Management vs. Training: Warum die meisten Hundehalter es falsch machen

„Aber er MUSS das doch lernen!“ Wenn ich das höre, weiß ich schon, dass ich es mit jemandem zu tun habe, der seit Monaten gegen Windmühlen kämpft. Meistens sind das die gleichen Menschen, die ihren jagenden Hund ohne Leine laufen lassen, weil „der Rückruf muss doch endlich mal sitzen“, während Rehe in Sichtweite grasen.

Herzlich willkommen in der wunderbaren Welt des Hundetrainings, wo gesunder Menschenverstand oft im Urlaub ist.

Der fundamentale Denkfehler beim Hundetraining

Management ist kein Plan B. Es IST Training

Hier die unbequeme Wahrheit: Management ist nicht das kleine, schmutzige Geheimnis des Trainings. Management IST Training. Nur eben die intelligente Variante.

Nahezu jeder unterschätzt die Rolle des Managements und überschätzt die Rolle des Trainings. Management brauchen wir immer. Training ohne Management wird fast nie das Problem des Hundes lösen.

Was ist der Unterschied zwischen Management und Training beim Hund?

Hundetraining im klassischen Sinn bedeutet: Ich bringe meinem Hund bei, anders zu reagieren. Das ist, als würde ich einem Kind beibringen, im Fast Food Laden nur Salat zu bestellen. Theoretisch machbar, praktisch… nun ja.

Hundeverhalten Management bedeutet: Ich gestalte die Welt so, dass mein Hund gar nicht erst in die Bredouille kommt, falsch zu reagieren. Das ist, als würde ich mit dem Kind einfach nicht zu Mc Donalds, Burger King und Co gehen.

Welche Strategie hat wohl die höhere Erfolgsquote?

Bei welchen Hundeproblemen ist Management unverzichtbar?

Diese Hundetraining-Bereiche brauchen zwingend Management. Auch wenn das immer niemand hören will:

Ressourcenverteidigung: Du kannst Deinem Hund hundertmal erklären, dass Teilen toll ist. Wenn er täglich um sein Futter „kämpfen“ muss, weil Kinder, andere Hunde oder gutmeinende Erwachsene ihn dabei stören, trainierst Du ihn systematisch zum Ressourcenverteidiger. Herzlichen Glückwunsch!

Jagdverhalten: „Aber der Rückruf klappt doch zu Hause so gut!“ Ja, klar. Zu Hause läuft auch kein Reh vorbei, das 50.000 Jahre Evolution in Deinem Hund aktiviert. Dein „Hier“-Kommando gegen den Jagdinstinkt ist wie ein Flüstern gegen ein Rockkonzert.

Reaktivität und Angst: Hier wird es besonders absurd. Hundehalter schleppen ihre ängstlichen oder reaktiven Hunde täglich in Situationen, die sie stressen, „damit er sich endlich dran gewöhnt.“ Das ist wie Therapie durch Waterboarding. Spoiler: Funktioniert nicht!

Impulskontrolle: Der Welpe, der jeden Tag erfolgreich die Besucherschuhe anknabbern kann, lernt nicht „das darf ich nicht.“ Er lernt „Besucherschuhe sind mega lecker.“ Jeden. Verdammten. Tag.

Warum Hundetraining ohne Management wie Sisyphos-Arbeit ist

Kann man Hundeverhalten nur durch Training ändern?

Kurze Antwort: Nein.

Lange Antwort: Das wäre, als würdest Du versuchen, abzunehmen, während du permanent vor einem Buffet sitzt. Du gehst jeden Tag ins Fitnessstudio, machst brav Deine Übungen. Aber den Rest des Tages musst Dir ständig verkneifen, zuzugreifen. Wie lange hältst Du das durch?

Genau das machst Du mit Deinem Hund, wenn Du ohne Management trainierst.

Jedes unerwünschte Verhalten, das Dein Hund zeigen kann, verstärkt sich selbst. Der Hund, der erfolgreich den Postboten „vertreibt“ (der sowieso weitergegangen wäre), fühlt sich wie ein Held. Das Verhalten ist also selbst belohnend. Du kannst eine Stunde am Tag üben, dass Bellen doof ist, aber 23 Stunden am Tag beweist die Realität das Gegenteil.

Hund bellt am Gartenzaun Management vs. Training

Gegenkonditionierung beim Hund ist nur mit Management möglich

Gehen wir von einem Hund aus, der auf andere Hunde speziell reagiert. Sprich, er springt brüllend in die Leine.

Stell Dir die Reaktivität wie eine körperliche Verletzung vor. Eine Ruhepause von der Ursache der „Verletzung“ (was Deinen Hund immer wieder triggert) sowie eine schrittweise Rehabilitation (mithilfe einer Gegenkonditionierung) sind notwendig, um Deinen Hund wieder in ein normales Leben zu führen.

Um das große Thema Reaktivität richtig anzugehen, muss Management und Training Hand in Hand gehen.

Management vs. Training im Hundetraining

Jeder von uns hat eine intuitive Vorstellung davon wie wir eine körperliche Verletzung behandeln. Knickt jemand im Sport um, werden wir wahrscheinlich die Verletzung kühlen und das Bein hochlagern. Dies ganz ohne Zutun eines Arztes. Wir wenden das ganz intuitiv als Erstmaßnahme an.

Problemverhalten beim Hund ist wie eine Verletzung des Körpers zu behandeln

Dahingegend fällt es uns schwer uns eine Behandlung von einem Problemverhalten vorzustellen.

Angenommen, wir als Mensch verletzen uns beim Sport. Besteht unser Ziel nun darin, irgendwann wieder in den Sport zurückzukehren? Wahrscheinlich Ja!

Glaubst Du, dass wir dieses Ziel erreichen, wenn wir mit der Verletzung unser Training wie gewohnt ohne Pause und / oder ohne Physio-Behandlung weiterführen? Wahrscheinlich nicht!

Pause = Stopp des Auslösers, der die Verletzung verursacht hat

⇓ bedingt

Erholung = idealerweise eine Rückkehr in den Zustand vor der Verletzung

Ziel des Managements beim Umlenken von Verhalten

Und so ist es auch mit den Hunden.
Besteht unser Ziel darin, dass der Hund irgendwann entspannt spazieren gehen und ein “normales Leben” führen kann? Wahrscheinlich ja!

Aber werden wir das Ziel erreichen, wenn wir den Hund ständig Situationen aussetzen, die das Problem verschlimmern? Wahrscheinlich nicht!

Management = Stopp der Auslöser, die das Verhalten aufrecht erhalten

⇓ bedingt

Training = idealerweise eine komplette Umkehr der CER (konditionierte emotionale Reaktion) des Hundes

Das Aussetzen von auslösenden Situationen erhöht die Reaktivität!
Mit jeder Situation, die das Verhalten auslöst, wird dieses tiefer im Hund verankert!

Management im Hundetraining richtig abbauen: Die Kunst des richtigen Timings

Wie lange braucht man Management beim Hundetraining?

Hier kommt der Teil, den die meisten komplett vergeigen: Management im Hundetraining ist kein lebenslanger Zustand. Es ist ein Werkzeug. Aber – und das ist wichtig – es ist kein Werkzeug, das man nach dem ersten Erfolgserlebnis wegwirft.

Management abzubauen ist wie das Abnehmen von Stützrädern beim Fahrradfahren. Zu früh, und das Kind knallt auf die Nase. Zu spät, und es lernt nie richtig fahren. Das Timing muss stimmen.

Der Abbau erfolgt in Micro-Schritten. Nicht: heute Management, morgen Chaos. Sondern: heute, bei der netten Nachbarin ohne Management, morgen wieder oder immer noch mit Management beim „verhassten“ Paketboten.

Und hier die schlechte Nachricht für alle Perfektionisten: Rückschritte sind normal. Sie bedeuten nicht, dass Du versagt hast. Sie bedeuten, dass Dein Hund ein Lebewesen ist, kein Roboter. Je länger Dein Hund das Fehlverhalten bereits zeigt, desto eher wird er in, für ihn, schwierigen Situationen darauf zurückgreifen. 

Warum Menschen lieber leiden als managen

Menschen sind seltsame Wesen. Wir verstehen Management in allen anderen Lebensbereichen: Wir schließen die Haustür ab (Management gegen Einbrecher), tragen Sicherheitsgurte (Management gegen Unfallfolgen), und setzen Passwörter (Management gegen Hacker).

Aber beim Hund? Da wird Management plötzlich zu „Schwäche“ oder „dem Problem ausweichen.“

Grund 1: Das Helden-Syndrom Training fühlt sich heroisch an. „Ich arbeite mit meinem Hund, ich löse Probleme!“ Management fühlt sich an wie… organisiert sein. Langweilig.

Grund 2: Die Ego-Falle „Andere schaffen das doch auch ohne Management!“ (Spoiler: Nein, tun sie nicht. Gutes Management ist nur nicht sichtbar.)

Grund 3: Die Sichtbarkeits-Falle Niemand applaudiert, wenn Dein Hund ein Problem gar nicht erst hatte. Aber alle sind beeindruckt, wenn er auf Kommando damit aufhört. Dumm nur, dass Variante zwei hundertmal stressiger ist.

Train smarter, not harder: Die Formel für entspannte Hundehalter

Hier meine Erfolg Tipps für eine gelungene Kombination von Training und Management bei der Ausbildung von Hunden, nach 25 Jahren im Business:

Wie kombiniert man Training und Management beim Hund optimal?

Management + Training = Erfolg
Training – Management = Burnout
Management – Training = Stillstand

Die meisten Hundehalter wählen Burnout. Jeden Tag aufs Neue.

Smartes Hundetraining bedeutet:

  • Den einfachsten Weg zum Ziel wählen (auch wenn er dem Ego nicht schmeichelt)
  • Dem Hund Erfolgserlebnisse ermöglichen, statt ihn täglich scheitern zu lassen
  • Energie für die wichtigen Kämpfe aufsparen, statt sie für vermeidbare zu verschwenden

Lies dazu gerne auch den Artikel über Timing im Hundetraining.

Es ist wie beim Schach: Der beste Zug ist nicht immer der spektakulärste. Manchmal ist es einfach der, der funktioniert.

Management v. Training Train smarter not harder

Praxisbeispiel: Hund springt Besucher an. Management vs. Training

Bella, 2 Jahre, Labrador-Mix, Problem: Springt jeden Besucher an, als wäre er ein lang vermisster Verwandter. Die Besitzer sind verzweifelt, der Besuch mit so viel „Liebe“ überfordert.

Szenario A „Die Masochisten-Variante“ (nur Training): Jeden Tag kommen „Trainingsbesucher.“ Bella springt. „NEIN! Sitz!“ Bella hört nicht, ist viel zu aufgeregt. Besucher werden umgerannt, Nerven liegen blank. Nach 6 Monaten: Bella springt immer noch. Trainingsbesucher haben keine Lust mehr. Echte Besucher werden gemieden. Erfolgsquote: 0%.

Szenario B „Die Verzweifelte Variante“ (nur Management): Bella wird bei jedem Besuch ins Schlafzimmer gesperrt. Sofort Ruhe. Aber Bella wird bei jedem Mucks vor der Schlafzimmertür zum Berserker. Die seltenen Momente ohne Management eskalieren komplett, weil sie noch aufgestauter ist. Soziale Kontakte der Familie gehen gegen Null. Lösung: Temporär. Langzeitergebnis: Verschlimmerung.

Szenario C „Die Intelligente Variante“ (Management + Training): Bella wird vor Besuch an die Leine genommen (Management). Besucher ignorieren sie komplett, bis sie ruhig ist, erst dann Aufmerksamkeit (Training). Wenn sie zu aufgeregt wird, kurze Auszeit an der Leine (wieder Management).

Nach 4 Wochen: Erste Erfolge mit bekannten Besuchern. Nach 3 Monaten: Leine wird nur noch bei sehr aufregenden Besuchern gebraucht. Nach 6 Monaten: Bella begrüßt höflich, weil sie gelernt hat, dass das viel mehr Aufmerksamkeit bringt.

Erfolgsquote: 95%. Stresslevel aller Beteiligten: Minimal.

Die unbequeme Wahrheit

Management ist nicht sexy. Es ist nicht Instagram tauglich. Es löst keine „Wow-Momente“ aus.

Aber weißt Du was? Es funktioniert.

Und wenn Du lieber funktionierende Lösungen willst als spektakuläre Geschichten, dann hör auf, Deinem Hund und Dir selbst das Leben schwer zu machen.

Dein Hund ist kein Projekt, das Du reparieren musst. Er ist ein Lebewesen, das in einer für ihn oft unverständlichen Welt navigieren muss. Management ist die Landkarte, Training der Kompass.

Ohne Landkarte nützt auch der beste Kompass nichts und Ihr lauft trotzdem im Kreis.

Also: Nimm die Abkürzung. Dein Hund wird es Dir danken. Deine Nerven auch. Und Deine Besucher sowieso.

Fazit

Training und Management im Hundetraining verhalten sich wie ein Haus. Das Management bildet unser Fundament und das Training sind die Stockwerke, die aber nur auf einem starken Fundament gebaut werden können.

Im Trainingsprozess ist es daher ratsam die Situationen, die den Hund zum Ausflippen bringen auf ein Minimum zu reduzieren:

  • Sollte der Hund durch andere Hunde aus der Fassung geraten, dann geh nicht gerade dann spazieren, wenn alle anderen das auch tun, bzw. suche Dir Gebiete, die nicht hoch frequentiert sind.
  • Ein Hund, der z. B. ein Thema mit Bellen am Gartenzaun hat, sollte nicht alleine im Garten sein und seiner „Leidenschaft“ weiter frönen.
  • Ein Hund, der durch Besucher, Lieferanten oder generell Menschen getriggert wird, sollte bei Besuch in einem anderen Raum sein, wenn Du Besuch erwartest oder Dein Postbote regelmäßige Zeiten hat.

Der beste Hundetrainer der Welt wird Euch nicht helfen können, wenn der Hund weiterhin sein bisheriges Verhalten verankern kann.

Daher verzichte nie auf ein kluges und proaktives Management!

Wenn Du Dir eine Stunde Zeit nimmst, um Dein Management zu planen, kann das Deinen Trainingserfolg um Wochen oder gar Monate beschleunigen.

Mache es Dir und Deinem Hund daher nicht unnötig schwer.

Ich habe so viele Teams gesehen, die von Trainer zu Trainer laufen und Dinge zwar kurzzeitig besser wurden, aber dann am Ende schlimmer endeten, als sie je waren.

Das kann zum Einen am falschen Trainer liegen, am nicht klar kommunizieren von Hintergrundwissen oder schlicht an der Tatsache, dass man als Hundehalter dann eben doch nicht so trainiert hat, wie man sollte oder zwar trainiert, das Management aber vernachlässigt hat.

Und wenn Du nicht weißt, wie Du Management für Deinen Hund konkret umsetzt, lass uns drüber reden. Es spart dir Monate an Frust. Versprochen! 

FAQ

Management vs. Training in der Hundeerziehung

Nein, Du sollst Deinen Hund nicht isolieren. Das Ziel besteht darin, zu verhindern, dass Dein Hund das unerwünschte Verhalten wiederholt und darin, seinen Stress gering zu halten. Das Management erfordert jedoch eine Anpassung der Auslöser. Dein Hund braucht weiterhin Bewegung, Du musst nur Wege finden, seine Bedürfnisse zu erfüllen, ohne dass er seine Schwelle für unerwünschtes Verhalten überschreitet.

Viele Hunde zeigen dieses Verhalten. Die Leine stellt für Hunde eine Barriere dar, die Frust auslöst.

Darüber hinaus können auch andere Faktoren eine Rolle spielen, die dazu führen, dass ein Hund beim Spazierengehen nur an der Leine reagiert. Hier wäre als Beispiel ein in der Vergangenheit erfolgter Leinenruck zu nennen, der dazu geführt hat, dass unser Hund den dadurch verursachten Schmerz mit anderen Hunden verknüpft hat.

Das bedeutet einfach, dass das Training an der Leine stattfinden muss, da wir an der Leine eine positive Assoziation mit dem Auslöser aufbauen müssen.

Obwohl wir die Auslöser einzeln trainieren können, möchten wir alle Auslöser unseres Hundes so gut wie möglich in den Griff bekommen, damit er das unerwünschte Verhalten nicht weiter einstudiert.

Daher mein Rat, wenn Du eh schon beim Management bist, dann mach es von Anfang an richtig und versuche so viele blöde Situationen wie möglich von Beginn an zu vermeiden.

Das Ziel besteht darin, dass ein Management nicht mehr erforderlich ist, sobald der Hund eine neue positive emotionale Reaktion auf den Auslöser entwickelt hat. Mit den Fortschritten, die Du und Dein Hund im Training machst, sollte auch der Aufwand des Managements verringert werden können. Somit auch hier noch mal: Je besser Dein Management am Anfang, desto schneller hast Du es auch wieder hinter Dir!

Es gibt einige Faktoren, die bestimmen, wie lange das Training dauert, wie zum Beispiel

  • wie lange hat der Hund sein unerwünschtes Verhalten schon, sprich, wie tief verankert ist es
  • wie intensiv das Verhalten ist
  • wie gut das Management ist
  • wie erfolgreich und konsequent die Trainingseinheiten sind

Die Bereitschaft eines Hundes etwas zu ändern, geschieht nicht über Nacht. Wenn wir bei der Führung und Ausbildung konsequent bleiben , sollten wir stetige und schnelle Fortschritte sehen.

Wenn Du Dich für die Option entscheidest, Deinen Hund bei Besuch alleine in einem Zimmer zu lassen, musst Du ihn zunächst daran gewöhnen, dass er dort ohne Besuch bereits bleiben kann.

Das heißt, plane Trainings ein, in denen der Hund alleine im Zimmer ist und sich wohlfühlt. Du kannst auch Musik oder den Fernseher anmachen, damit sie die Geräusche der Besucher übertönen. Gib Deinem Hund etwas zum Kauen, damit er sich entspannen kann.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Besucher draußen zu empfangen, dort Leckerlis schnüffeln zu lassen und dann mit den Gästen hineinzugehen. Sobald Ihr drinnen seid, gib Deinem Hund etwas zum Kauen, damit er sich entspannen und die Anwesenheit der Besucher verarbeiten kann. Verwende bei Bedarf Babygitter, Laufställe oder eine Leine.

Wenn Du nicht vorhersagen kannst, wann der Auslöser kommt, kannst Du Dich nur bestmöglich vorbereiten, um Deinen Hund im Fall des Falles schnell zu beruhigen.

Es kann dafür sehr hilfreich sein, Leckerlis in der Nähe der Tür aufzubewahren, damit Du sie schnell verteilen kannst und der Hund schnell ins Schnüffeln kommt, wenn er getriggert wird, sodass er nicht über längere Zeit über der Reizschwelle bleibt.

Oder ganz pragmatisch – Du bestellst einfach weniger im Internet 😉 

Was versteht man unter Belohnungshierarchie und Belohnungssystem im Hundetraining?

Letzte Woche gab es einen Überblick zum Thema Belohnungen im Hundetraining. Heute schauen wir uns an, wie Du eine Belohnungshierarchie und ein Belohnungssystem in das Training implementierst. 

Einfach nur belohnen wird Dich nicht zum Ziel bringen. Das Thema ist komplexer und vor allem individueller. Ein sehr verfressener Hund kann z. B. bei einem trockenen Keks schon in Ektase verfallen, wohingegen ein anderer Hund mal mindestens die gefriergetrocknete Leber brauchen würde. Ganz zu schweigen von Deiner eigenen Rolle beim Belohnen. Denn nicht nur die Art der Belohnung ist wichtig. Deine eigene Stimmung spielt eine größere Rolle, als Du vielleicht jetzt noch denkst.  

Schön, dass Du wieder hier bist. Oder bist Du zum ersten Mal da? So oder so: Ich freu mich riesig, dass Du Dir mehr als 30 Sekunden Zeit nimmst, und wirklich verstehen willst, wie Lernen beim Hund funktioniert. Mehr davon, bitte!

Was ist die Belohnungshierarchie im Hundetraining? 

Definition und Grundprinzip

Die Belohnungshierarchie bewertet alle Belohnungen in der Reihenfolge ihres Wertes für unseren Hund. Je weiter oben in der Hierarchie, desto wahrscheinlicher ist es, dass unser Hund etwas für die Belohnung tut. Bleiben wir zunächst mal beim Futter, da das die gängigste Belohnungsmethode ist. 

Vielleicht denkst Du Dir gerade: „Na ja, mein Hund mag jedes Futter!“ oder „Mein Hund lässt sich überhaupt nicht durch Futter motivieren.“

Im Allgemeinen ist es so, dass es keine so große Rolle spielt, ob Dein Hund das Futter so lala findet oder sehr gern mag. Alle Hunde (ob wählerisch oder verrückt nach Futter) haben eine „Belohnungshierarchie“, die wir kennen und verstehen sollten.

Das könnte in etwa so aussehen:

Belohnungshierarchie im Hundetraining

Das Bild dient nur als Beispiel und für Deinen Hund können, oder besser müssen, hier sicher andere Dinge eingesetzt werden. 

Individuelle Motivation von Hunden: So erkennst Du die Vorlieben Deines Hundes

Abhängig davon, wie motiviert Dein Hund über Futter ist, musst Du möglicherweise weiter oben oder weiter unten in dieser Belohnungspyramide ansetzen, um ein bestimmtes Verhalten zu trainieren.

Wenn Du beispielsweise einen sehr verfressenen Labrador hast, könnte ihn ein Training mit einem Steak in Deinem Wohnzimmer völlig aus der Fassung bringen 😉 und er wird so verrückt sein, dass er nicht richtig lernen kann. 

Wenn Dein Hund hingegen nicht so sehr durch Trockenfutter oder „billige“ Leckerlis motiviert ist, musst Du  die Belohnungspyramide hinaufklettern, bis Du ein Leckerli findest, das die Aufmerksamkeit Deines Hundes weckt und für ihn auch wirklich eine Belohnung darstellt.

Optimale Motivation von Hunden: Die perfekte Balance finden

Die ideale Einstellung, die Dein Hund beim Training haben sollte, ist enthusiastisch und engagiert, aber nicht „völlig verrückt“.

Überleg Dir hier kurz, wie klar Du noch denken kannst, wenn Dir jemand 1 Million Euro auf den Tisch legt und Du dafür 3 Minuten mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen sollst 😮

Du kannst die richtige Motivationslage erreichen, wenn Du für Deinen Hund genau den richtigen Belohnungswert wählst.

Meiner Erfahrung nach brauchen etwa ¾ aller Hunde, die ich im Training sehe, eine bessere Belohnung, als das, was die Besitzer im Allgemeinen dabei haben, um wirklich erfolgreich zu sein. Das andere Viertel (die wirklich triebigen, durch Futter motivierten Hunde) können zu Hause mit einer Belohnung mit geringem Wert trainieren, benötigen aber oft auch eine Belohnung mit hohem Wert, sobald wir an einen anderen Ort mit mehr Ablenkung gehen.

Hochwertige Leckerlis finden: So motivierst Du Deinen Hund optimal und individuell

Wenn Dein Hund für seine Belohnungen „so lala“ mit Dir zusammenarbeitet, probiere einfach verschiedene Leckerli aus. Gib Dich nicht mit einer Belohnung zufrieden, bevor Du nicht viel ausprobiert und die persönliche Belohnungshierarchie Deines Hundes herausgefunden hast!

Ich empfehle wirklich eindringlich, immer wieder neue Belohnungen auszuprobieren, bist Du Dich für EURE besten Trainingsleckerlis entscheidest. Und wenn Du dann immer noch nicht mit dem Drang an die Leckerlies zu kommen 100 % zufrieden bist, probiere noch mehr aus. Orientiere Dich dafür gerne an der oben abgebildeten Pyramide. 

Es lohnt sich wirklich hier ein wenig Zeit zu investieren und zu tüfteln. Denn hat man einmal das Richtige gefunden, wird es das Training enorm beschleunigen.

Warum Trockenfutter oft nicht motiviert: Natürliche Präferenzen verstehen

Hunde sind Raubtiere. Als solche mögen sie, nennen wir es, Beute. Also Fleisch. Fleisch und Milchprodukte sind von Natur aus nicht haltbar. Die haltbaren Leckerlis, die man kaufen kann, enthalten oft viele Zusatzstoffe. Je preiswerter, desto mehr Zusatzstoffe (Ausnahmen gibt es hüben wie drüben!).

Diese schmecken unseren Hunden einfach nicht besonders gut. Leckerlis mit „Hühnchengeschmack“ aus dem Discounter schmecken vielleicht gut genug, um die Aufmerksamkeit in unserem Wohnzimmer aufrecht zu erhalten, aber nicht, wenn wir im Park unterwegs sind!

Die gute Nachricht ist, dass wir sehr preiswerte und hochwertige Leckerbissen erhalten, indem wir normale Lebensmittel wie Wurst zerschneiden. Achte dabei darauf, dass es sehr, sehr kleine Stücke sind.

Gib Deinem Hund zunächst immer nur eine kleine Menge, um zu sehen, wie gut sein Magen ein neues Leckerli verträgt. Sei aber vorsichtig mit fettreichen Leckerlis wie Speck. Diese sollten als besonderes Leckerli für schwierige Trainingssituationen reserviert werden. Zu viel Fett kann eine Pankreatitis verursachen, die ziemlich schmerzhaft ist.

Wichtig ist, dass Du im Training, zumindest am Anfang, nicht mit einer „gemischten Tüte“ arbeitest. Hier ist nicht gewährleistet, dass Du die passende Wertigkeit für die Ausführungen des Verhaltens erwischt und es könnte sein, dass wir zwar denken, hochwertig belohnt zu haben, wir aber genau für eine besonders gute Ausführung dummerweise gerade das Leckerli aus der Tüte erwischt haben, was jetzt nicht ganz oben auf der Hitliste des Hundes steht.

Belohnungssytstem im Hundetraining

Bewährte Trainingsleckerlis: Empfehlungen meiner Hunde

Unser Favorit an Leckerlies ist feste Trainingswurst. Diese besteht aus schnittfestem und haltbaren Fleisch. Ganz klar eine größere Sauerei als Trockenfutter, aber die Hunde lieben es und für mich ist es gut händelbar. Geht zwar nicht in die Hosentasche, aber in Dosen oder Tüten passt es ganz gut.

Ich verwende sie immer, wenn ich viele Belohnungen brauche, also bei Welpen oder beim Tricktraining. Denn diese Würste könnte ich auch als Alleinfutter nehmen und so ist es kein Problem, die Menge einfach von der Tagesration abzuziehen. Ansonsten, wenn es mal übersichtlich ist, was die Menge angeht, nehme ich Käse, Leberkäse, Wienerle….

Mit einem Steak brauche ich meinen Hunden z. B. nicht daherkommen. Rohes Fleisch ist für sie nicht wirklich eine Belohnung, da sie das hier als Hauptfutter bekommen. Also nicht das Steak versteht sich! 😉 

Übertragung auf andere Belohnungsarten

Hast Du für Futter rausgefunden, was Dein Hund liebt, dann machst Du genau das Gleiche mit den 

  • sozialen Belohnungen
  • Spielzeugen 
  • Umweltbelohnungen

Je nach Hundetyp kann eine Belohnung aus Futter bestehen und hier wiederum abgestuft nach Wertigkeit. Vielleicht ist Dein Hund aber auch der Typ, der durch Spielzeug mega gut zu motivieren ist. Ein anderer Hund hingegen findet Apportierspiele ganz toll. Wichtig bei dem Prozess ist also, dass Du sehr neutral rausfindest was genau Dein Hund gut findet. Beobachte Deinen Hund also genau und schaue darauf, was ihm wirklich Spaß bringt.

Häufige Fehler beim Belohnen: Was Hunde wirklich motiviert

Was Dein Hund toll findet, deckt sich nicht immer mit Deiner Meinung, was er toll finden soll! 

Bitte lasse explizit die Dinge weg, von denen Du der Meinung bist, dass sie Deinem Hund gefallen sollten. Ich habe es im letzten Beitrag schon kurz erwähnt, aber weil es mir wichtig ist, an dieser Stelle noch mal: Während Du der Meinung bist, dass Streicheln oder Kuscheln für Deinen Hund eine tolle Belohnung ist und ihm das angenehm sein muss, kann es sein, dass Dein Hund das leider anders sieht als Du. Wenn Du ihn dann nun jedes Mal streichelst und kuschelt, wenn er etwas gut macht, kann es leider passieren, dass der Hund das nicht nur nicht als Belohnung ansieht, sondern im schlimmsten Fall als Strafe.

Ein effektives Belohnungssystem entwickeln

Du hast nun also rausgefunden, was Dein Hund richtig gerne mag und bist Dir bewusst, dass in Situation A das Spielzeug viel mehr bringt als Futter und Situation B die Umweltbelohnung das Non-Plus-Ultra ist. Hervorragend, denn das ist mehr, als ganz viele Hundebesitzer von sich behaupten können. Lass uns also jetzt alles in ein System bringen.

Belohnungen richtig kombinieren: Unberechenbar und effektiv belohnen

Für mich ist in erster Linie wichtig, dass wir als Mensch nicht ausrechenbar sind. Sprich, Dein Hund soll nicht wissen, was ihn als Belohnung erwartet.

Wir nehmen jetzt mal das Beispiel „Platz“ und einen fiktiven Hund, Fiffi. Ich sage dem Fiffi im Garten ein „Platz“ und da er das gut kann, bekommt er dafür einen recht langweiligen Keks. Dann bin ich mit Fiffi im Wald unterwegs, vor ihm springt ein Reh über den Weg und ich sag wiederum „Platz“, was auch umgehend ausgeführt wird. Glaubst Du, dass Fiffi sich jemals wieder im Angesicht eines Reh hinlegt, wenn ich dem jetzt einen Keks gebe und ihn über den Kopf tätschel? Die ultimative Belohnung für Fiffi wäre, dem Reh hinterherlaufen zu dürfen. Ich weiß aber, dass er auch völlig auf Zerrspiele mit mir abfährt. Also wähle ich nun statt dem Leckerli eine fette Party mit mir zusammen. Und wenn ich kein Spielzeug dabei habe, dann tuts auch mal die Leine oder meine Ärmel. Wichtig ist, dass ich herausragende Leistungen auch herausragend belohne. 

Belohnungshierarchie und Belohnungssystem im Hundetraining

Hundetrainer-Mindset: Der wichtigste Part in diesem System bist Du!

Egal wie gut Du über die Vorlieben Deines Hundes bescheid weißt. Unabhängig davon, wie ausgeklügelt Dein System ist. Wurscht wie gut Du die Technik anwenden kannst. Das Ganze steht und fällt mit Dir als Person. Echte Freude, empfundener Stolz, unterstützende Teilhabe und Wertschätzung gegenüber Deinem Hund sind das, was am Ende den Unterschied ausmacht. Wenn Du Deinem Hund vermitteln kannst, dass keiner so tolle Stöcke auf der Welt findet wie er, keine so hoch klettern kann wie sie und überhaupt das „Platz“ das beste auf der Welt ist, dann brauchst Du Dir um den Rest kaum noch Gedanken machen. 

Wenn Du eine Belohnung auch mit Deiner Stimmung kombinierst, Dich z. B. beim Rückruf bereits freust, während Dein Hund noch auf dem Weg zu Dir ist, bekommt Deine Freude für den Hund ganz schnell mindestens die gleiche Wertigkeit, wie all die externen Belohnungen, die wir hier bereits besprochen haben. Du kannst also durch Deine Stimmung, Deine Freude, Deine Wertschätzung und Deine Einstellung bereits den Cortisolspiegel Deines Hundes beeinflussen. 

Das macht deutlich warum „Nicht geschimpft, ist gelobt genug“ halt leider eher wenig bis gar nicht funktioniert. 

Intermittierende Verstärkung im Hundetraining: Nachhaltige Motivation ohne zum Futterautomaten zu werden!

Unter intermittierender Belohnung verstehen wir im Training von Hunden, die Belohnungshäufigkeit. Bevor Du weiterliest, hier mein eindrücklicher Appell: Sei ehrlich zu Dir selber! Benutze das erst, wenn ein Verhalten etabliert ist!

Wenn Dein Hund also ganz genau gelernt hat bei einem „Stopp-Signal“ eine Vollbremsung hinzulegen und an Ort und Stelle zu verharren und dies zuverlässig ausführt (in ca. 90% der Fälle), dann fängst Du damit an, dieses Verhalten nicht mehr jedes Mal zu belohnen, sondern nur noch ab und zu. 

Hier gibt es jetzt so viele Modelle, wie es Trainer gibt. Du musst einfach für Dich rausfinden, was bei Euch gut funktioniert. Ich persönlich bin ein Verfechter des Zufall-Prinzips und achte darauf, nicht in ein Muster zu verfallen, sondern variabel zu bleiben. Das

  • in der Häufigkeit (Belohnungsdichte)
  • in der Wahl der Mittel (Belohnungsart)
  • in der Stärke (Wertigkeit) 

Ich versuche mehr oder weniger unberechenbar für meine Hunde zu sein. Ähnlich wie ein „Einarmiger Bandit“ im Casino. Intermittierende Belohnung funktioniert ungefähr wie Spielsucht beim Menschen. Durch die Erwartung, dass man heute aber ganz sicher den Automaten besiegt und ihn leerräumt, schmeißt man immer wieder Geld rein. Und ja, mal gewinnt man Geld, mal an Erfahrung. So verhält es sich auch bei unseren Hunden. Da sie nicht wissen wann, welche und wieviel Belohnungen für sie abfallen, schmeißen sie statt Geld, gutes Verhalten „in den Automaten“. Immer in der Hoffnung, dass heute der Tag ist, an dem wir super großzügig sind. 

Achtung! Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ganz schnell wird Dein Hund rausgefunden haben, dass es bei jeder 3. Ausführung eine Belohnung gibt 😉. Und glaubs mir, sie können sehr wohl zählen. Die sind ja nicht blöd! 

Situationsbedingte Belohnung: Anpassung an Ort, Erregung und Trainingsstand

Der Wert einer Belohnung ist nicht nur vom Hund, sondern auch von der Situation abhängig. 
Beispiel: Zuhause reicht für das „Kommen“ Trockenfutter, im Park brauchst Du dafür aber die mega Belohnung. 

Je nach Ziel kann die Belohnung anders ausfallen, ebenso je nach Trainingsstand Deines Hundes. Dann kann z. B. so aussehen:

SituationZielBelohnungsart
Rückruf mit AblenkungVerhalten absichernJackpot (Spiel/Futter)
Sitz auf EntfernungVerhalten aufbauenSofort, mittelhoch
Hund bleibt ruhig, wenn andere bellenFrust-Toleranz bestätigenSozial (+ Futter)

Ruhe belohnen im Hundetraining: So förderst Du Entspannung richtig

Bei all den Belohnungen dürfen wir nicht vergessen, dass wir in den allermeisten Fällen immer Verhalten belohnen, welches irgendwie mit Action des Hundes zu tun hat. 

Hast Du Deinen Hund schon mal belohnt, wenn er irgendwo rumsitzt und einfach nur „blöd guckt“? Eben. Das vergessen wir nämlich sehr gerne und wundern uns dann, dass die Hunde mit unserem Erscheinen immer Bewegung in Verbindung bringen und nicht abschalten können. 

Belohne Deinen Hund also auch fürs „Nichts-Tun“. Aber bitte nicht mit Spielen oder einem gequietschten „feeeeiiiiiiner Maxi. Suuuuuper!“ Hier ist eher ein tiefes, fast schon gemurmeltes „guter Junge“ das Mittel der Wahl. Schließlich soll Dein Hund ja jetzt nicht wie so ein Kistenteufelchen aufspringen, sondern gerad mal sein Leben chillen. 

Fazit: Dein Weg zu einem erfolgreichen belohnungsbasiertem Hundetraining

Eine durchdachte Belohnungshierarchie und ein individuelles Belohnungssystem sind der Schlüssel zu einem erfolgreichen Hundetraining. Investiere die Zeit, um die Vorlieben Deines Hundes wirklich zu verstehen. Das wird sich in Form von deutlich schnelleren Trainingserfolgen auszahlen.

Die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst:

  • Kenne die Hierarchie: Finde heraus, was Dein Hund wirklich liebt
  • Passe die Belohnung an: Schwierige Situationen brauchen hochwertige Belohnungen
  • Bleibe unberechenbar: Intermittierende Verstärkung hält die Motivation hoch
  • Du bist der Schlüssel: Deine Begeisterung ist die wertvollste Belohnung
  • Belohne auch Ruhe: Nicht nur Action verdient Anerkennung

Denke daran: Jeder Hund ist einzigartig. Was bei einem funktioniert, muss bei einem anderen nicht zwangsläufig klappen. Experimentiere, beobachte und passe Dein System kontinuierlich an die Bedürfnisse Deines Hundes an.

Teile gerne Deine Erfahrungen: Welche Belohnung steht bei Deinem Hund ganz oben in der Hierarchie? Schreib es in die Kommentare. Ich bin super gespannt auf Eure Geschichten!

FAQ

Belohnungen im Hundetraining

Nein, aber Du solltest es wollen.
Belohnungen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von guter Kommunikation. Natürlich verändert sich mit der Zeit, was Dein Hund als Belohnung empfindet und was Du im Alltag wirklich brauchst. Ein Hund, der gelernt hat, dass Zusammenarbeit sich lohnt, braucht keine Dauerfütterung. Aber ein nettes „Danke“ in passender Form? Das tut der Beziehung immer gut.

Variiere die Belohnungsarten systematisch: Kombiniere Futter mit Spielzeugen, sozialen Belohnungen und Umweltbelohnungen. Arbeite mit intermittierender Verstärkung und bleibe unberechenbar in Häufigkeit, Art und Wertigkeit der Belohnungen. Deine eigene Begeisterung und Freude sind dabei die wertvollste Belohnung. Sie sollte immer der größter Teil des Systems sein.

Erstmal: Nicht verzweifeln.
Wenn Dein Hund draußen nichts annimmt, ist das ein Zeichen von Überforderung, nicht von Dickköpfigkeit. In solchen Fällen hilft durchaus eine hochwertigere Belohnung. Aber in erster Linie ein besseres Management: Reizlevel senken, Abstand schaffen, Alternativen anbieten und Schritt für Schritt aufbauen.

Manchmal ja, oft nein.
Ob körperliche Zuwendung eine Belohnung ist, entscheidet nicht Dein Bauchgefühl, sondern Dein Hund. Manche Hunde lieben Berührungen, andere empfinden sie im Training eher als störend. Beobachte Deinen Hund: Lehnt er sich rein? Oder zieht er sich weg? Das ist Deine Antwort.

Mein Lasko, der Pudel, ist durch Streicheln extrem gut zu belohnen. Reba und Zazu, die Aussies, finden das eher übergriffig und völlig daneben. 

Indem du es testest und ihn beobachtest.
Leckerlis sind nur ein Teil der Wahrheit. Spiel, Bewegung, Freiraum, soziale Interaktion oder auch Umweltzugang können für Deinen Hund extrem belohnend sein. Nimm Dir Zeit, eine kleine „Belohnungsliste“ zu erstellen und achte darauf, wann die Augen Deines Hundes glänzen und wann er Dich nur höflich anblinzelt.

Erst wenn ein Verhalten zu 90% etabliert ist! Das bedeutet: Dein Hund führt das gewünschte Verhalten zuverlässig und sofort aus. Zu frühe intermittierende Verstärkung kann dazu führen, dass sich das Verhalten wieder verschlechtert. Bleibe in der Lernphase bei kontinuierlicher Belohnung und wechsle erst dann zu unregelmäßigen Belohnungen. 

Ja, unbedingt!

Der Wert einer Belohnung hängt stark vom Kontext ab. Zu Hause ohne Ablenkung reicht oft eine einfache Belohnung, während Du im Park mit Ablenkung hochwertige „Jackpot“-Belohnungen brauchst. Auch der Trainingsstand spielt eine Rolle: Beim Aufbau neuer Verhaltensweisen belohnst Du sofort und mittelhoch, bei schwierigen Situationen wie Rückruf mit Ablenkung setzt Du die besten Belohnungen ein.