verhalten des Hundes

Eine Beobachtung wäre das hier:
Der Hund läuft 1,5 Meter vor mir, er hat seine Nase am Boden und ist schneller als ich. Die Leine ist gespannt, mein Arm ist ausgestreckt und ich laufe hinter meinem Hund her. Punkt.

Merkst Du den Unterschied? In der Bewertung stecken Geschichten über Respektlosigkeit, Planlosigkeit und Vergleiche mit anderen. In der Beobachtung stecken nur Fakten. Genau von denen aus kannst Du arbeiten.

Warum wir von unseren Hunden erwarten, was sie nicht geben können

Ich bin nun keine Psychologin (auch wenn es für Hundetrainer hilfreich wäre, zumindest ein abgebrochenes Psychologie-Studium zu haben 😊), aber ich beobachte ja nicht nur Hunde seit geraumer Zeit, sondern auch deren Besitzer. Und was ich ganz oft spüre, und manchmal wird es auch ausgesprochen, ist der Wunsch nach Anerkennung und Liebe.

Gerade wir Frauen sind oft gefangen darin alles perfekt machen zu wollen. Wir wollen Beruf, Haushalt, Kinder und Freizeit gleichzeitig und strahlend meistern. Wir kümmern uns, wir optimieren, wir versuchen es allen Recht zu machen, wohl wissend, das wir das eh nie schaffen werden.

Und dann ist da der Hund. Endlich jemand, der uns liebt so wie wir sind, der sich uns gerne anschließt und dankbar ist, dass wir uns liebevoll um ihn kümmern. Der aus reiner Liebe zu uns tut was wir brauchen. Und dann holt uns die Wahrheit ein.

Warum ignoriert mich jetzt auch noch mein Hund?

Ein Hund, der uns ignoriert, der an der Leine zieht, nicht kommt wenn wir ihn rufen, der unseren Partner anscheinen toller findet als uns und der sich nicht dankbar an uns kuschelt, wenn wir abends auf dem Sofa liegen, sondern stattdessen lieber die Einrichtung auf Links dreht. Bäm, schon wieder ein Dämpfer im Leben, schon wieder jemand, der undankbar ist und uns nicht den nötigen Respekt entgegen bringt.

Ich weiß nicht, wo Du gerade gedanklich bist. Entweder klickst Du jetzt weg, weil Du denkst „was ein Schmarrn“ oder Du schluckst gerade sehr und bist Dir nicht sicher, ob Du das nun wirklich an Dich ranlassen möchtest. Beides ist okay.

Ich möchte Dir sagen, dass es nicht schlimm ist so zu fühlen. Es ist sogar sehr verständlich. Dennoch möchte ich Dich ermutigen in diese Gefühle reinzuhören. Was steckt denn da wirklich dahinter?

Ist es nur die Mensch-Hund-Beziehung? Und die nächste Frage ist, wird Dein Hund diese Erwartungen erfüllen können? Wird er (emotionale) Lücken in Deinem Leben füllen können? Bedenke, er ist ein Hund. Kein Kind, kein Partner, kein Therapeut.

Der Hund als Seelentröster: Ist es fair, das von ihm zu verlangen?

Ein Hund kann durchaus eine therapeutische Wirkung haben. Wenn Du ihn lässt. Wenn Du auch ihn dabei siehst, wenn Ihr zusammen durchs leben geht und nicht nebeneinander her. Gib Deinem Hund die Chance frei von Deinen Erwartungen und Deinen Bewertungen zu leben. Gib ihm die Erlaubnis so zu sein, wie er ist. Denn auch er macht es mit Dir ganz genau so. Er nimmt Dich, wie Du bist. Er lebt im Heute. Was gestern war ist vorbei und was morgen sein wird, interessiert ihn nicht. Etwas, was wir sehr gerne von unseren Hunden lernen dürfen, wie ich finde.

Jetzt kann Dir Dein Hund vielleicht geben, was Du ihn ihm suchst. Aber nicht weil er muss, sondern weil er darf. Und nicht, weil er das willentlich tut, sondern weil Du ihm den Raum dafür gibst.

Und nein, es ist nicht fair, das von ihm zu verlangen, aber es ist schön, wenn er es Dir schenkt. Und das darfst Du dann gerne annehmen. 

Puh, das war echt eine emotionale Achterbahnfahrt, oder? Ich habe wirklich lange überlegt, ob dieser Blog das richtige Format für solch einen Text ist. Aber ich habe mich am Ende für ein klares „Ja“ entschieden. Denn ich fühle genau den Schmerz, der dahinter steckt. Ich habe ihn nämlich auch durchlebt und bin nun auf dem Weg da raus und das zahlt sich aus. Nicht nur in der Beziehung zu meinen Hunden, sondern auch in vielen anderen Bereichen meines Lebens.

Aber nun ist es Zeit wieder aufzutauchen und im Jetzt zu sein. Denn wie bereits gesagt, was gestern war können wir nicht mehr ändern und was morgen sein wird, können wir heute beeinflussen. 

Lass uns daher noch mal zurück zur Ausgangsfrage kommen.

🪶 Was Du wirklich tun kannst, um „Ich liebe dich“ in Hundesprache zu sagen

Dein Hund braucht keine Worte, um sich geliebt zu fühlen.
Er braucht Sicherheit und Eindeutigkeit.

Wenn Du ihm zeigen willst, dass Du ihn liebst, sei verlässlich und setze nicht auf Telepathie. Dein Hund hat keine Glaskugel. Auch wenn er Dich sehr sehr gut lesen kann. Gedankenlesen kann er (leider) nicht.

Verlässlichkeit meint, dass Du tust, was Du sagst. Oder noch klarer, dass Du tust, was Du auch wirklich meinst. Versuche ruhig zu bleiben, auch wenn’s mal stressig und anstrengend wird. Lass Deinen Hund der sein, der er ist und sei für ihn da, ohne ihn zu bedrängen. Und mach auch einfach mal Pausen, statt ihn 24/7 zuzutexten.

Das ist „Ich liebe dich“ in Hundesprache.

🎯 Fazit: Echte Kommunikation mit Deinem Hund beginnt bei Dir

Hunde verstehen uns besser, als wir glauben. Nur eben nicht über gesprochene Sprache.
Sie hören, was wir meinen, nicht, was wir sagen.

Wenn Du Deinem Hund wirklich „Ich liebe dich“ sagen willst, dann tu’s auf seine Art:

Sei still. Sei echt. Und sei da.

Und benutze keine App, die Dir sagen soll, wies geht.

Der Bildungsauftrag ist mir unterwegs irgendwie abhanden gekommen und es wurde beim Schreiben immer tiefer und persönlicher. Ich könnte da noch Stunden weiter schreiben. Aber wenn Du bis hierher gelesen hast, dann weißt du bereits, was du brauchst und genau für dafür habe ich ihn geschrieben. Ich bin sehr dankbar, Dir die ersten Denkanstöße geben zu können, um Dir Dein Leben zusammen mit Deinem Hund etwas leichter zu machen. 

Denk immer daran: Du musst nicht perfekt sein. Dein Hund will Dich echt. Und das ist genug.

Schubladen zu! Warum Dogmatismus in der Hundeszene nervt

Ich hab’s so satt. Mir geht dieser Dogmatismus in der Hundeszene tierisch auf den Keks.

Die letzten Tage war ich mal wieder auf Facebook und Insta unterwegs und kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. 

Ein Beispiel aus einer Trainergruppe:
Ein Hund, der an der Leine pöbelt. Die Kommentare? Ein Schlachtfeld. „Du musst rein positiv arbeiten!“ „Der Hund braucht Grenzen!“ „Bedürfnisorientiert ist der einzige Weg!“ „Raumverwaltung löst alles!

Und ich saß da und dachte: Leute, ernsthaft? Können wir uns vielleicht auch mal gegenseitig zuhören? Oder müssen wir wirklich immer gleich losbrüllen?  

Willkommen im Schubladendenken

Die Hundeszene hat ein Problem. Und nein, ich meine nicht die Hunde. Ich meine uns Menschen und unsere Unfähigkeit, auch nur einen Millimeter von unserer „einzig wahren Methode“ abzuweichen. Jeder hat die Lösung gefunden. Und wehe Du tanzt aus der Reihe. Dann bist Du wahlweise ein Weichei, ein Tyrann, völlig ahnungslos oder gleich ein Tierquäler, dem sofort der Hund weggenommen gehört.

Da gibt es die „Rein Positiv“-Fraktion, die schon Schnappatmung bekommt, wenn man das Wort „Nein“ auch nur denkt. Auf der anderen Seite stehen die „Grenzen setzen“-Verfechter, die bei jedem bedürfnisorientierten Kommentar die Augen rollen. Dazwischen tummeln sich die Bedürfnisorientierten, die Raumverwalter, die Strukturfanatiker, alle fest überzeugt, dass ihr Weg der einzig richtige ist.

Ganz ehrlich? Wer soll da noch durchblicken? 

Ich nicht! Ich stehe in der Mitte und denke mir: Ihr habt doch alle ein bisschen Recht. Und gleichzeitig alle ein bisschen Unrecht.

Die Lager im Überblick und was die Wissenschaft dazu sagt

Bevor jetzt alle aufschreien: Ja, es gibt Fakten. Richtige, wissenschaftlich belegte Fakten. Und die sollten wir kennen, bevor wir dogmatisch unsere Fahnen schwenken.

Die Lager

Rein positiv

  • Ursprung: Lerntheorie, insbesondere die operante Konditionierung nach Skinner.

  • Definition: Arbeit mit positiver Verstärkung (Belohnung für erwünschtes Verhalten) und Vermeidung von positiver Bestrafung (z. B. Leinenruck, körperliche Strafen).

  • Praxis: Belohnungen wie Futter, Spiel, Lob. Unerwünschtes Verhalten wird möglichst ignoriert oder durch Alternativverhalten ersetzt.

  • Forschung: Zahlreiche Studien zeigen, dass positive Verstärkung ein effektiver Weg ist, Verhalten aufzubauen (z. B. Feuerbacher & Wynne 2011).

Bedürfnisorientiert

  • Ursprung: Begriff aus der Humanpädagogik, übertragen in die Hundeszene.

  • Kernidee: Hunde sollen so trainiert und begleitet werden, dass ihre Grundbedürfnisse (z. B. Nahrung, Ruhe, Bewegung, Sicherheit, Sozialkontakt) berücksichtigt und erfüllt werden.

  • Praxis: Training wird oft darauf abgestimmt, Bedürfnisse zu identifizieren und daraus Motivation abzuleiten (z. B. mehr Ruhe, wenn Hund überdreht; mehr Sozialkontakt, wenn Bindung fehlt).

  • Forschung: Es gibt keine direkte Studie zu „bedürfnisorientiertem Training“ als Methode. Aber viele Studien belegen die Bedeutung einzelner Bedürfnisse (z. B. Cortisolanstieg bei Isolation, Lernverbesserung nach Schlaf).

Raumverwaltung

  • Ursprung: Konzepte wie Natural Dogmanship (Jan Nijboer).

  • Kernidee: Wer Raum kontrolliert, kontrolliert automatisch Ressourcen und vermittelt Sicherheit.

  • Praxis: Trainer nutzen bewusst ihr Verhalten im Raum, um Hunde zu lenken (z. B. Türen blockieren, Bewegungen steuern, Distanzregeln setzen).

  • Forschung: Direkte Studien zur „Raumverwaltung“ als Methode gibt es nicht. Sie fußt auf Beobachtungen von sozialem Verhalten bei Wölfen und Hunden, sowie auf Prinzipien von Ressourcenkontrolle.

Grenzen setzen

  • Ursprung: Klassische Hundeerziehung, stark geprägt durch Hierarchie- und Dominanzvorstellungen.

  • Moderne Definition: Nicht mehr primär Härte, sondern klare, konsistente Regeln und Rahmenbedingungen für den Hund.

  • Praxis: Grenzen können durch Management (z. B. Leine, Türgitter), Training (Signal „Stopp“), oder klare Regeln (nicht auf Sofa, nicht über Straße) umgesetzt werden.

  • Forschung: Studien zeigen, dass Vorhersagbarkeit und Konsistenz für Hunde wichtig sind, um Stress zu vermeiden (z. B. Hennessy 1997; C. Cavalli et al. 2022). Unklare Regeln erhöhen Stress und Frustration. Grenzen wirken also stabilisierend, solange sie fair vermittelt werden.

Die Fakten

  • Positive Verstärkung funktioniert. Das ist zigfach belegt. Studien zeigen immer wieder: Belohnungsbasiertes Training ist effektiv und hat weniger unerwünschte Nebenwirkungen als strafbasierte Methoden. Karen Pryor hat mit Clickertraining Maßstäbe gesetzt, und moderne Verhaltensforschung gibt ihr recht.
  • Strafbasiertes Training hat Risiken. Auch das ist wissenschaftlich belegt. Hunde, die mit harten Strafen trainiert werden, zeigen erhöhte Stressmarker und ein höheres Risiko für Verhaltensprobleme. Das heißt nicht, dass jedes „Nein“ den Hund traumatisiert, aber es heißt, dass wir vorsichtig sein sollten.
  • Die Dominanztheorie ist tot. Ja, mausetot. David Mech, der ursprünglich die Alpha-Wolf-Theorie popularisiert hat, hat sie selbst korrigiert. Wölfe in freier Wildbahn leben in Familienverbänden, nicht in Dominanzhierarchien. Einen ausführlichen Artikel auf Deutsch dazu findest Du bei Animal Learn.  Wer heute noch von „Rudel“ und „Alpha“ spricht, ist wissenschaftlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Wobei die Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch auch immer wieder falsch angewendet werden. Begrifflichkeiten sind somit generell etwas schwierig.
  • Struktur und klare Kommunikation sind wichtig. Hunde brauchen Orientierung. Sie brauchen Vorhersehbarkeit. Sie wollen wissen, was von ihnen erwartet wird. Das ist keine Dominanz, das ist einfach gute Kommunikation.
  • Grenzen sind keine Gewalt. Ein klares „Nein“, ein Abbruch eines unerwünschten Verhaltens, eine Regel, das sind keine Strafen im wissenschaftlichen Sinne. Das ist Information. Und ja, Hunde können und müssen lernen, dass nicht alles geht.

Die Grauzone – wo es kompliziert wird

Jetzt kommen wir zu den Bereichen, wo die Wissenschaft noch nicht alle Antworten hat. Bedürfnisorientierung zum Beispiel. Klingt toll, oder? Der Hund entscheidet mit, hat Autonomie, seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt.

Aber was sind eigentlich „echte“ Bedürfnisse? Wenn mein Hund das „Bedürfnis“ hat, jeden Jogger zu jagen, erfülle ich das dann? Ist es Autonomie oder einfach schlechtes Training, wenn er entscheidet, dass er heute keine Lust auf Rückruf hat?

Die Balance zwischen Bedürfnissen und notwendiger Führung ist komplex. Und genau deshalb brauchen wir keine Dogmen, sondern Köpfchen.

Dogmatismus Hund
Wer soll denn da noch durchblicken? Der Hund glaubt bald, er soll ein Einhorn werden.
Bild KI generiert

Warum alle ein bisschen Recht haben (und trotzdem hart nerven)

Die Wahrheit ist doch, wie so oft, echt einfach: Fast jeder Ansatz hat einen wahren Kern.

Positive Verstärkung? Funktioniert fantastisch. Ich liebe es, mit meinen Hunden zu arbeiten, ihnen Erfolge zu ermöglichen, sie für gutes Verhalten zu belohnen und ihnen eine gute Zeit zu schenken. Das baut eine tolle Beziehung auf.

Aber: Wenn ich mir sicher bin, sie haben verstanden was ich von ihnen will und setzen die Aufgaben nicht um, dann wird’s eben auch mal nicht positiv.  

Bedürfnisorientiert? Klar! Ich achte darauf, dass meine Hunde genug Schlaf bekommen (was hier in meinem Chaos auch nicht immer einfach ist), dass sie artgerechte Beschäftigung haben, und dass sie nicht überfordert werden. Das ist wichtig und richtig.

Aber: Die Bedürfnisse meiner Hunde enden da, wo sie andere Lebewesen in ihrer Freiheit und Selbstbestimmung einschränken. Fun Fakt: Auch ich zähle mich zur Gruppe der „anderen Lebewesen“. Denn nein, ich ordne meine Bedürfnisse nicht hinter denen der Hunde ein. Zumindest nicht immer. Es sind immer Kompromisse. Mal verzichte ich, mal sie. Easy. 

Grenzen setzen? Absolut! Meine Hunde dürfen nicht jeden Gast anspringen, nicht aus dem Haus schießen, wenn die Tür aufgeht, nicht am Tisch betteln und mit nassen Pfoten nicht aufs Sofa. Und es ist unter Androhung der Todesstrafe verboten, den Feldweg in Richtung Bahngleise zu verlassen. Das sind klare Regeln, und die machen unser Zusammenleben entspannt.

Aber: Auch Grenzen sind keine Dogmen. Finden wir es nicht alle toll, mal was „Verbotenes“ zu tun? Lassen wir den Hunden, wenn möglich, doch auch mal diesen „Nervenkitzel“!

Raumverwaltung? Ja, manchmal! Wenn ich weiß, dass eine Situation schwierig wird, manage ich sie. Da gehen die Hunde dann eben auch mal hinter mir, obwohl sie ihren Auftrag eher vorne sehen würden. 

Aber: Nur weil ich immer zuerst aus der Tür gehe, bin ich nicht automatisch der Rudelführer des Jahres. Triggerwarnung: Ich steige sogar ab und zu über meine Hunde drüber, damit sie weiter schlafen können. Die lieben Tierchen haben aber ein Talent dafür dann trotzdem auszustehen, und zwar genau in dem Moment, wo ich auf einem Bein mit der vollen Kaffeetasse über ihnen stehe. Kennst Du, oder? 

Das Problem ist nicht, dass die Ansätze falsch sind. Das Problem ist der Dogmatismus. Die Unfähigkeit zu sagen: „Hey, das funktioniert in dieser Situation, aber vielleicht brauche ich da was anderes.“

Mein Ansatz – pragmatisch und ohne Dogmatismus

Ich arbeite mit meinen Hunden nicht nach einem starren System. Ich arbeite nach dem, was der jeweilige Hund in der jeweiligen Situation braucht. Hier wird klar, dass da bei 3 Hunden, ein und die selbe Situation manchmal 2 bis 3 verschiedene Handlungsweisen braucht. 

Beim Aufbau eines neuen Signals? Rein positiv, kleinschrittig, mit viel Belohnung. Da gibt es kein „Nein“, nur Erfolg oder nochmal probieren.

Bei Sicherheitsthemen wie Giftködern oder Straßenverkehr? Klare Grenzen, sofort, unmissverständlich. Da geht es um Leben und Tod, nicht um Diskussionen über Bedürfnisse.

Wenn ein Hund überdreht ist und nicht mehr ansprechbar? Runterfahren, Reize reduzieren, Management. Nicht noch mehr Training draufpacken.

Wenn er unsicher ist? Vertrauen aufbauen, positive Erfahrungen schaffen, Bedürfnis nach Sicherheit erfüllen.

Und ich liebe es, dass es so viele verschiedene Ansätze gibt und ich mich immer wieder aus verschiedenen Werkzeugkisten bedienen kann. Warum zur Hölle soll, ja muss, ich mich denn da für einen entscheiden? Das ist doch dumm. Ich schließe so viele gute Sachen aus, nur um einer Strömung fast schon sektenhaft zu folgen. Versteh ich nicht. 

Das eigentliche Problem? Je mehr Dogma, je lauter! 

Weißt Du, was mich wirklich aufregt? Nicht die verschiedenen Methoden. Sondern die Missionare. Wenn mancher Trainer auf Facebook schreibt, denke ich: „Der Hund braucht keine Grenzen, aber der Trainer vielleicht mal eine.“

Die Leute, die in jeder Hundegruppe ihre Methode predigen müssen. Die bei jedem Problem die gleiche Lösung haben, egal ob’s passt oder nicht. Die andere runtermachen, weil die nicht ihrer Ideologie folgen.

Es geht nicht darum, wer die coolste Methode hat. Es geht um:

  • Den individuellen Hund mit seiner Geschichte, seiner Persönlichkeit, seinen Stärken und Schwächen
  • Die konkrete Situation  ein Welpe braucht was anderes als ein Senior, ein ängstlicher Hund was anderes als ein draufgängerischer
  • Die Beziehung
    was bei mir und meinem Hund funktioniert, muss bei Dir nicht klappen
  • Reflektierte Praxis 
    nicht blind einer Methode folgen, sondern schauen: Wirkt das? Geht’s meinem Hund damit gut? Geht’s mir damit gut?

Am Ende zählt doch nur eins: Geht es dem Hund gut? Ist er entspannt, ausgeglichen, glücklich? Funktioniert das Zusammenleben? Hat der Mensch ein gutes Gefühl?

Wenn die Antwort ja ist, dann ist es egal, ob Du das „rein positiv“, „bedürfnisorientiert“ oder „strukturiert“ nennst.

Mein Appell: Schubladen zu, Hirn an

Ich wünsche mir mehr Offenheit in der Hundeszene. Mehr Neugier statt Rechthaberei. Mehr „Lass uns schauen, was funktioniert“ statt „Das ist der einzige Weg“.

Wir sollten voneinander lernen statt uns zu bekriegen. Die „Rein Positiv“-Fraktion könnte von der Klarheit der Grenzensetzer lernen. Das „Wir-haben-uns-alle-lieb-Lager“ könnte verstehen, dass nicht jedes Verhalten „Dominanz“ ist. Die Bedürfnisorientierten könnten akzeptieren, dass auch ein Hund manchmal Dinge tun muss, auf die er keine Lust hat und dass es neben dem Hund noch andere Lebewesen gibt, die ebenfalls Bedürfnisse haben. 

Und am Wichtigsten: Wir sollten aufhören, jeden, der anders trainiert als wir, als Tierquäler oder Weichei abzustempeln.

Meine Wahrheit ist: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt gute Prinzipien, gesicherte Erkenntnisse, bewährte Methoden. Aber wie wir die kombinieren, gewichten und anwenden, das ist individuell. Und soll es in meinen Augen auch bitte bleiben. 

Mein Hund ist kein Lehrbuch. Dein Hund auch nicht. Und genau deshalb brauchen wir keine Ideologien, sondern gesunden Menschenverstand, Empathie und die Bereitschaft, flexibel zu sein.

Also: Schubladen zu. Hirn an. Hund anschauen. Und dann das machen, was für genau diesen Hund in genau dieser Situation das Beste ist.

Ist das so schwer? Schreib mir Deine Sicht der Dinge gerne in die Kommentare. Feuer frei!