Bekenntnisse einer unverbesserlichen Tierquälerin (oder so…)
Vielleicht ist es Dir schon aufgefallen: Wir leben im goldenen Zeitalter der „Dogmoms“ und „Dogdads“. Menschen, die ihre Instagram-Bio mit „Proud Dogmom of Fluffy“ schmücken und Babywiegen für ihre Schnuffis kaufen. Die ihre Hunde nicht nur als vollwertige Familienmitglieder betrachten, sondern als göttliche Wesen, denen wir Menschen demütig zu dienen haben. „Hunde sind die besseren Menschen“ ist einer der häufigsten Sätze die ich da so lese. An dieser Stelle denke ich mir dann immer so „okay, ich liebe Steine. Sehr!“
Ich liebe meine Hunde wirklich von ganzem Herzen, aber ich muss heute mal ketzerisch werden: Ich bin keine „Dogmom“. Ich bin – halte Dich fest – Hundehalterin. Ja, ich weiß. Böse.
Liebe ja, Hundebabyschuhe nein
Versteh mich nicht falsch: Meine Hunde leben bei mir wie die Maden im Speck. Sie dürfen aufs Sofa (natürlich erst nachdem sie vorher gefragt haben. Klar, oder?), schlafen manchmal im Bett (müssen sie aber nicht!), bekommen hochwertige Nahrung (nein, kein selbstgekochtes Bio-Gourmet-Menü mit Goldstaub), regelmäßige tierärztliche Versorgung und werden vielfältig beschäftigt. Sie begleiten mich in den Urlaub, wenn es möglich ist. Sie sind ein ganz wichtiger Teil meiner Familie.
Aber – und jetzt kommt’s – sie tragen keine Designerklamotten. Sie haben keinen eigenen Instagram-Account. Sie feiern keine „Geburtstagspawties“ mit Hundekuchen und zwanzig eingeladenen Fellfreunden. Sie sind keine Ersatzkinder, die mir den menschlichen Nachwuchs ersetzen. Sie sind – Überraschung! – Hunde. Wundervolle, pelzige, sabbernde, manchmal stinkende, meistens liebenswerte Hunde, die mir auch oft genug schlicht auf die Nerven gehen.
Die „Mein-Hund-ist-mein-Ein-und-Alles“-Industrie
In den letzten Jahren hat sich eine regelrechte Industrie entwickelt, die von der Vermenschlichung unserer vierbeinigen Freunde profitiert. Hundekinderwagen für 300 Euro? Natürlich! Designerparfüm für Bello? Ein Muss! Hundehotels mit Einzelzimmern und Minibar? Wo kann ich buchen?!
Und wer das nicht mitmacht, wird schneller als Tierquäler abgestempelt als man schauen kann. „Was? Dein Hund trägt im Winter keine Stiefelchen? Wie KANNST du nur?!“ – nun, vermutlich weil er Pfoten hat, die seit Jahrtausenden für genau diese Witterungsbedingungen entwickelt wurden, aber was weiß ich schon.
Aber es gibt das natürlich auch andersrum. „Was? Dein Hund hat einen Mantel an? Wie KANNST du nur, er fühlt sich dadurch in seiner Würde verletzt?! – ja ne, ist klar. Hm, so ein Pudel hat nun mal keine Unterwolle und den alten Hunden zwickt hin und wieder der Rücken. Aber ich hab ja keine Ahnung.
Die moralische Überlegenheit der Hundefanatiker
Was mich besonders amüsiert (oder zur Weißglut treibt, je nach Tagesform): Die unerschütterliche moralische Überlegenheit von ganz vielen selbsternannten Hundeeltern.
„Du gehst ohne deinen Hund zu Freunden? Wie KANNST du ihn nur so im Stich lassen?“ – Nun, vielleicht weil mein Freund eine Hundehaarallergie hat und ich nicht möchte, dass er während unseres Treffens langsam erstickt? Wie unsensibel von mir!
„Deine Hunde dürfen nicht in die Küche? Das ist ja praktisch Isolationshaft!“ – Stimmt, diese 20 Quadratmeter weniger in einer 100qm-Wohnung sind buchstäblich Guantanamo für Hunde.
„Du fährst vier Wochen in den Urlaub OHNE deine Hunde?!“ – Ja, weil sie erstaunlicherweise keine großen Fans von 20-stündigen Interkontinentalflügen und afrikanischen Parasitenrisiken sind. Jaaaa, ich weiß, dann muss man halt in den Schwarzwald fahren, da kann man die Fiffis ja mitnehmen. Aber da kenn ich schon alles, weil ich da schon so oft mit den Hunden Urlaub gemacht habe.
Ein ausgewogenes Verhältnis ist einfach… vernünftig
Ich bin der festen Überzeugung: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mensch und Hund ist für beide Seiten gesünder. Meine Hunde wissen, dass sie geliebt werden – aber sie wissen auch, dass die Welt sich nicht ausschließlich um ihre flauschigen Hintern dreht. Sie dürfen Hunde sein, mit Hundebedürfnissen und Hundeverhalten, ohne dass ich ihnen menschliche Gefühle, Gedanken oder Bedürfnisse andichte.
Das bedeutet für mich konkret:
- Ich gehe auch ohne meine Hunde zu Freunden (und halte das tatsächlich ohne Therapiesitzungen aus)
- Ich erwarte nicht, dass meine Vierbeiner im Feinkostladen willkommen sind (überraschenderweise hat nicht jeder Lust auf Hundehaare im Trüffelrisotto)
- Ich plane auch längere Urlaube ohne meine Fellnasen (und nein, ich schicke ihnen keine täglichen Postkarten)
- Ich respektiere ihre Hundenatur und verkleide sie nicht als pelzige Menschen in einem furchtbar unbequemen Weihnachtsmannkostüm
- Ich backe meinen Hunden keinen Kuchen zum Geburtstag
- Ich lebe nicht das Leben meiner Hunde, sondern meine Hunde leben mein Leben.
Leben und leben lassen – aber bitte mit weniger Dogma
Jeder soll mit seinen Hunden so umgehen, wie er es für richtig hält – solange die Tiere gesund und glücklich sind. Was mich stört, ist nicht die intensive Liebe zu Hunden (die ich selbst empfinde), sondern die erstaunliche Intoleranz gegenüber allen, die nicht jeden Atemzug ihres Lebens dem Hund widmen.
Wenn Du Dich als „Dogmom“ identifizierst, dein Haus mit lebensgroßen Hundeporträts dekorierst und mehr Geld für Hundespielzeug als für Deine eigene Garderobe ausgibst – nur zu! Aber erspar mir bitte die vorwurfsvollen Blicke, wenn ich gestehe, dass mein Hund gelegentlich auch mal – halte Dich fest – ALLEINE ZUHAUSE bleibt, während ich ein menschliches Leben führe.
Unterm Strich geht es um gegenseitigen Respekt: Ich respektiere Deinen Wunsch, Deinen Schnuffl im Babytragetuch durch die Stadt zu tragen, und Du respektierst, dass ich meine Hunde als… Hunde behandle. Deal?
In diesem Sinne bleibe ich eine liebevolle, aber realistische Hundehalterin – keine „Dogmom“. Und meine Köter (huch, hab ich DIESES Wort jetzt tatsächlich auch noch zu Papier gebracht?) scheinen erstaunlicherweise nicht traumatisiert zu sein, obwohl sie weder 24/7 an meinem Hosenbein kleben noch eigene Kreditkarten haben. Wunder gibt es immer wieder.
Mir war ja gar nicht bewusst, dass es da wirklich solche Grabenkämpfe gibt. Das „Hundeeltern“ automatisch mit positiven und „Hundehalter“ per se mit negativen Eigenschaften verknüpft werden. Manchmal bin ich aber auch wirklich erstaunt was außerhalb meiner „Insel der Glückseligkeit“ im world wide web so diskutiert wird. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass man da so eskalieren kann.
Wie siehst Du das? Bist Du Team Hundehalter(in) oder Team Dogmom / Dogdad? Oder findest Du die ganze Debatte so überflüssig wie einen Pullover für einen Husky im Hochsommer? Ich freue mich auf Deinen Kommentar – und natürlich auch auf empörte Nachrichten von „Dogmoms“, die mir erklären, warum ich in die Hölle kommen werde!