Schleppleine oder Flexileine? Was ist besser?

Wer hätte gedacht, dass man für einen simplen Spaziergang mit Hund erst ein Ingenieurstudium in Leinenkunde braucht?
Schleppleine, Flexi, Kurzführer, Retrieverleine und jede Seite im Internet verspricht die eine perfekte Lösung.
Aber was ist denn nun wirklich besser? Schleppleine oder Flexileine?

Spoiler: Es kommt, wie so oft, drauf an.
Und zwar nicht auf die Leine, sondern auf Dich und Deinen Hund.

Die Leine als Zeichen für die Unfähigkeit des Hundebesitzers! Oder doch nicht?

Bevor wir über besser oder schlechter sprechen, lass uns eins klarstellen:
Eine Leine ist kein Zeichen von Versagen, keine Strafe und kein Gefängnis für den Hund.
Sie ist ein völlig unterschätztes Kommunikationsmittel. Eine Verbindung zwischen zwei Lebewesen, die leider völlig zu unrecht mittlerweile in einem schlechten Licht dasteht. 

Eine Leine kann Sicherheit geben, Orientierung schaffen und sogar Nähe fördern.
Manche Hunde fühlen sich an der Leine ruhiger, andere gewinnen darüber erst Vertrauen. Also bitte: Niemand muss sich schlecht fühlen, weil der Hund (noch) an der Leine läuft.
Die Leine am Hund ist kein Armutszeugnis für den Hundehalter, der es ja wohl offensichtlich nicht schafft seinen Hund Freilauf zu gewähren, sondern  sie ist pure Verantwortung und ein echter Beziehungs-Booster.

Oder, wie ich gern sage:

Eine Leine, und zwar unabhängig von Flexi- oder Schleppleine, verschafft dem Hund langfristig Freiheit! Ja, auch die kurze Leine. Surprise! 

Hä? Wie führen denn 1,5 Meter zu Freiheit? Genau das zeige ich Dir hier im Beitrag. 

Was ist der Unterschied zwischen Schleppleine und Flexileine?

Beide Leinen geben dem Hund mehr Bewegungsfreiheit als eine Kurzleine, das ist die Gemeinsamkeit. Allerdings erfolgt das auf völlig unterschiedliche Weise. Hier der direkte Vergleich:

Freiheit mit eingebautem Bungeeseil: Vorteile und Nachteile der Flexileine

Flexileinen wirken auf den ersten Blick praktisch (und sind es in bestimmten Situationen auch wirklich).
Hund läuft vorneweg, Mensch bleibt gemütlich hinten dran und beide „haben Freiheit“.
Aber diese Freiheit ist eine Illusion, denn die Flexileinen sind nicht wirklich gut steuerbar. Über einen 500 Gramm schweren Rollkasten kann es schwierig sein, feine Signale zu empfangen. Und zwar für beide Enden der Rollleine. Das ist, als würdest Du versuchen, mit jemandem über ein Dosentelefon zu flirten. Technisch ist das möglich, emotional wird´s vielleicht schwierig. 🤔 

Benutzt Du eine Flexileine bereits im Welpenalter lernt Dein Hund in Wahrheit -> Zug = ich darf weiter.
Das führt zu Dauerzug, Stress und einer spannungsgeladenen Kommunikation, sofern diese überhaupt möglich ist.

Vorteile:

  • praktisch im Stadtverkehr

  • schnelle Kontrolle auf engem Raum

Nachteile:

  • ständige Leinen-Spannung = falsches Feedback

  • Orientierung am Menschen? Fehlanzeige.

  • hoher Reizpegel durch unkontrollierte Bewegungsfreiheit

Oder kurz gesagt:

Die Flexileine ist wie Fast Food. Schnell, bequem aber langfristig schwer verdaulich fürs Miteinander.

Trainingstool mit Stolperfalle: Vorteile und Nachteile der Schleppleine

Schleppleinen dagegen sind keine Lifestyle-Accessoires, sondern Trainingshilfen.
Sie geben Freiheit mit Netz und doppeltem Boden.
Der Hund darf sich bewegen und eigene Entscheidungen treffen, bleibt aber verbunden.

Vorteile:

  • echtes Lernfeld für Orientierung

  • klare, spürbare Grenze ohne Strafe

  • ideal für Rückruf, Radius- und Beziehungstraining

Nachteile:

  • erfordert Aufmerksamkeit

  • Stolpergefahr (vor allem bei Kaffee in der Hand 😉)

  • kein Dauerzustand, sondern Lernphase

Schleppleine heißt Schleppleine, nicht Stolperleine.
Wer sie richtig nutzt, trainiert Nähe. Wer sie schleifen lässt, trainiert Chaos.

Fun Fakt: Wer mich beim Schleppleinen-Training sieht meint auch ich tanze meinen Namen oder Contemporary. Da wird sich gedreht, die Leine über dem Kopf gewechselt und es gibt ständig irgendwelche Ausfallschritte und Hüpfer, um nicht über die Leine zu fliegen. Ich lach mich ganz oft über mich selber kaputt. 😂

Wenn Du die Choreographie dazu lernen möchtest, dann komm gerne in einen meiner Kurse. Fürs schnellere Infotainment aber hier mein Artikel über das Rückruftraining

Wie lang muss eine Schleppleine sein?

Für den Einstieg reichen 5 bis 10 Meter, für fortgeschrittenes Training dürfen’s auch 15 oder 20 Meter sein. 

Triggerwarnung: Je länger die Schleppleine ist, desto mehr musst Du auf- und abwickeln und je dreckiger wird das Vergnügen. Meine Empfehlung fürs Material? Ganz klar Biothane. Das ist wasserfest, pflegeleicht und bleibt geschmeidig auch wenn’s matschig wird.

Radiustraining: Nähe, die von innen kommt

Radiustraining klingt nach Hundeschule-Deutsch, ist aber im Grunde simpel:
Der Hund lernt, sich freiwillig innerhalb eines Radius um den Menschen zu bewegen. 

Oder, wie ich es nenne

„Beim Mensch ist es schön, weg vom Mensch ist Stress.“

Hier wird der Hund nicht dauerhaft kontrolliert und beschallt, sondern es ist eine Art der Beziehungsarbeit. Es geht nicht um Gehorsam. 
Der Hund erfährt: Nähe lohnt sich, Distanz ist anstrengend (weil Orientierung fehlt oder Belohnung wegbleibt).
So entsteht ein inneres Band, das keine Leine braucht, aber durch sie aufgebaut werden kann. Hier ist die Schleppleine das Mittel der Wahl und deswegen wollte ich das  Thema hier gerne anschneiden. 

Wissenschaftlich gesehen steckt dahinter viel Bindungstheorie:
Hunde orientieren sich an ihrem Menschen als „sicherer Basis“ (Topál et al., 1998; Horn et al., 2013).
Radiustraining fördert diese Orientierung, weil der Hund lernt, Verantwortung für seine Position zu übernehmen.
Er wird selbstwirksam und Du wirst zum echten Mittelpunkt. Genau das macht den Unterschied zwischen einem Hund, der gehorcht und einem, der freiwillig bleibt.

Dies aber hier nur als kleiner Exkurs, denn es geht ja um Schleppleine oder Flexileine und was besser ist. Dennoch wollte ich es kurz angesprochen haben. Aber es ist eigentlich eine gute Idee für einen zukünftigen Blogartikel. 

Du willst mehr über Radiustraining erfahren? Trag dich für meinen Dogletter ein. Dort gibt’s demnächst einen Deep Dive dazu.

Wann nehme ich die Flexileine, wann benutze ich die Schleppleine? Ein Überblick. 

Welche Leine nimmt man nun für welchen Hund und welche Leine in welcher Situation? Fragen über Fragen. 

Das Schöne ist, Du musst Dich gar nicht nur für eins entscheiden. Ich selber nutze tatsächlich alle Arten von Leinen. Wie schade wäre es denn, wenn ein Hund nur eine Leine hätte? Meine Leinengarderobe wäre ja völlig verweist. 

Fun Fakt: Die erste Frage von Menschen, die unser Haus betreten ist immer: „Wie viele Hunde hast Du noch mal? Leinen- und halsbandtechnisch mittlerweile wohl mindestens 10?!?“ Bist Du auch im Shopping-Team? 

Hier also mal eine Übersicht, wie das denn nun im Alltag mit dem Leinensalat aussehen könnte. Hundeleinen im Vergleich:

SituationEmpfehlungWarum
StadtspaziergangKurzleine oder FührleineKontrolle & Sicherheit
Freilauf auf Wiese oder FeldSchleppleineLernfeld für Orientierung
Unsichere oder jagdlich motivierte HundeSchleppleineSicherheit ohne Freiheitsentzug
Bequeme Spaziergänge ohne TrainingszielFlexileinedarf man, aber mit Bewusstsein

Fazit: Die Leine ist nicht das Problem. Falsche Kommunikation ist es.

Am Ende geht’s nicht darum, welche Leine Du benutzt, sondern wie Du sie benutzt.

Eine Schleppleine kann Beziehung stärken oder Leinenfrust erzeugen, wenn Du mit dem Handling überfordert bist. 
Eine Flexileine kann Dir Freiheit vorgaukeln oder sie verhindern.
Die Leine selbst ist neutral.
Erst das, was du daraus machst, entscheidet über Verbindung oder Chaos.

Oder anders gesagt:

Die richtige Leine ist wie eine gute Beziehung: Sie hält, ohne einzuengen.

Leinenarbeit ist Kommunikation auf der Beziehungsebene. Wer nur zieht oder sich treiben lässt, verpasst die Mitte.

Und wenn Du noch mehr über Beziehungen wissen möchtest, bzw. einen tollen Advent mit Deinem Hund verbringen möchtest, dann melde Dich für 0 Euro zu meinen Adventskalender an. Alle Infos findest Du auf der Seite zum Kalender. Du kannst Dich natürlich auch gleich hier, unter dem Beitrag eintragen. Ich freue mich, Dich und Deinen Hund durch den Advent begleiten zu dürfen. 


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Silvester mit Hund: Gut vorbereitet, statt panisch improvisiert

Silvester mit Hund kann eine Herausforderung sein, besonders für Hunde mit Silvesterangst.

Für viele Menschen ein Fest. Für viele Hunde? Die Hölle auf Erden. Knallerei, grelle Lichter, aufgeregte Stimmung und evtl. noch Besuch im Haus. Alles, was einem geräuschempfindlichen oder sensiblen Hund den Abend vermiesen kann, wird hier konzentriert serviert. Als Höhepunkt das große Feuerwerk, bei dem es für Hunde besonders schlimm mit der Angst wird. 

Meine eigenen Hunde? Sind relativ entspannt, bis auf das große Finale. Glück gehabt. Trotzdem weiß ich: Für viele Mensch-Hund-Teams ist der Jahreswechsel der absolute Stresstest. Und gerade deshalb lohnt sich ein ganzheitlicher Blick auf das Thema. Denn mit ein paar „Beruhigungstipps“ am 31. Dezember ist es nicht getan und natürlich auch zu spät. 

Ich möchte hier betonen, dass es vornehmlich um die Hunde geht, die das Ganze nicht gerade cool finden, aber mit Unterstützung da einigermaßen gut durchkommen. Hunde, die wirklich panisch sind, werden von den Tipps hier nicht zwingend profitieren. Ich werde trotzdem zum Schluss noch mal auf sie eingehen. 

Was macht Silvester für Hunde so schwierig? 

  • Unkontrollierbare Lärmreize: Die Geräusche kommen plötzlich, unvorhersehbar und aus verschiedenen Richtungen. Die Hunde können kein Muster erkennen und somit auch keinen Fluchtpunkt ausmachen. 
  • Grelle Lichter: Das Feuerwerk ist nicht nur laut, sondern auch durch die vielen Lichtblitze visuell sehr reizüberflutend. Das triggert die Hunde extrem stark, die mit optischen Reizen eh schon auf Kriegsfuß stehen. 
  • Stimmung im Haus: Stress überträgt sich natürlich auch auf die Hunde. Somit fangen sie wie immer auch die menschliche Stimmung ein. Egal ob gestresst oder auch euphorisch. (Oh Wunder, es soll Menschen geben, die Silvester mögen!) 
  • Geänderte Routinen: Besuch, Party, geänderter Tagesablauf oder völliges Abschotten, sind alles Dinge, die das Sicherheitsgefühl des Hundes ins Wanken bringen können. 

Silvester ganzheitlich vorbereiten, statt nur Pflaster zu kleben

In der akuten Situation am Silvester Abend wirst Du nicht mehr viel machen können, falls Du das Thema im Vorfeld ausgeklammert hast. Daher erscheint dieser Beitrag auch bereits im Oktober und nicht am 15.12., also kurz vor Alarm. 

Lass uns daher schauen, was in der Trickkiste zu finden ist. Nicht alles passt für jeden Hund, nimm Dir daher hier das mit, was Deinem Hund weiterhelfen kann. Wie cool ist es, wenn Dein Hund nicht nur den Abend irgendwie übersteht, sondern ihn gar nicht erst als soooo schlimm empfindet? 

1. Emotionale Sicherheit gegen Silvesterangst beim Hund

Ein Hund, der seinem Menschen vertraut und gelernt hat, dass Aufregung nicht automatisch Gefahr bedeutet, bringt deutlich bessere Voraussetzungen mit als ein Hund, der sich generell oft hilflos fühlt.

Und hier sind wir mitten drin in der ewigen Diskussion, ob man einen Hund nun trösten soll oder nicht. Es hält sich hartnäckig, dass man so die Angst nur weiter verstärkt. Bäm! Lieb ich ja, wie sich alte Zöpfe über Jahrzehnte halten. „Fake News“ sind also keine Erfindung der Neuzeit. Das mal so am Rande. 

Angst ist ein Gefühl, kein Verhalten. Und Gefühle kann man nicht trainieren. Was man trainieren kann ist den Umgang mit dem Gefühl. Ich geb Dir gerne ein Beispiel. Ich selber habe Höhenangst. Wenn ich nun also für mich schwierige Weg Passagen zu meistern habe, dann hilft es mir, wenn ich die Hand meines Mannes nehmen kann. Das gibt mir das Gefühl von Sicherheit und ich kann trotz der Angst, die ja immer noch da ist, diese Stück Weg überwinden. Natürlich weiß ich rational, dass er mich auch nicht halten kann, sollte ich abrutschen, aber emotional hilft es mir enorm. 

Und so geht es auch unseren Hunden. In dem wir ihnen Nähe und damit Sicherheit vermitteln helfen wir ihnen ihre Ängste auszuhalten und nicht in Panik zu verfallen. 

👉 Alltagstraining = Silvestertraining.
Kann Dein Hund sich an Dir orientieren, auch wenn’s stressig wird, profitiert er enorm davon. Nicht nur am 31.12., sondern rund ums Jahr. 

Übrigens: Vertrauen und Verbindung baust du nicht über Nacht auf. Genau deshalb habe ich einen Adventskalender mit 24 Ideen für mehr „Wir“ erstellt.  Mehr dazu am Ende des Artikels oder gleich hier eintragen 

2. Körperarbeit und Regulation für entspannte Hunde an Silvester

Entspannung ist keine Willensentscheidung, sondern eine körperliche Fähigkeit. Und die lässt sich, im Gegensatz zum Gefühl Angst, tatsächlich trainieren. Im Fachjargon nennt man das dann „konditionierte Entspannung“. Der neueste Hype heißt Vagusnerv-Training, ist aber auch nichts anderes 😉

  • Körperspannung abbauen lernen:
    Das kann man über Massagen, gezieltes Körperbewusstseinstraining, Balanceübungen oder Tellington TTouch erreichen. Tellington ist nicht mein Thema, daher kann ich Dir aus eigener Erfahrung nicht sagen, ob es funktioniert. Die Thunder Shirts fallen jedenfalls in diesen Bereich. 

  • Kontaktsitzen oder -liegen:
    Kann für viele Hunde ein Gamechanger sein, um runterzufahren, wenn die Welt da draußen gerade explodiert. Hierzu verlinke ich Dir einen früheren Artikel über das Kontaktsitzen von mir. 

  • Ressourcen nutzen, die schon da sind:
    Mag Dein Hund seine Decke oder seine Box?  Oder hat er einen Korb, der auch die anderen 364 Tage im Jahr sein sicherer Rückzugsort ist? All das sind Orte, an denen Entspannung schon abgespeichert ist. Nutze das! 

Silvesterangst Hund Kontaktliegen Hund hat Angst vor Silvester
So sieht Silvester in unser aller Vorstellung aus. Leider trifft das in der Realität nur selten zu. Viele Hunde haben mit Silvesterangst zu kämpfen.

3. Reizverarbeitung fördern

Lärmtraining ist mehr als YouTube-Knallerei auf Zimmerlautstärke. Es geht um:

  • Graduelle Gewöhnung an Geräusche
    in einem Kontext, den der Hund als sicher erlebt.

  • Verknüpfung mit Positivem
    z. B. Click für Lauschen oder für eine entspannte Reaktion. Und zwar nicht nur bezogen auf die Knallerei. Die meisten Hunde, die an Silvester ein Problem haben, zeigen das auch mehr oder weniger ausgeprägt bei anderen Geräuschen. 

  • Training von Frustrationstoleranz und Impulskontrolle
    beides verbessert auch die Fähigkeit, sich bei Reizüberflutung wieder zu regulieren. Zum Thema Impulskontrolle und Frustrationstoleranz gibt es ebenfalls einen Artikel hier im Blog

Akutmaßnahmen: Was hilft Hunden an Silvester?

Klar, wer gut vorbereitet ist, hat’s leichter. Aber auch spontan lässt sich noch etwas tun.

  • Rückzugsort schaffen:
    Möglichst schallgedämmt, gerne mit vertrauten Gerüchen und mit Dir als sicheren Anker. 

  • Geräuschkulisse im Haus:
    TV oder Musik kann helfen, die Knallerei von draußen zu übertönen.

  • Kauen, Lecken, Nagen:
    Für viele Hunde ein echter Selbstregulator, da diese Dinge von Haus aus Stress reduzieren. Also Kauartikel oder Schleckmatten bereithalten.

  • Bleib Zuhause:
    Kein „ignoriere ihn, sonst verstärkst du die Angst“-Quatsch. Obwohl meine Hunde einigermaßen gechillt sind, lasse ich sie Silvester nicht alleine zu Hause. Nicht mal bis 21 Uhr um Essen zu gehen. Ich weiß nicht was in meiner Abwesenheit passiert und ob einer der Hunde ein Trauma erleidet, was nie mehr gut zu machen ist. 

  • Sicherheitscheck:
    Doppelte Sicherung an der Leine, Haustür abschließen, keine Fenster offen lassen und Pipi auch im Garten gut gesichert, damit aus einem Schreck keine Tragödie wird. 

    Jedes Jahr häufen sich die Suchmeldungen rund um Silvester. Auch der entspannteste Hund kann sich so dermaßen erschrecken, dass er sein Heil in der Flucht sucht. Selbst meine Hunde (die zu 95% ihres Lebens ohne Leine laufen) sind an diesen Tagen durch eben diese gesichert. Und das, obwohl sie kein echtes Thema mit Silvester haben. Ich kann es daher nicht oft genug sagen. Safety first! 

Medikamente, CBD & Co: Was bei Silvesterangst beim Hund hilft (und was nicht)

Da ich keine Tierärztin bin, werde ich das Thema medikamentöse Begleitung hier ausklammern. Wenn Dich das interessiert, dann verlinke ich Dir an dieser Stelle einen Artikel von Ralf Rückert, seines Zeichens Tierarzt und Blogger, der da sehr ausführlich drauf eingeht. Von meiner Seite gibt es hier nur einen ganz groben Überblick, was so die gängigsten Angebote sind. Ich empfehle hier ausdrücklich nichts davon, da das meine Kompetenzen übersteigen würde!

  • CBD-Produkte:
    Können evtl. hilfreich sein, aber nicht jeder Hund spricht an. Frühzeitig ausprobieren, nicht erst am 30.12. Auch wenn es gerne so dargestellt wird, CBD ist kein Allheilmittel.

    Bei nacani gibt es tolle Produkte rund um das Thema Hanf. Nicht nur für Silvester. Und da es eine lokale Manufaktur ist, die alles bietet, was mir wichtig ist (Rohstoff Fleisch und Fisch aus lokalen Betrieben mit guten Haltungsformen) verlinke ich sie Dir hier sehr gerne. Mit dem Code „vitadogile-5“ bekommst Du sogar einen Rabatt auf Deine Bestellung. Also, schau gleich vorbei. Wenn Du über den Link bestellst, ist Dein Rabatt gleich aktiviert und Du unterstützt auch mich ein bisschen, so dass ich hier weiterhin kostenlosen Mehrwert bieten kann. ❤ 

  • Pheromone oder pflanzliche Mittel:
    Sind keine Wundermittel, können aber in Kombination mit Training unterstützen.

  • Medikamentöse Unterstützung durch den Tierarzt:
    Für schwer betroffene Hunde, die echte Panik haben, eine legitime Hilfe. Aber bitte gut abwägen und individuell beim Tierarzt beraten lassen.

    👉 Wichtig: Sedierung ist nicht gleich Entspannung. Ein Hund, der äußerlich ruhig ist, kann innerlich voller Panik sein.

Hunde mit echter Panik an Silvester

Wie ich schon in der Einleitung geschrieben habe, kann dieser Artikel Hunden, die unter echter Panik leiden, nur bedingt bis gar nicht weiterhelfen. Was meine ich mit Panik? Das sind Hunde, die gar nicht mehr ansprechbar sind, die sich erbrechen, die Harn und Kot unkontrolliert abgeben. Diese Hunde sind ein Häufchen Elend und möchten in diesen Tagen einfach nur sterben vor Angst. Das meine ich nicht als daher gesagten Spruch, sondern genau das sieht man diesen Hunden an. 

Aber was kann diesen Hunden helfen? 

  • Gegenkonditionierung mit einem guten Verhaltensberater
    Das ist ein Spezialgebiet im Hundetraining. Bitte informiere Dich vor dieser Arbeit über die Ausbildung des Trainers oder der Trainerin. Ich biete das z. B. nicht an.
  • Urlaub
    auf einer Insel mit Feuerwerksverbot oder in den Bergen. Wo kein Feuerwerk ist kann der Hund natürlich keine Angst davor zeigen. Ich würde dazu raten, diesen Urlaub schon ein paar Tage vorher zu beginnen und auch länger zu bleiben. Die Knallerei beginnt ja mittlerweile schon 3 Tage vorher und hört auch nicht am 01.01. um 1:00 Uhr auf. Die Hunde müssen also nicht nur ein paar Stunden mit ihrer Silvesterangst klarkommen.
  • Flucht
    auf die Autobahn oder an den Flughafen. Gerade Letzteres scheint mittlerweile gängig zu sein und man trifft viele Leidensgenossen. Also einfach Decke, Essen und Getränke einpacken und Silvester mit Fremden feiern. Kann ja auch wirklich ganz nett sein.
  • Medikamente
    Bitte lass Dich frühzeitig und individuell bei Deinem Tierarzt beraten. 

Und was ist denn jetzt mit diesem Eierlikör gegen die Silvesterangst des Hundes? 

Ein heißes Eisen. Daher hier ausdrücklich meine ganz persönliche Meinung. Ich kann nicht beurteilen, wie medizinisch verwerflich die Gabe von Alkohol bei Hunden ist. Damit darfst Du Dich gerne selber befassen und muss das dann ebenso für Dich selber entscheiden. Als Entscheidungshilfe hier eine juristische Stellungnahme zu diesem Thema mit Stand November 2024.

Das Nachfolgende ist also keine Handlungsempfehlung, sondern „nur“ meine ganz persönliche Meinung, als Hundehalter.

Wenn ein Löffel Eierlikör (und für die Größe des Löffels, im Bezug auf das Gewicht des Hundes, gibt es Berechnungen) meinem Hund hilft, Silvester weitestgehend angstfrei zu überstehen, dann werde ich ihm diesen Rausch gönnen. Punkt!

Das ist meine Entscheidung. Genauso wie ich Entscheidungen treffe, was meine Hunde fressen oder wie sie geimpft werden. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen. 

Ab Januar ist vor Dezember: Jetzt starten für nächstes Silvester

Wer nur am 31.12. reagiert, wird auch im nächsten Jahr improvisieren müssen. Für heuer kannst Du noch ein bisschen tun, wirst aber vielleicht noch nicht das Ergebnis bekommen, was möglich wäre.

Wer das ganze Jahr über an Beziehung, Vertrauen und Selbstregulation arbeitet, kann Schritt für Schritt echte Fortschritte machen.

Silvester ist nicht „der Test“, sondern das Ergebnis vieler kleiner Entscheidungen vorher. Und ganz ehrlich wird es auch nicht jeder Hund schaffen, dieses „Inferno“ einfach so zu ignorieren. Ich finde es schon mehr als gut, wenn unsere Hunde das zusammen mit uns gut gemeistert bekommen. 

Fazit:
Es gibt kein Patentrezept, aber viele Stellschrauben

Silvesterangst ist komplex und verdient eine differenzierte Herangehensweise. Es gibt nicht die eine Lösung, aber viele Möglichkeiten, dem Hund zu helfen. Ein bisschen Management, ein bisschen Training, eine große Portion Verständnis und der Mut, auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen.

Hast Du Lust zumindest die Zeit bis Weihnachten mit Deinem Hund entspannt zu genießen? 

Das trifft sich ziemlich gut! Ich habe einen 🎄 virtuellen Adventskalender erstellt, der Dich genau dabei unterstützen soll. 24 Türchen voller Ideen für mehr Verbindung, Achtsamkeit und gemeinsame Momente. Einfach nur Zeit für Euch zwei. 

Mein kleines 🎁 Geschenk an Dich für einen harmonischen Jahresausklang. Absolut von Herzen, weil achtsame Momente mit dem eigenen Hund einfach unbezahlbar sind 💛

Ich freue mich mega auf den Kalender und darauf die Adventszeit virtuell mit Dir und Deinem Hund zu verbringen. 

Ignoriere die Angst Deines Hundes niemals. Sei für ihn da, gibt ihm Nähe und Sicherheit. Auch wenn er am liebsten in Dich reinkrabbeln würde und das irgendwann nervt, bist Du sein Fels in der Brandung. 

So früh wie möglich. Am besten trainierst Du das das ganze Jahr über. Spätestens aber ab Oktober. Sonst bleiben Dir am Ende nur die Notfallmaßnahmen und Du verpasst die Chance, Deinem Hund und Dir, wirklich Erleichterung zu verschaffen. 

Bei PANISCHER Angst helfen schnelle Tipps aus dem Internet selten. Hol Dir bitte professionelle Hilf bei einem Verhaltenstherapeuten für Hunde. 
Du kannst Dich mit Deiner Tierärztin, Deinem Tierarzt beraten, ob eine medikamentöse Begleitung sinnvoll ist. 
Und / oder, Du trittst die Flucht in feuerwerksfreie Gefilde an. 

CBD kann helfen, muss es aber nicht. Wichtig zu wissen ist, es ist kein Akutmittel. Du musst frühzeitig mit der Gabe anfangen. Lass Dich hier von einem Fachmann beraten. Es gibt verschiedene Stärken und auch extra Öle für Tiere. 

Ob man das darf kann ich nicht beantworten und am Ende ist es eine Gewissensentscheidung. Scroll Dich hier gerne in den Artikel, dort habe ich Dir einen interessanten Link gesetzt und auch meine persönliche Meinung findest Du da. 

Schubladen zu! Warum Dogmatismus in der Hundeszene nervt

Ich hab’s so satt. Mir geht dieser Dogmatismus in der Hundeszene tierisch auf den Keks.

Die letzten Tage war ich mal wieder auf Facebook und Insta unterwegs und kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. 

Ein Beispiel aus einer Trainergruppe:
Ein Hund, der an der Leine pöbelt. Die Kommentare? Ein Schlachtfeld. „Du musst rein positiv arbeiten!“ „Der Hund braucht Grenzen!“ „Bedürfnisorientiert ist der einzige Weg!“ „Raumverwaltung löst alles!

Und ich saß da und dachte: Leute, ernsthaft? Können wir uns vielleicht auch mal gegenseitig zuhören? Oder müssen wir wirklich immer gleich losbrüllen?  

Willkommen im Schubladendenken

Die Hundeszene hat ein Problem. Und nein, ich meine nicht die Hunde. Ich meine uns Menschen und unsere Unfähigkeit, auch nur einen Millimeter von unserer „einzig wahren Methode“ abzuweichen. Jeder hat die Lösung gefunden. Und wehe Du tanzt aus der Reihe. Dann bist Du wahlweise ein Weichei, ein Tyrann, völlig ahnungslos oder gleich ein Tierquäler, dem sofort der Hund weggenommen gehört.

Da gibt es die „Rein Positiv“-Fraktion, die schon Schnappatmung bekommt, wenn man das Wort „Nein“ auch nur denkt. Auf der anderen Seite stehen die „Grenzen setzen“-Verfechter, die bei jedem bedürfnisorientierten Kommentar die Augen rollen. Dazwischen tummeln sich die Bedürfnisorientierten, die Raumverwalter, die Strukturfanatiker, alle fest überzeugt, dass ihr Weg der einzig richtige ist.

Ganz ehrlich? Wer soll da noch durchblicken? 

Ich nicht! Ich stehe in der Mitte und denke mir: Ihr habt doch alle ein bisschen Recht. Und gleichzeitig alle ein bisschen Unrecht.

Die Lager im Überblick und was die Wissenschaft dazu sagt

Bevor jetzt alle aufschreien: Ja, es gibt Fakten. Richtige, wissenschaftlich belegte Fakten. Und die sollten wir kennen, bevor wir dogmatisch unsere Fahnen schwenken.

Die Lager

Rein positiv

  • Ursprung: Lerntheorie, insbesondere die operante Konditionierung nach Skinner.

  • Definition: Arbeit mit positiver Verstärkung (Belohnung für erwünschtes Verhalten) und Vermeidung von positiver Bestrafung (z. B. Leinenruck, körperliche Strafen).

  • Praxis: Belohnungen wie Futter, Spiel, Lob. Unerwünschtes Verhalten wird möglichst ignoriert oder durch Alternativverhalten ersetzt.

  • Forschung: Zahlreiche Studien zeigen, dass positive Verstärkung ein effektiver Weg ist, Verhalten aufzubauen (z. B. Feuerbacher & Wynne 2011).

Bedürfnisorientiert

  • Ursprung: Begriff aus der Humanpädagogik, übertragen in die Hundeszene.

  • Kernidee: Hunde sollen so trainiert und begleitet werden, dass ihre Grundbedürfnisse (z. B. Nahrung, Ruhe, Bewegung, Sicherheit, Sozialkontakt) berücksichtigt und erfüllt werden.

  • Praxis: Training wird oft darauf abgestimmt, Bedürfnisse zu identifizieren und daraus Motivation abzuleiten (z. B. mehr Ruhe, wenn Hund überdreht; mehr Sozialkontakt, wenn Bindung fehlt).

  • Forschung: Es gibt keine direkte Studie zu „bedürfnisorientiertem Training“ als Methode. Aber viele Studien belegen die Bedeutung einzelner Bedürfnisse (z. B. Cortisolanstieg bei Isolation, Lernverbesserung nach Schlaf).

Raumverwaltung

  • Ursprung: Konzepte wie Natural Dogmanship (Jan Nijboer).

  • Kernidee: Wer Raum kontrolliert, kontrolliert automatisch Ressourcen und vermittelt Sicherheit.

  • Praxis: Trainer nutzen bewusst ihr Verhalten im Raum, um Hunde zu lenken (z. B. Türen blockieren, Bewegungen steuern, Distanzregeln setzen).

  • Forschung: Direkte Studien zur „Raumverwaltung“ als Methode gibt es nicht. Sie fußt auf Beobachtungen von sozialem Verhalten bei Wölfen und Hunden, sowie auf Prinzipien von Ressourcenkontrolle.

Grenzen setzen

  • Ursprung: Klassische Hundeerziehung, stark geprägt durch Hierarchie- und Dominanzvorstellungen.

  • Moderne Definition: Nicht mehr primär Härte, sondern klare, konsistente Regeln und Rahmenbedingungen für den Hund.

  • Praxis: Grenzen können durch Management (z. B. Leine, Türgitter), Training (Signal „Stopp“), oder klare Regeln (nicht auf Sofa, nicht über Straße) umgesetzt werden.

  • Forschung: Studien zeigen, dass Vorhersagbarkeit und Konsistenz für Hunde wichtig sind, um Stress zu vermeiden (z. B. Hennessy 1997; C. Cavalli et al. 2022). Unklare Regeln erhöhen Stress und Frustration. Grenzen wirken also stabilisierend, solange sie fair vermittelt werden.

Die Fakten

  • Positive Verstärkung funktioniert. Das ist zigfach belegt. Studien zeigen immer wieder: Belohnungsbasiertes Training ist effektiv und hat weniger unerwünschte Nebenwirkungen als strafbasierte Methoden. Karen Pryor hat mit Clickertraining Maßstäbe gesetzt, und moderne Verhaltensforschung gibt ihr recht.
  • Strafbasiertes Training hat Risiken. Auch das ist wissenschaftlich belegt. Hunde, die mit harten Strafen trainiert werden, zeigen erhöhte Stressmarker und ein höheres Risiko für Verhaltensprobleme. Das heißt nicht, dass jedes „Nein“ den Hund traumatisiert, aber es heißt, dass wir vorsichtig sein sollten.
  • Die Dominanztheorie ist tot. Ja, mausetot. David Mech, der ursprünglich die Alpha-Wolf-Theorie popularisiert hat, hat sie selbst korrigiert. Wölfe in freier Wildbahn leben in Familienverbänden, nicht in Dominanzhierarchien. Einen ausführlichen Artikel auf Deutsch dazu findest Du bei Animal Learn.  Wer heute noch von „Rudel“ und „Alpha“ spricht, ist wissenschaftlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Wobei die Begriffe im alltäglichen Sprachgebrauch auch immer wieder falsch angewendet werden. Begrifflichkeiten sind somit generell etwas schwierig.
  • Struktur und klare Kommunikation sind wichtig. Hunde brauchen Orientierung. Sie brauchen Vorhersehbarkeit. Sie wollen wissen, was von ihnen erwartet wird. Das ist keine Dominanz, das ist einfach gute Kommunikation.
  • Grenzen sind keine Gewalt. Ein klares „Nein“, ein Abbruch eines unerwünschten Verhaltens, eine Regel, das sind keine Strafen im wissenschaftlichen Sinne. Das ist Information. Und ja, Hunde können und müssen lernen, dass nicht alles geht.

Die Grauzone – wo es kompliziert wird

Jetzt kommen wir zu den Bereichen, wo die Wissenschaft noch nicht alle Antworten hat. Bedürfnisorientierung zum Beispiel. Klingt toll, oder? Der Hund entscheidet mit, hat Autonomie, seine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt.

Aber was sind eigentlich „echte“ Bedürfnisse? Wenn mein Hund das „Bedürfnis“ hat, jeden Jogger zu jagen, erfülle ich das dann? Ist es Autonomie oder einfach schlechtes Training, wenn er entscheidet, dass er heute keine Lust auf Rückruf hat?

Die Balance zwischen Bedürfnissen und notwendiger Führung ist komplex. Und genau deshalb brauchen wir keine Dogmen, sondern Köpfchen.

Dogmatismus Hund
Wer soll denn da noch durchblicken? Der Hund glaubt bald, er soll ein Einhorn werden.
Bild KI generiert

Warum alle ein bisschen Recht haben (und trotzdem hart nerven)

Die Wahrheit ist doch, wie so oft, echt einfach: Fast jeder Ansatz hat einen wahren Kern.

Positive Verstärkung? Funktioniert fantastisch. Ich liebe es, mit meinen Hunden zu arbeiten, ihnen Erfolge zu ermöglichen, sie für gutes Verhalten zu belohnen und ihnen eine gute Zeit zu schenken. Das baut eine tolle Beziehung auf.

Aber: Wenn ich mir sicher bin, sie haben verstanden was ich von ihnen will und setzen die Aufgaben nicht um, dann wird’s eben auch mal nicht positiv.  

Bedürfnisorientiert? Klar! Ich achte darauf, dass meine Hunde genug Schlaf bekommen (was hier in meinem Chaos auch nicht immer einfach ist), dass sie artgerechte Beschäftigung haben, und dass sie nicht überfordert werden. Das ist wichtig und richtig.

Aber: Die Bedürfnisse meiner Hunde enden da, wo sie andere Lebewesen in ihrer Freiheit und Selbstbestimmung einschränken. Fun Fakt: Auch ich zähle mich zur Gruppe der „anderen Lebewesen“. Denn nein, ich ordne meine Bedürfnisse nicht hinter denen der Hunde ein. Zumindest nicht immer. Es sind immer Kompromisse. Mal verzichte ich, mal sie. Easy. 

Grenzen setzen? Absolut! Meine Hunde dürfen nicht jeden Gast anspringen, nicht aus dem Haus schießen, wenn die Tür aufgeht, nicht am Tisch betteln und mit nassen Pfoten nicht aufs Sofa. Und es ist unter Androhung der Todesstrafe verboten, den Feldweg in Richtung Bahngleise zu verlassen. Das sind klare Regeln, und die machen unser Zusammenleben entspannt.

Aber: Auch Grenzen sind keine Dogmen. Finden wir es nicht alle toll, mal was „Verbotenes“ zu tun? Lassen wir den Hunden, wenn möglich, doch auch mal diesen „Nervenkitzel“!

Raumverwaltung? Ja, manchmal! Wenn ich weiß, dass eine Situation schwierig wird, manage ich sie. Da gehen die Hunde dann eben auch mal hinter mir, obwohl sie ihren Auftrag eher vorne sehen würden. 

Aber: Nur weil ich immer zuerst aus der Tür gehe, bin ich nicht automatisch der Rudelführer des Jahres. Triggerwarnung: Ich steige sogar ab und zu über meine Hunde drüber, damit sie weiter schlafen können. Die lieben Tierchen haben aber ein Talent dafür dann trotzdem auszustehen, und zwar genau in dem Moment, wo ich auf einem Bein mit der vollen Kaffeetasse über ihnen stehe. Kennst Du, oder? 

Das Problem ist nicht, dass die Ansätze falsch sind. Das Problem ist der Dogmatismus. Die Unfähigkeit zu sagen: „Hey, das funktioniert in dieser Situation, aber vielleicht brauche ich da was anderes.“

Mein Ansatz – pragmatisch und ohne Dogmatismus

Ich arbeite mit meinen Hunden nicht nach einem starren System. Ich arbeite nach dem, was der jeweilige Hund in der jeweiligen Situation braucht. Hier wird klar, dass da bei 3 Hunden, ein und die selbe Situation manchmal 2 bis 3 verschiedene Handlungsweisen braucht. 

Beim Aufbau eines neuen Signals? Rein positiv, kleinschrittig, mit viel Belohnung. Da gibt es kein „Nein“, nur Erfolg oder nochmal probieren.

Bei Sicherheitsthemen wie Giftködern oder Straßenverkehr? Klare Grenzen, sofort, unmissverständlich. Da geht es um Leben und Tod, nicht um Diskussionen über Bedürfnisse.

Wenn ein Hund überdreht ist und nicht mehr ansprechbar? Runterfahren, Reize reduzieren, Management. Nicht noch mehr Training draufpacken.

Wenn er unsicher ist? Vertrauen aufbauen, positive Erfahrungen schaffen, Bedürfnis nach Sicherheit erfüllen.

Und ich liebe es, dass es so viele verschiedene Ansätze gibt und ich mich immer wieder aus verschiedenen Werkzeugkisten bedienen kann. Warum zur Hölle soll, ja muss, ich mich denn da für einen entscheiden? Das ist doch dumm. Ich schließe so viele gute Sachen aus, nur um einer Strömung fast schon sektenhaft zu folgen. Versteh ich nicht. 

Das eigentliche Problem? Je mehr Dogma, je lauter! 

Weißt Du, was mich wirklich aufregt? Nicht die verschiedenen Methoden. Sondern die Missionare. Wenn mancher Trainer auf Facebook schreibt, denke ich: „Der Hund braucht keine Grenzen, aber der Trainer vielleicht mal eine.“

Die Leute, die in jeder Hundegruppe ihre Methode predigen müssen. Die bei jedem Problem die gleiche Lösung haben, egal ob’s passt oder nicht. Die andere runtermachen, weil die nicht ihrer Ideologie folgen.

Es geht nicht darum, wer die coolste Methode hat. Es geht um:

  • Den individuellen Hund mit seiner Geschichte, seiner Persönlichkeit, seinen Stärken und Schwächen
  • Die konkrete Situation  ein Welpe braucht was anderes als ein Senior, ein ängstlicher Hund was anderes als ein draufgängerischer
  • Die Beziehung
    was bei mir und meinem Hund funktioniert, muss bei Dir nicht klappen
  • Reflektierte Praxis 
    nicht blind einer Methode folgen, sondern schauen: Wirkt das? Geht’s meinem Hund damit gut? Geht’s mir damit gut?

Am Ende zählt doch nur eins: Geht es dem Hund gut? Ist er entspannt, ausgeglichen, glücklich? Funktioniert das Zusammenleben? Hat der Mensch ein gutes Gefühl?

Wenn die Antwort ja ist, dann ist es egal, ob Du das „rein positiv“, „bedürfnisorientiert“ oder „strukturiert“ nennst.

Mein Appell: Schubladen zu, Hirn an

Ich wünsche mir mehr Offenheit in der Hundeszene. Mehr Neugier statt Rechthaberei. Mehr „Lass uns schauen, was funktioniert“ statt „Das ist der einzige Weg“.

Wir sollten voneinander lernen statt uns zu bekriegen. Die „Rein Positiv“-Fraktion könnte von der Klarheit der Grenzensetzer lernen. Das „Wir-haben-uns-alle-lieb-Lager“ könnte verstehen, dass nicht jedes Verhalten „Dominanz“ ist. Die Bedürfnisorientierten könnten akzeptieren, dass auch ein Hund manchmal Dinge tun muss, auf die er keine Lust hat und dass es neben dem Hund noch andere Lebewesen gibt, die ebenfalls Bedürfnisse haben. 

Und am Wichtigsten: Wir sollten aufhören, jeden, der anders trainiert als wir, als Tierquäler oder Weichei abzustempeln.

Meine Wahrheit ist: Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Es gibt gute Prinzipien, gesicherte Erkenntnisse, bewährte Methoden. Aber wie wir die kombinieren, gewichten und anwenden, das ist individuell. Und soll es in meinen Augen auch bitte bleiben. 

Mein Hund ist kein Lehrbuch. Dein Hund auch nicht. Und genau deshalb brauchen wir keine Ideologien, sondern gesunden Menschenverstand, Empathie und die Bereitschaft, flexibel zu sein.

Also: Schubladen zu. Hirn an. Hund anschauen. Und dann das machen, was für genau diesen Hund in genau dieser Situation das Beste ist.

Ist das so schwer? Schreib mir Deine Sicht der Dinge gerne in die Kommentare. Feuer frei!