Der Hund mit Maulkorb: Schandmal oder Game-Changer?

Was sind Deine ersten Gedanken, wenn Dir ein Hund mit Maulkorb begegnet? Sei ehrlich!

In den allermeisten Fällen assoziieren Menschen Hunde mit Maulkorb als gefährlich. Die Besitzer gelten als zu faul zum Trainieren. Aber ist das wirklich immer so?

Mit diesem Artikel möchte ich sachlich und praktisch über Maulkörbe aufklären. Ich zeige Dir, warum sie weit mehr sind als ein „Gefängnis auf der Nase“ und wie Du Deinen Hund stressfrei daran gewöhnst?

Dein Hund wird niemals einen Maulkorb tragen? Lies den Artikel trotzdem und schaue, ob Du im Anschluss immer noch derselben Meinung bist.

Maulkorb-Mythen: Diese Vorurteile halten sich hartnäckig

Das größte Vorurteil ist immer noch „Nur aggressive Hunde tragen einen Maulkorb!“ Das „nur“ kann ich dabei allerdings nicht unterschreiben. Ich würde mich freuen, wenn tatsächlich mehr der aggressiven Hunde einen Korb tragen würden. Das würde viel bewirken.

Der Maulkorb als vermeintliches „Schandmal“

Weiterhin wird ein Maulkorb oft als Schandmal angesehen. Er drückt den Haltern den Stempel auf: „Die sind doch nur zu faul zu trainieren. Der arme Hund muss jetzt mit so einem Gefängnis auf der Nase rumlaufen.“

Ich sehe das z. B. ganz anders, denn der Großteil dieser Besitzer sind nicht zu faul, sondern das Gegenteil. Sie trainieren aktiv mit dem Hund und nutzen dabei den Korb als Hilfmittel.

Bäm! So wird aus „faul“ ganz schnell „verantwortungsbewusst“!

Vernichtende Blicke und verbale Attacken in der Öffentlichkeit

Diese beiden großen Vorurteile führen immer noch zu mitleidigen bis abfälligen Blicken in der Öffentlichkeit.

Auch verbale Reaktionen sind nicht selten:

  • „Was bist du denn für ein gemeiner Mensch?“
  • „Dir sollte man auch mal so ein Ding aufsetzen!“

Solche übergriffigen Kommentare sind alles andere als schön.

Das Ergebnis: Menschen schreien nicht gerade „Hurra“, wenn ich ihnen im Training einen Maulkorb nahelege. Sie fühlen sich unwohl bei dem Gedanken an ihren Hund mit diesem „scheußlichen Ding“ im Gesicht.

Mit dem Stigma eines Tierquälers will schließlich niemand belegt werden.

Warum ein Maulkorb für Deinen Hund sinnvoll ist

Gesetzliche Bestimmungen: Wann ist ein Maulkorb Pflicht?

Maulkorbpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln: In Deutschland gibt es keine einheitlichen Bestimmungen. Die Pflicht hängt vom jeweiligen Verkehrsverband ab.

Reist Du mit der Deutschen Bahn (sehr unwahrscheinlich, ich weiß) und Dein Hund ist nicht in einer Transportbox? Dann muss er angeleint sein und einen Maulkorb tragen. 

Rassespezifische Auflagen: Bestimmte Rassen haben per se eine Maulkorbpflicht. Diese variiert stark von Bundesland zu Bundesland. Frag daher explizit in Deinem Regierungsbezirk nach.

Auch die Regeln zur Befreiung von dieser Pflicht sind nicht einheitlich geregelt.

Auslandsreisen mit Hund: In vielen Ländern gibt es strengere Bestimmungen als in Deutschland. Hier gibt es ebenfalls regionale Unterschiede.

Es kann passieren, dass an Deinem Urlaubsort eine Maulkorbpflicht gilt und verrückterweise sogar kontrolliert wird. Wäre schade, wenn Du deswegen statt nach Italien in die Eifel fahren müsstest. Wobei es in der Eifel auch schön ist.

Medizinische Gründe: Wenn der Maulkorb zum Lebensretter wird

Tierarztbesuche und Notfallbehandlungen: Ein Hund kann unter Schmerzen oder in Panik ganz anders reagieren als gewohnt. Gut ist es, wenn er dann nicht auch noch dem Stress eines unbekannten Maulkorbes ausgesetzt ist.

Ist der Hund an einen Maulkorb gewöhnt, lässt er sich in Notfallsituationen schneller und sicherer helfen.

Schutz vor Giftködern und Fremdfutter: Die Giftköderwarnungen nehmen immer weiter zu. Manchmal weiß man gar nicht mehr, wo man noch spazieren gehen soll, ohne seinem Hund einer Vergiftungsgefahr auszusetzen.

Oder Du hast so einen kleinen „Staubsauger“ an Deiner Seite, der alles frisst, was er so finden kann. In beiden Situationen kann ein Maulkorb, neben einem Anti-Giftköder-Training Sicherheit bieten. Er kann die Lebensversicherung Deines Hundes sein.

Stressreduktion für Hundebesitzer: Hier geht es um das Senken des Stresses beim Menschen. Reaktive Hunde, die an der Leine pöbeln, bringen ihre Besitzer oft schon vor dem Auslösen auf einen Ruhepuls von 180.

Diese Spirale lässt sich oft dadurch unterbrechen, dass der Mensch Sicherheit bekommt, dass sein Hund „nichts tun“ kann. Dadurch kann er dem Hund signalisieren, dass es keinen Grund zum Ausflippen gibt.

Arbeit mit unsicheren oder ängstlichen Hunden: Ein Maulkorb kann die Arbeit mit sehr unsicheren oder verängstigten Hunden erleichtern. Besonders bei Hunden, die sich nicht anfassen lassen.

Im Training kann man den Hunden leichter Sicherheit vermitteln. Als Mensch fühlt man sich geschützt und muss den Hund nicht in seinen Attacken nach vorne bestätigen.

Trainings- und Sozialisierungshilfe

Unterstützung beim Hundetraining: Wie bereits erwähnt, kann der Maulkorb dabei helfen, Fortschritte im Training zu machen und viel Emotionalität bei Mensch und Hund kann abgefedert werden.

Ein Maulkorb kann auch bei der (Re-)Sozialisierung helfen. Der Hund kann mit Maulkorb weniger schwere körperliche Verletzungen zufügen.

Sicherheit für alle Beteiligten: Kann der Hund seine Zähne nicht einsetzen, bietet das größere Sicherheit. Viel mehr Trainingsansätze werden möglich.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Eine Attacke mit Maulkorb kann durchaus schmerzhaft sein und zu blauen Flecken führen. Der Maulkorb ist kein Wundermittel, schützt aber vor Bissen, die echt gefährlich werden können.

Kleiner Hund mit Maulkorb
Charly nach seinem Umzug zu Nina in „voller Montur“. Auch kleine Hunde haben Zähne.

Der versteckte Vorteil: Mehr Ruhe beim Gassigehen

Ganz ehrlich? Für mich ist das fast DER Grund, einen Maulkorb zu nutzen.

Statt sich von Vorurteilen runterziehen zu lassen, nutze diese für Dich. Gewinne ihnen Positives ab:

Mehr Platz für Dich und Deinen Hund: Die meisten Menschen halten Deinen Hund für gemeingefährlich. Deshalb halten sie viel mehr Abstand zu Euch. Bingo!

Wer freut sich nicht darüber, in Ruhe seinen Weg zu gehen?

Tut-Nix-Besitzer bleiben fern: Meist checkt auch der merkbefreiteste Tut-Nix-Besitzer, dass es ratsam ist, seinen Hund nicht zu Deinem zu lassen.

Okay, er wird Dich als faul und unfähig abstempeln. Aber immerhin hat er seinen „süßen, kleinen Schnuffel“ an der Leine.

Denk Dir Deinen Teil. Lächel….und geh weiter!

Sollte jeder Hund den Maulkorb kennen lernen?

Warum jeder Hund maulkorbtrainiert sein sollte

Zumindest die medizinischen und praktischen Gründe sprechen dafür, dass jeder Hund einen Maulkorb kennen sollte.

Wie praktisch ist es, wenn Du in jeder Situation weißt: Du und Dein Hund seid gut vorbereitet. Es stellt kein Problem dar, mit der Bahn zu fahren oder sich im Ausland überall zu bewegen. Es gibt keine Einschränkungen in Eurem Leben und keine Situationen, die Ihr nicht easy meistern könnt.

Du fährst nicht mit der Bahn und nicht ins Ausland? Kannst Du das für den Rest Deines Lebens mit Hund genau so sagen?

Notfallsituationen und unvorhergesehene Umstände

Was ist, wenn sich Deine Lebenssituation ändert? Wir alle wissen nicht, was das Leben für uns bereithält. Dinge können sich von heute auf morgen ändern.

Wie gut ist es, wenn Du bereits vorgebaut hast! Du musst Dir, neben all den anderen Schwierigkeiten, keine Gedanken machen, wie Du es auch noch schaffen sollst, Deinen Hund an einen Maulkorb zu gewöhnen.

Der Maulkorb als normales Hilfsmittel

Ich würde mir wünschen, dass wir im Hundetraining einen Maulkorb einfach als ganz normales Hilfsmittel ansehen könnten. Genauso wie Halsband und Leine auch.

Je normaler wir damit umgehen, desto eher können wir Vorurteile in der Bevölkerung abbauen. Je selbstverständlicher das Bild von Hunden mit Maulkorb wird, desto weniger Anfeindungen erhalten wir. Und umso sicherer werden wir im Umgang mit unseren Hunden.

Den richtigen Maulkorb für den Hund auswählen

Materialien und ihre Vor- und Nachteile

Mittlerweile gibt es verschiedene Materialien für Hundemaulkörbe. Jeder kann das finden, was zu seinen Vorlieben und Ansprüchen passt.

Metallmaulkörbe:

  • Vorteile: Extrem beißsicher, ermöglichen uneingeschränkte Futter- und Wasseraufnahme, freies Hecheln, gute Luftzirkulation
  • Nachteile: Sehr schwer, starr und hart (daher unbedingt auf Polsterung achten!), tun bei Angriffen echt weh
  • Geeignet für: Hunde mit echten Beschädigungsabsichten (erste Wahl)

Ledermaulkörbe:

  • Vorteile: Angenehm zu tragen, praktisch zu verstauen (flexibel)
  • Nachteile: Hoher Pflegeaufwand, empfindlich bei Nässe, werden ohne Pflege hart und brüchig, können unangenehm riechen

Biothane-Maulkörbe:

  • Vorteile: Pflegleicht, wasserbeständig, robust und hygienisch
  • Nachteile: Können nicht mit Fressschutz ausgestattet werden (Problem lässt sich durch enge Riemenanordnung lösen, klappt aber nicht bei allen Hunden)

Kunststoffmaulkörbe:

  • Vorteile: Sehr leicht, günstig, oft mit Fresseinsätzen
  • Nachteile: Meist nicht individuell angepasst, ermöglichen nicht immer vollständiges Hecheln, anfällig für Benagen, können bei Kälte spröde werden

Nylonmaulkörbe:

  • Vorteile: Sehr leicht
  • Nachteile: Nur für kurze Einsätze geeignet, erschweren Hecheln und Wasseraufnahme, nicht beißsicher

Passform und Größe

Ein guter Maulkorb, vor allem wenn er längerfristig getragen werden soll, muss richtig passen!

Es ist wichtig, dass Du Deinen Hund richtig vermisst. Gängige Maße sind hier

  • Länge der Schnauze
  • Schnauzenumfang
  • Breite der Schnauze
  • Höher der Schnauze (geschlossen und hechelnd)

Wichtig ist, dass die Bewegungsfreiheit des Hundes durch einen zu großen Korb nicht eingeschränkt wird. Ebenso wie genug Raum zum Hecheln und Trinken. Druckstellen soll ein Maulkorb beim Hund natürlich auch auf keinen Fall verursachen.  

Tipp: Achte beim Kauf darauf, ob die Hersteller Außen- oder Innenmaße angeben. Gute Maulkorbberatung und eine große Auswahl findest Du beispielsweise bei Chic + Scharf 

Qualitätskriterien wie Verarbeitung und Sicherheit sind entscheidend. Wie so oft gilt: Billig kaufen ist oft doppelt kaufen!

Maulkorb-Training: Schritt für Schritt zur Akzeptanz

Vorbereitung: Die richtige Grundhaltung beim Hund erzeugen

Positive Verknüpfungen schaffen: Dieses Training soll immer positiv aufgebaut werden. Vermittle Deinem Hund, dass das Tragen eines Maulkorbs normal ist. Es soll angenehm sein und keine Einschränkung oder Strafe darstellen.

Das richtige Timing: Ein Maulkorbtraining baust Du am besten präventiv auf. So musst Du kein Hauruck-Verfahren anwenden.

Schaffe eine ruhige und entspannte Trainingsumgebung. Wähle Zeiten, in denen Ihr beide gechillt seid.

Wichtig: Belohne bereits den Prozess des Anziehens, nicht nur das Ende der Tragezeit!

Benötigte Hilfsmittel:

  • Hochwertige Leckerlis
  • Optional: Clicker

Die 7 Trainingsschritte zum maulkorbtrainierten Hund

Schritt 1 – Kennenlernen: Zeige Deinem Hund den Maulkorb und schaffe positive Emotionen. Dein Hund soll den Anblick des Maulkorbs mit etwas Tollem verknüpfen.

Schritt 2 – Berühren: Dein Hund berührt den Maulkorb freiwillig und wird dafür belohnt.

Schritt 3 – Hineinschauen: Die Schnauze kommt kurz in den Maulkorb. Lob gibt es auch noch außerhalb des Korbs.

Schritt 4 – Schnauze im Korb belassen: Wenn Dein Hund die Schnauze selbstverständlich in den Maulkorb steckt, lobe ihn. Gib ihm das Leckerchen von vorne in den Maulkorb, solange die Schnauze drin ist.

Schritt 5 – Anziehen: Jetzt wird der Maulkorb geschlossen. Erst nur ganz kurz und gleich wieder öffnen.

Schritt 6 – Verlängern: Verlängre schrittweise die Tragezeit des geschlossenen Maulkorbs.

Schritt 7 – Ablenkung erhöhen: Trainiere nun auch mit Bewegung und in verschiedenen Situationen.

Diese Fehler solltest Du beim Maulkorbtraining vermeiden

Zu schnelles Vorgehen: Nimm Dir Zeit für das Training. Je kleinschrittiger und sauberer Du es aufbaust, desto selbstverständlicher trägt Dein Hund den Maulkorb.

Unregelmäßiges Üben: Mach das täglich ein paar Mal „nebenbei“, nicht einmal die Woche für eine Stunde.

Negative Verknüpfungen: Mache Deinem Hund das Tragen und Anlegen so angenehm wie möglich. Setze ihm den Maulkorb nicht einfach auf die Nase und schimpfen ihn dann, weil er ihn loswerden will. Das ist kontraproduktiv.

Unpassende Belohnungen: Wie in jeder Trainingssituation kommt es auf die Wertigkeit der Belohnungen an. Deine Belohnungen sollen beim Hund auslösen: „Wow, der Maulkorb! Voll gut, da gibt’s immer tolle Sachen. Pack den ja nicht so schnell weg wie gestern!“
Wie Du das schaffst, kannst Du in den Beiträgen Belohnungen im Hundetraining oder Belohnungshierarchie und Belohnungssystem im Hundetraining nachlesen. 

Das ist beim Tragen eines Maulkorbes zu beachten

Sicherheit und Komfort für Deinen Hund

Maximale Tragezeiten: Das Tragen eines gut sitzenden Maulkorbs ist nach richtiger Gewöhnung für den Hund ungefähr so wie für uns das Tragen einer Brille.

Dein Hund kann den Maulkorb so lange tragen, wie nötig. Bei wirklich gefährlichen Hunden in der Resozialisierung ist manchmal 24/7 notwendig. Nicht schön, geht aber. Diese Fälle gehören von Haus aus in die Hände eines Profis und sind extrem individuell zu betrachten.

Ein Maulkorb ist dennoch keine „Immerlösung“ und soll möglichst nur im Bedarfsfall getragen werden!

Wetterbedingungen berücksichtigen: Bei sehr heißem Wetter kann es nötig sein, die Tragezeiten zu verkürzen. Das gilt, falls der Maulkorb kein maximales Hecheln ermöglicht.

Auch sehr kalte Temperaturen können dazu führen, dass Maulkörbe am Hund anfrieren. Das ist nicht die Regel, muss aber beachtet werden.

Regelmäßige Kontrolle auf Druckstellen: Das sollte selbstverständlich sein.

Hygiene und Reinigung: Ein Maulkorb ist nur angenehm, wenn er regelmäßig gereinigt wird und nicht schon auf sieben Meilen gegen den Wind stinkt.

Dein Verhalten als Hundebesitzer

Du bist nicht nur beim Aufbau des Maulkorb-Trainings wichtig, sondern auch beim Tragen.

Entspannte Ausstrahlung: Sieh den Maulkorb als ganz normal an. Wie Leine und Halsband. Das überträgt sich auf Deinen Hund. Er wird ihn bald mit Würde und Stolz tragen.

Nein, er muss Dir nicht leidtun. Dafür gibt es keinen Grund.

Umgang mit Reaktionen anderer Menschen: Schaff Dir ein dickes Fell an. Wenn Du Lust hast, kläre die Menschen gerne auf. Wenn nicht, geh Deines Weges.

Du musst Dich nicht erklären. Du hast Dich bewusst für den Maulkorb entschieden, weil er Dir und vor allem Deinem Hund hilft.

Für die Meinungen fremder Leute bist Du weder verantwortlich, noch muss sie Dich interessieren.

Kontinuierliche positive Verstärkung: Auch wenn Dein Hund den Maulkorb schon lange kennt: Verstärke ihn immer mal wieder positiv. Wie das Aufladen eines Akkus.

Der muss nicht immer 100% Ladestatus haben. Dauerhaft leer ist aber auch schlecht. Gerade wenn Ihr den Maulkorb immer weniger braucht: Lass ihn nicht gänzlich verstauben.

Hund mit Maulkorb
Photocredit fate.bc https://www.instagram.com/fate.bc/

Wandel der gesellschaftlichen Sichtweise: Ist der Maulkorb noch ein Tabu?

Noch vor einigen Jahren war der Maulkorb für viele gleichbedeutend mit „gefährlicher Hund, unfähiger Halter“. Wer mit Hund und Maulkorb unterwegs war, musste mit hochgezogenen Augenbrauen und flüsternden Passanten rechnen.

Aufklärung zeigt erste Erfolge

In den letzten Jahren hat sich etwas getan. Durch Aufklärungsarbeit von Trainern, Vereinen und Tierschutzorganisationen ist der Maulkorb mehr ins Bewusstsein gerückt. Nicht nur als „Strafwerkzeug“, sondern als sinnvolles Hilfsmittel.

Auch in den Medien tauchen immer häufiger Bilder von Hunden mit Maulkorb auf, ohne dass gleich das Klischee vom „Kampfhund“ bedient wird.

Regionale und generationsbedingte Unterschiede

Trotzdem: Die Entwicklung verläuft nicht überall gleich.

In Deutschland: Während in manchen Städten Hundebesitzer entspannter reagieren und Maulkörbe häufiger sehen, gelten sie in ländlicheren Regionen nach wie vor als Makel. Die Akzeptanz hängt stark von Bundesland, Stadt und sogar vom Viertel ab.

International: In Ländern wie Italien oder Spanien gehört der Maulkorb in der Öffentlichkeit bei größeren Hunden oft selbstverständlich dazu. Ohne großes Drama.

Generationswechsel: Jüngere Hundebesitzer, die mit positivem Training und mehr Fachwissen aufwachsen, sehen den Maulkorb deutlich pragmatischer. Für sie ist er eher ein Sicherheitsgadget als ein Stigma.

Fazit: Der Maulkorb als normales Hilfsmittel

Ein Maulkorb ist kein Gefängnis, sondern ein Werkzeug. Er kann Leben retten, Training erleichtern und Sicherheit für Mensch und Hund schaffen..

Die größten Hürden sind nach wie vor die Vorurteile: „aggressiv“, „faul“, „Tierquäler“. Doch je mehr wir sachlich aufklären und je normaler das Bild eines Hundes mit Maulkorb im Alltag wird, desto schneller verlieren diese Vorwürfe an Gewicht.

Mein Plädoyer an alle Hundebesitzer

Sehen wir den Maulkorb als das, was er ist: ein normales Trainings- und Sicherheitstool. Genauso selbstverständlich wie Halsband, Leine oder Geschirr.

Als Hundebesitzer tragen wir nicht nur für unsere Tiere, sondern auch dafür Verantwortung, wie wir mit unserer Umwelt umgehen.

Jeder kann mithelfen:

  • Ein freundlicher Satz zur Aufklärung
  • Eine kurze, sachliche Erklärung
  • Einfach selbstbewusst vorangehen

Schon das kann dazu beitragen, die Sichtweise anderer zu verändern. Jeder Hundebesitzer, der entspannt mit Maulkorb unterwegs ist, trägt dazu bei, dass das Thema normaler wird.

Ich würde es mir wünschen. 

Und mich interessiert Deine Meinung dazu wirklich brennend. Lass gerne einen Kommentar da. 

📷 Danke an fate.bc für die Bilder von meinem Lieblings-HSH-Mix Bo, im Besitzer der lieben Franka mit ihrem Lieblingspack 

Was versteht man unter Belohnungshierarchie und Belohnungssystem im Hundetraining?

Letzte Woche gab es einen Überblick zum Thema Belohnungen im Hundetraining. Heute schauen wir uns an, wie Du eine Belohnungshierarchie und ein Belohnungssystem in das Training implementierst. 

Einfach nur belohnen wird Dich nicht zum Ziel bringen. Das Thema ist komplexer und vor allem individueller. Ein sehr verfressener Hund kann z. B. bei einem trockenen Keks schon in Ektase verfallen, wohingegen ein anderer Hund mal mindestens die gefriergetrocknete Leber brauchen würde. Ganz zu schweigen von Deiner eigenen Rolle beim Belohnen. Denn nicht nur die Art der Belohnung ist wichtig. Deine eigene Stimmung spielt eine größere Rolle, als Du vielleicht jetzt noch denkst.  

Schön, dass Du wieder hier bist. Oder bist Du zum ersten Mal da? So oder so: Ich freu mich riesig, dass Du Dir mehr als 30 Sekunden Zeit nimmst, und wirklich verstehen willst, wie Lernen beim Hund funktioniert. Mehr davon, bitte!

Was ist die Belohnungshierarchie im Hundetraining? 

Definition und Grundprinzip

Die Belohnungshierarchie bewertet alle Belohnungen in der Reihenfolge ihres Wertes für unseren Hund. Je weiter oben in der Hierarchie, desto wahrscheinlicher ist es, dass unser Hund etwas für die Belohnung tut. Bleiben wir zunächst mal beim Futter, da das die gängigste Belohnungsmethode ist. 

Vielleicht denkst Du Dir gerade: „Na ja, mein Hund mag jedes Futter!“ oder „Mein Hund lässt sich überhaupt nicht durch Futter motivieren.“

Im Allgemeinen ist es so, dass es keine so große Rolle spielt, ob Dein Hund das Futter so lala findet oder sehr gern mag. Alle Hunde (ob wählerisch oder verrückt nach Futter) haben eine „Belohnungshierarchie“, die wir kennen und verstehen sollten.

Das könnte in etwa so aussehen:

Belohnungshierarchie im Hundetraining

Das Bild dient nur als Beispiel und für Deinen Hund können, oder besser müssen, hier sicher andere Dinge eingesetzt werden. 

Individuelle Motivation von Hunden: So erkennst Du die Vorlieben Deines Hundes

Abhängig davon, wie motiviert Dein Hund über Futter ist, musst Du möglicherweise weiter oben oder weiter unten in dieser Belohnungspyramide ansetzen, um ein bestimmtes Verhalten zu trainieren.

Wenn Du beispielsweise einen sehr verfressenen Labrador hast, könnte ihn ein Training mit einem Steak in Deinem Wohnzimmer völlig aus der Fassung bringen 😉 und er wird so verrückt sein, dass er nicht richtig lernen kann. 

Wenn Dein Hund hingegen nicht so sehr durch Trockenfutter oder „billige“ Leckerlis motiviert ist, musst Du  die Belohnungspyramide hinaufklettern, bis Du ein Leckerli findest, das die Aufmerksamkeit Deines Hundes weckt und für ihn auch wirklich eine Belohnung darstellt.

Optimale Motivation von Hunden: Die perfekte Balance finden

Die ideale Einstellung, die Dein Hund beim Training haben sollte, ist enthusiastisch und engagiert, aber nicht „völlig verrückt“.

Überleg Dir hier kurz, wie klar Du noch denken kannst, wenn Dir jemand 1 Million Euro auf den Tisch legt und Du dafür 3 Minuten mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen sollst 😮

Du kannst die richtige Motivationslage erreichen, wenn Du für Deinen Hund genau den richtigen Belohnungswert wählst.

Meiner Erfahrung nach brauchen etwa ¾ aller Hunde, die ich im Training sehe, eine bessere Belohnung, als das, was die Besitzer im Allgemeinen dabei haben, um wirklich erfolgreich zu sein. Das andere Viertel (die wirklich triebigen, durch Futter motivierten Hunde) können zu Hause mit einer Belohnung mit geringem Wert trainieren, benötigen aber oft auch eine Belohnung mit hohem Wert, sobald wir an einen anderen Ort mit mehr Ablenkung gehen.

Hochwertige Leckerlis finden: So motivierst Du Deinen Hund optimal und individuell

Wenn Dein Hund für seine Belohnungen „so lala“ mit Dir zusammenarbeitet, probiere einfach verschiedene Leckerli aus. Gib Dich nicht mit einer Belohnung zufrieden, bevor Du nicht viel ausprobiert und die persönliche Belohnungshierarchie Deines Hundes herausgefunden hast!

Ich empfehle wirklich eindringlich, immer wieder neue Belohnungen auszuprobieren, bist Du Dich für EURE besten Trainingsleckerlis entscheidest. Und wenn Du dann immer noch nicht mit dem Drang an die Leckerlies zu kommen 100 % zufrieden bist, probiere noch mehr aus. Orientiere Dich dafür gerne an der oben abgebildeten Pyramide. 

Es lohnt sich wirklich hier ein wenig Zeit zu investieren und zu tüfteln. Denn hat man einmal das Richtige gefunden, wird es das Training enorm beschleunigen.

Warum Trockenfutter oft nicht motiviert: Natürliche Präferenzen verstehen

Hunde sind Raubtiere. Als solche mögen sie, nennen wir es, Beute. Also Fleisch. Fleisch und Milchprodukte sind von Natur aus nicht haltbar. Die haltbaren Leckerlis, die man kaufen kann, enthalten oft viele Zusatzstoffe. Je preiswerter, desto mehr Zusatzstoffe (Ausnahmen gibt es hüben wie drüben!).

Diese schmecken unseren Hunden einfach nicht besonders gut. Leckerlis mit „Hühnchengeschmack“ aus dem Discounter schmecken vielleicht gut genug, um die Aufmerksamkeit in unserem Wohnzimmer aufrecht zu erhalten, aber nicht, wenn wir im Park unterwegs sind!

Die gute Nachricht ist, dass wir sehr preiswerte und hochwertige Leckerbissen erhalten, indem wir normale Lebensmittel wie Wurst zerschneiden. Achte dabei darauf, dass es sehr, sehr kleine Stücke sind.

Gib Deinem Hund zunächst immer nur eine kleine Menge, um zu sehen, wie gut sein Magen ein neues Leckerli verträgt. Sei aber vorsichtig mit fettreichen Leckerlis wie Speck. Diese sollten als besonderes Leckerli für schwierige Trainingssituationen reserviert werden. Zu viel Fett kann eine Pankreatitis verursachen, die ziemlich schmerzhaft ist.

Wichtig ist, dass Du im Training, zumindest am Anfang, nicht mit einer „gemischten Tüte“ arbeitest. Hier ist nicht gewährleistet, dass Du die passende Wertigkeit für die Ausführungen des Verhaltens erwischt und es könnte sein, dass wir zwar denken, hochwertig belohnt zu haben, wir aber genau für eine besonders gute Ausführung dummerweise gerade das Leckerli aus der Tüte erwischt haben, was jetzt nicht ganz oben auf der Hitliste des Hundes steht.

Belohnungssytstem im Hundetraining

Bewährte Trainingsleckerlis: Empfehlungen meiner Hunde

Unser Favorit an Leckerlies ist feste Trainingswurst. Diese besteht aus schnittfestem und haltbaren Fleisch. Ganz klar eine größere Sauerei als Trockenfutter, aber die Hunde lieben es und für mich ist es gut händelbar. Geht zwar nicht in die Hosentasche, aber in Dosen oder Tüten passt es ganz gut.

Ich verwende sie immer, wenn ich viele Belohnungen brauche, also bei Welpen oder beim Tricktraining. Denn diese Würste könnte ich auch als Alleinfutter nehmen und so ist es kein Problem, die Menge einfach von der Tagesration abzuziehen. Ansonsten, wenn es mal übersichtlich ist, was die Menge angeht, nehme ich Käse, Leberkäse, Wienerle….

Mit einem Steak brauche ich meinen Hunden z. B. nicht daherkommen. Rohes Fleisch ist für sie nicht wirklich eine Belohnung, da sie das hier als Hauptfutter bekommen. Also nicht das Steak versteht sich! 😉 

Übertragung auf andere Belohnungsarten

Hast Du für Futter rausgefunden, was Dein Hund liebt, dann machst Du genau das Gleiche mit den 

  • sozialen Belohnungen
  • Spielzeugen 
  • Umweltbelohnungen

Je nach Hundetyp kann eine Belohnung aus Futter bestehen und hier wiederum abgestuft nach Wertigkeit. Vielleicht ist Dein Hund aber auch der Typ, der durch Spielzeug mega gut zu motivieren ist. Ein anderer Hund hingegen findet Apportierspiele ganz toll. Wichtig bei dem Prozess ist also, dass Du sehr neutral rausfindest was genau Dein Hund gut findet. Beobachte Deinen Hund also genau und schaue darauf, was ihm wirklich Spaß bringt.

Häufige Fehler beim Belohnen: Was Hunde wirklich motiviert

Was Dein Hund toll findet, deckt sich nicht immer mit Deiner Meinung, was er toll finden soll! 

Bitte lasse explizit die Dinge weg, von denen Du der Meinung bist, dass sie Deinem Hund gefallen sollten. Ich habe es im letzten Beitrag schon kurz erwähnt, aber weil es mir wichtig ist, an dieser Stelle noch mal: Während Du der Meinung bist, dass Streicheln oder Kuscheln für Deinen Hund eine tolle Belohnung ist und ihm das angenehm sein muss, kann es sein, dass Dein Hund das leider anders sieht als Du. Wenn Du ihn dann nun jedes Mal streichelst und kuschelt, wenn er etwas gut macht, kann es leider passieren, dass der Hund das nicht nur nicht als Belohnung ansieht, sondern im schlimmsten Fall als Strafe.

Ein effektives Belohnungssystem entwickeln

Du hast nun also rausgefunden, was Dein Hund richtig gerne mag und bist Dir bewusst, dass in Situation A das Spielzeug viel mehr bringt als Futter und Situation B die Umweltbelohnung das Non-Plus-Ultra ist. Hervorragend, denn das ist mehr, als ganz viele Hundebesitzer von sich behaupten können. Lass uns also jetzt alles in ein System bringen.

Belohnungen richtig kombinieren: Unberechenbar und effektiv belohnen

Für mich ist in erster Linie wichtig, dass wir als Mensch nicht ausrechenbar sind. Sprich, Dein Hund soll nicht wissen, was ihn als Belohnung erwartet.

Wir nehmen jetzt mal das Beispiel „Platz“ und einen fiktiven Hund, Fiffi. Ich sage dem Fiffi im Garten ein „Platz“ und da er das gut kann, bekommt er dafür einen recht langweiligen Keks. Dann bin ich mit Fiffi im Wald unterwegs, vor ihm springt ein Reh über den Weg und ich sag wiederum „Platz“, was auch umgehend ausgeführt wird. Glaubst Du, dass Fiffi sich jemals wieder im Angesicht eines Reh hinlegt, wenn ich dem jetzt einen Keks gebe und ihn über den Kopf tätschel? Die ultimative Belohnung für Fiffi wäre, dem Reh hinterherlaufen zu dürfen. Ich weiß aber, dass er auch völlig auf Zerrspiele mit mir abfährt. Also wähle ich nun statt dem Leckerli eine fette Party mit mir zusammen. Und wenn ich kein Spielzeug dabei habe, dann tuts auch mal die Leine oder meine Ärmel. Wichtig ist, dass ich herausragende Leistungen auch herausragend belohne. 

Belohnungshierarchie und Belohnungssystem im Hundetraining

Hundetrainer-Mindset: Der wichtigste Part in diesem System bist Du!

Egal wie gut Du über die Vorlieben Deines Hundes bescheid weißt. Unabhängig davon, wie ausgeklügelt Dein System ist. Wurscht wie gut Du die Technik anwenden kannst. Das Ganze steht und fällt mit Dir als Person. Echte Freude, empfundener Stolz, unterstützende Teilhabe und Wertschätzung gegenüber Deinem Hund sind das, was am Ende den Unterschied ausmacht. Wenn Du Deinem Hund vermitteln kannst, dass keiner so tolle Stöcke auf der Welt findet wie er, keine so hoch klettern kann wie sie und überhaupt das „Platz“ das beste auf der Welt ist, dann brauchst Du Dir um den Rest kaum noch Gedanken machen. 

Wenn Du eine Belohnung auch mit Deiner Stimmung kombinierst, Dich z. B. beim Rückruf bereits freust, während Dein Hund noch auf dem Weg zu Dir ist, bekommt Deine Freude für den Hund ganz schnell mindestens die gleiche Wertigkeit, wie all die externen Belohnungen, die wir hier bereits besprochen haben. Du kannst also durch Deine Stimmung, Deine Freude, Deine Wertschätzung und Deine Einstellung bereits den Cortisolspiegel Deines Hundes beeinflussen. 

Das macht deutlich warum „Nicht geschimpft, ist gelobt genug“ halt leider eher wenig bis gar nicht funktioniert. 

Intermittierende Verstärkung im Hundetraining: Nachhaltige Motivation ohne zum Futterautomaten zu werden!

Unter intermittierender Belohnung verstehen wir im Training von Hunden, die Belohnungshäufigkeit. Bevor Du weiterliest, hier mein eindrücklicher Appell: Sei ehrlich zu Dir selber! Benutze das erst, wenn ein Verhalten etabliert ist!

Wenn Dein Hund also ganz genau gelernt hat bei einem „Stopp-Signal“ eine Vollbremsung hinzulegen und an Ort und Stelle zu verharren und dies zuverlässig ausführt (in ca. 90% der Fälle), dann fängst Du damit an, dieses Verhalten nicht mehr jedes Mal zu belohnen, sondern nur noch ab und zu. 

Hier gibt es jetzt so viele Modelle, wie es Trainer gibt. Du musst einfach für Dich rausfinden, was bei Euch gut funktioniert. Ich persönlich bin ein Verfechter des Zufall-Prinzips und achte darauf, nicht in ein Muster zu verfallen, sondern variabel zu bleiben. Das

  • in der Häufigkeit (Belohnungsdichte)
  • in der Wahl der Mittel (Belohnungsart)
  • in der Stärke (Wertigkeit) 

Ich versuche mehr oder weniger unberechenbar für meine Hunde zu sein. Ähnlich wie ein „Einarmiger Bandit“ im Casino. Intermittierende Belohnung funktioniert ungefähr wie Spielsucht beim Menschen. Durch die Erwartung, dass man heute aber ganz sicher den Automaten besiegt und ihn leerräumt, schmeißt man immer wieder Geld rein. Und ja, mal gewinnt man Geld, mal an Erfahrung. So verhält es sich auch bei unseren Hunden. Da sie nicht wissen wann, welche und wieviel Belohnungen für sie abfallen, schmeißen sie statt Geld, gutes Verhalten „in den Automaten“. Immer in der Hoffnung, dass heute der Tag ist, an dem wir super großzügig sind. 

Achtung! Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ganz schnell wird Dein Hund rausgefunden haben, dass es bei jeder 3. Ausführung eine Belohnung gibt 😉. Und glaubs mir, sie können sehr wohl zählen. Die sind ja nicht blöd! 

Situationsbedingte Belohnung: Anpassung an Ort, Erregung und Trainingsstand

Der Wert einer Belohnung ist nicht nur vom Hund, sondern auch von der Situation abhängig. 
Beispiel: Zuhause reicht für das „Kommen“ Trockenfutter, im Park brauchst Du dafür aber die mega Belohnung. 

Je nach Ziel kann die Belohnung anders ausfallen, ebenso je nach Trainingsstand Deines Hundes. Dann kann z. B. so aussehen:

SituationZielBelohnungsart
Rückruf mit AblenkungVerhalten absichernJackpot (Spiel/Futter)
Sitz auf EntfernungVerhalten aufbauenSofort, mittelhoch
Hund bleibt ruhig, wenn andere bellenFrust-Toleranz bestätigenSozial (+ Futter)

Ruhe belohnen im Hundetraining: So förderst Du Entspannung richtig

Bei all den Belohnungen dürfen wir nicht vergessen, dass wir in den allermeisten Fällen immer Verhalten belohnen, welches irgendwie mit Action des Hundes zu tun hat. 

Hast Du Deinen Hund schon mal belohnt, wenn er irgendwo rumsitzt und einfach nur „blöd guckt“? Eben. Das vergessen wir nämlich sehr gerne und wundern uns dann, dass die Hunde mit unserem Erscheinen immer Bewegung in Verbindung bringen und nicht abschalten können. 

Belohne Deinen Hund also auch fürs „Nichts-Tun“. Aber bitte nicht mit Spielen oder einem gequietschten „feeeeiiiiiiner Maxi. Suuuuuper!“ Hier ist eher ein tiefes, fast schon gemurmeltes „guter Junge“ das Mittel der Wahl. Schließlich soll Dein Hund ja jetzt nicht wie so ein Kistenteufelchen aufspringen, sondern gerad mal sein Leben chillen. 

Fazit: Dein Weg zu einem erfolgreichen belohnungsbasiertem Hundetraining

Eine durchdachte Belohnungshierarchie und ein individuelles Belohnungssystem sind der Schlüssel zu einem erfolgreichen Hundetraining. Investiere die Zeit, um die Vorlieben Deines Hundes wirklich zu verstehen. Das wird sich in Form von deutlich schnelleren Trainingserfolgen auszahlen.

Die wichtigsten Punkte noch einmal zusammengefasst:

  • Kenne die Hierarchie: Finde heraus, was Dein Hund wirklich liebt
  • Passe die Belohnung an: Schwierige Situationen brauchen hochwertige Belohnungen
  • Bleibe unberechenbar: Intermittierende Verstärkung hält die Motivation hoch
  • Du bist der Schlüssel: Deine Begeisterung ist die wertvollste Belohnung
  • Belohne auch Ruhe: Nicht nur Action verdient Anerkennung

Denke daran: Jeder Hund ist einzigartig. Was bei einem funktioniert, muss bei einem anderen nicht zwangsläufig klappen. Experimentiere, beobachte und passe Dein System kontinuierlich an die Bedürfnisse Deines Hundes an.

Teile gerne Deine Erfahrungen: Welche Belohnung steht bei Deinem Hund ganz oben in der Hierarchie? Schreib es in die Kommentare. Ich bin super gespannt auf Eure Geschichten!

FAQ

Belohnungen im Hundetraining

Nein, aber Du solltest es wollen.
Belohnungen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von guter Kommunikation. Natürlich verändert sich mit der Zeit, was Dein Hund als Belohnung empfindet und was Du im Alltag wirklich brauchst. Ein Hund, der gelernt hat, dass Zusammenarbeit sich lohnt, braucht keine Dauerfütterung. Aber ein nettes „Danke“ in passender Form? Das tut der Beziehung immer gut.

Variiere die Belohnungsarten systematisch: Kombiniere Futter mit Spielzeugen, sozialen Belohnungen und Umweltbelohnungen. Arbeite mit intermittierender Verstärkung und bleibe unberechenbar in Häufigkeit, Art und Wertigkeit der Belohnungen. Deine eigene Begeisterung und Freude sind dabei die wertvollste Belohnung. Sie sollte immer der größter Teil des Systems sein.

Erstmal: Nicht verzweifeln.
Wenn Dein Hund draußen nichts annimmt, ist das ein Zeichen von Überforderung, nicht von Dickköpfigkeit. In solchen Fällen hilft durchaus eine hochwertigere Belohnung. Aber in erster Linie ein besseres Management: Reizlevel senken, Abstand schaffen, Alternativen anbieten und Schritt für Schritt aufbauen.

Manchmal ja, oft nein.
Ob körperliche Zuwendung eine Belohnung ist, entscheidet nicht Dein Bauchgefühl, sondern Dein Hund. Manche Hunde lieben Berührungen, andere empfinden sie im Training eher als störend. Beobachte Deinen Hund: Lehnt er sich rein? Oder zieht er sich weg? Das ist Deine Antwort.

Mein Lasko, der Pudel, ist durch Streicheln extrem gut zu belohnen. Reba und Zazu, die Aussies, finden das eher übergriffig und völlig daneben. 

Indem du es testest und ihn beobachtest.
Leckerlis sind nur ein Teil der Wahrheit. Spiel, Bewegung, Freiraum, soziale Interaktion oder auch Umweltzugang können für Deinen Hund extrem belohnend sein. Nimm Dir Zeit, eine kleine „Belohnungsliste“ zu erstellen und achte darauf, wann die Augen Deines Hundes glänzen und wann er Dich nur höflich anblinzelt.

Erst wenn ein Verhalten zu 90% etabliert ist! Das bedeutet: Dein Hund führt das gewünschte Verhalten zuverlässig und sofort aus. Zu frühe intermittierende Verstärkung kann dazu führen, dass sich das Verhalten wieder verschlechtert. Bleibe in der Lernphase bei kontinuierlicher Belohnung und wechsle erst dann zu unregelmäßigen Belohnungen. 

Ja, unbedingt!

Der Wert einer Belohnung hängt stark vom Kontext ab. Zu Hause ohne Ablenkung reicht oft eine einfache Belohnung, während Du im Park mit Ablenkung hochwertige „Jackpot“-Belohnungen brauchst. Auch der Trainingsstand spielt eine Rolle: Beim Aufbau neuer Verhaltensweisen belohnst Du sofort und mittelhoch, bei schwierigen Situationen wie Rückruf mit Ablenkung setzt Du die besten Belohnungen ein.